Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Nach Anschlag – Leipzigs Baubranche in Angst
Leipzig Lokales Nach Anschlag – Leipzigs Baubranche in Angst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:54 06.11.2019
Der Grund für den brutalen Angriff auf eine junge Frau: Drei Häuser mit insgesamt 40 Eigentumswohnungen will der Leipziger Projektentwickler Wassermühle in der Wolfgang-Heinze-Straße 36 schaffen. Hier eine Hofansicht. Quelle: Stefan Förster
Leipzig

Der brutale Überfall auf die Prokuristin einer Immobilienfirma in ihrer Wohnung schockiert die Leipziger Baubranche. Viele Mitarbeiter hätten Angst vor weiteren Anschlägen, heißt es unisono. Gemeinsam müsse ein besserer Schutz gegen Attacken von Linksextremisