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Lokales Klärwerk Rosental: Naturschützer halten Ausbau für falsch
Leipzig Lokales Klärwerk Rosental: Naturschützer halten Ausbau für falsch
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20:59 18.09.2019
Das Klärwerk Rosental wird seit vielen Jahren ausgebaut und modernisiert. Jetzt soll eine weitere Ausbaustufe für noch mehr Kapazitäten sorgen, um die Abwässer der wachsenden Stadt dort auch noch in vielen Jahren klären zu können. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fordert, die Ausbaupläne für das Klärwerk Rosental auf den Prüfstand zu stellen, um das bei Starkregen übliche Einleiten ungeklärter Abwässer in Leipzigs Flüsse und Gräben zu unterbinden (die LVZ berichtete). Die ökologischen Folgekosten dieser Einleitungen seien enorm und müssten in die Gesamtrechnung mit einbezogen werden, heißt es im Nabu-Regionalverband Leipzig.

Neu abgewogen werden müsse, ob das zentrale Klärwerk im Rosental oder dezentrale Anlagen langfristig günstiger sind. „Wir haben mehrmals im Jahr Anrufe von Leipzigern, die wegen Fischsterben und Toilettenpapier in den Flüssen Angst um ihre Hunde oder ihre eigene Gesundheit haben“, schildert Roland Zitschke die Situation, Ehrenvorsitzender des Nabu-Regionalverbandes Leipzig. „Wenn wir deshalb bei den Wasserwerken, im Umweltamt oder bei der Talsperrenverwaltung intervenieren, schieben sie sich die Verantwortung gegenseitig zu – und es tut sich nichts.“

Das Klärwerk Rosental (im Hintergrund) ist von Flüssen umgeben, in die die gereinigten Abwässer eingeleitet werden. Dorthin fließen aber auch ungeklärte Abwässer, wenn Starkregen die Kapazitäten des Klärwerks überfordern. Der Naturschutzbund will, dass damit Schluss ist. Quelle: Marcus Löschner

Nabu: Abwässer lösen Fischsterben aus

Zitschke erzählt auch, dass nicht nur die Einleitbauwerke der Wasserwerke automatisch aufspringen, wenn bei einem Starkregen zu viel Wasser auf das Klärwerk Rosental zurollt. „Es gibt außerdem auch noch sogenannte Probe-Züge“, erzählt der 88-Jährige. „Ich selber habe gesehen, wie zwei Männer den Nahle-Auslass am Elsterbecken von Hand geöffnet haben und dann eine Brühe mit sehr viel schwarzem Schlamm in die Nahle geflossen ist. Das Wasser dampft dann richtig.“

In der Folge sei Fischsterben zu beobachten. „Außerdem geraten mit dem Schlamm und dem Abwasser auch Medikamente in die Flüsse, die von Tieren und Pflanzen aufgenommen werden“, betont Zitschke. Mitglieder des Nabu hätten in Brandenburg bereits Veränderungen bei Fischen beobachtet, die Folge von Medikamenten-Einleitung sein könnten.

Auch Leipzigs Nabu-Vorsitzender René Sievert sieht das so. „Wenn man die ökologischen Folgekosten berücksichtigt, ist es sehr zweifelhaft, dass Leipzigs zentrales Klärwerk auch in Zukunft die beste Lösung ist, um alle Abwässer der wachsenden Stadt zu klären“, sagt er. „Wir haben auch noch keine Idee für ein neues Abwasserkonzept. Aber diese Branche entwickelt sich sehr innovativ. Deshalb macht es Sinn, über neue Konzepte zu diskutieren. So wie es ist, kann es nicht bleiben.“

Wasserwerke setzen auf Kapazitätserweiterung

Wie berichtet, haben die Wasserwerke LVZ-Recherchen bestätigt und berichtet, dass derzeit an rund 90 Stellen ungeklärte Abwässer in Flüsse und Gräben abgeleitet werden, wenn bei einem Starkregen eine Überflutung ihrer Anlagen im Klärwerk Rosental droht. Allein im Klärwerk habe es im vergangenen Jahr 34 solcher Ableitungen gegeben, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Diese Praxis sei deutschlandweit üblich.

Um die Einleitungen ungeklärter Abwässer zu reduzieren, will das Unternehmen in den nächsten Jahren unter anderem die Leistungsfähigkeit des Klärwerks von aktuell 13 000 Kubikmetern pro Stunde auf 16 200 erweitern, perspektivisch auf 18 700. Auch der Bau eines neuen Auffangbeckens mit bis zu 10 000 Kubikmetern Fassungsvermögen ist im Gespräch.

Entlastung ohne Abwässer aus Schkeuditz?

Nach Ansicht des Nabu reicht das nicht aus. „Man kann nicht im 21. Jahrhundert unsere Fließgewässer derartig mit Abwasser belasten, dass Fische sterben“ kritisiert Sievert. Es müsse zudem endlich mit der Praxis Schluss sein, die Abwässer der Stadt Schkeuditz über eine Druckleitung nach Leipzig ins Klärwerk Rosental zu pumpen, um diese dort zu reinigen, ergänzt der Ehrenvorsitzende Zitschke.

Schkeuditz sei eine aufstrebende Stadt mit immer mehr Einwohnern und Leipzig auch. „Das wird auf Dauer nicht funktionieren.“ Schkeuditz müsse seine Abwässer auf seiner Flur klären, auch wenn dies dort im Stadtrat unpopulär sei. Leipzigs Klärwerk würde dadurch etwas entlastet.

Kleinere dezentrale Klärwerke wurden geschlossen

Unverständlich ist den Naturschützern auch, dass Leipzigs Wasserwerke in der Vergangenheit kleinere Klärwerke wie das in Leutzsch dichtgemacht haben und seitdem Abwässer von dort in das schon überforderte Klärwerk Rosental leiten. „Wahrscheinlich braucht das Unternehmen wieder mehr dezentrale Lösungen“, meint Sievert. „Darüber sollte eine öffentliche Diskussion geführt werden.“

Ein Dorn im Auge der Umweltschützer ist auch, dass durch Abwasseranlagen wie die Schkeuditzer Druckleitung unterirdische Fließverbindungen gestört werden, die für das Bewässern des Auwaldes notwendig sind. „Das Klärwerk Rosental ist ein Riesen-Problem für die Bewässerung des Auwaldes“, meint Zitschke. Wasser sei nötig, um Einleitungen aus dem Klärwerk Rosental zu verdünnen. „Das Wasser fehlt dem Auwald, der dringend darauf angewiesen ist.“

Wasserwerke: Wir haben die beste Lösung gefunden

Die Wasserwerke betonen, dass die Zusammensetzung ihres geklärten Wassers deutlich unter den vorgegebenen Grenzwerten liegt und in der Landesdirektion der Genehmigungsprozess für den Ausbau des Klärwerks Rosental läuft. „Wir haben dafür fünf Jahre geplant, Alternativen wie dezentrale Anlagen durchgerechnet und zwölf Fachgutachten erstellen lassen, die auch die Auswirkungen auf Flora und Fauna sowie die Gewässerqualität untersucht haben“, betont der technische Geschäftsführer Ulrich Meyer. „Wir sind davon überzeugt, unter allen Gesichtspunkten die bestmögliche Ausbauvariante erstellt zu haben – am historisch bewährten Standort Rosental, in den Grenzen des bestehenden Klärwerks und auch unter Beachtung der Sensibilität der Gewässer ringsum.“

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Die Abwässer aus Schkeuditz würden „weniger als drei Prozent“ der Menge ausmachen, die im Rosental behandelt wird. „Selbst ohne dieses Abwasser hätten wir immer noch 97 Prozent unseres Klärvolumens“, betont Meyer. Weil es im Rosental bereits hoch spezialisierte Anlagen wie eine Schlammbehandlung oder eine Biogasverwertung gebe, sei es wirtschaftlicher und ökologischer, die Abwässer dort zentral weiter zu behandeln. „Auch Leipzigs Kanalnetz ist seit über 100 Jahren auf diesen Standort zugeschnitten worden.“ Es wäre extrem aufwendig und wirtschaftlich nicht vertretbar, das Netz auf dezentrale Anlagen umzugestalten. „Dezentrale Anlagen sind kein Allheilmittel“, meint der Geschäftsführer.

So sei zum Beispiel die Ertüchtigung der Ende der 1990er-Jahre geschlossenen Kläranlage in Leutzsch an diesem Standort ökologisch und wirtschaftlich wegen der sensiblen Gewässersituation nicht sinnvoll gewesen. Deshalb würden die Abwässer heute ins Klärwerk Rosental geleitet. In Leutzsch sorge ein neu gebautes Rückhaltebecken dafür, dass auch bei Regen Mischwasserabschläge in den Bauerngraben auf ein Minium reduziert würden. Das Klärwerksareal im Rosental biete genug Platz und technische Möglichkeiten, Leipzigs Abwasser auch noch in vielen Jahren zu behandeln. „Dieser Standort ist unter allen Szenarien, die wir heute abschätzen können, zukunftsfähig“, sagt Meyer.

Ökologische Folgekosten nicht eingeflossen

Folgekosten für Umweltschäden seien in die Kostenermittlung für den Klärwerksausbau nicht eingeflossen. „Das war nicht notwendig, weil es solche Folgekosten nicht gibt“, sagt der Geschäftsführer. „Der Ausbau des Klärwerks sorgt im Gegenteil dafür, dass sich die Gewässerqualität weiter verbessern wird.“ Auch den Vorwurf, mit dem Abwasserkonzept die Bewässerung des Auwaldes zu behindern, weist er zurück. „Wir leiten unser gereinigtes Abwasser in sehr guter Qualität in die Gewässer ein, die wir vorgefunden haben.“

Bei den Berechnungen für die Ausbaupläne des Klärwerks seien auch Bewässerungsprojekte wie die „Lebendige Luppe“ berücksichtigt und modelliert worden. „Aus unserer Sicht steht unser Abwassersystem der Bewässerung des Auwaldes nicht entgegen“, fasst Meyer das Ergebnis zusammen. „Aber wir kennen natürlich nicht alle Überlegungen.“ Deshalb sei sein Unternehmen bereit, das Ausbaukonzept den Interessengruppen noch einmal vorzustellen. Auch im begonnenen Genehmigungsverfahren für den Ausbau des Klärwerks werde die Landesdirektion noch eine Öffentlichkeitsbeteiligung durchführen.

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Von Andreas Tappert

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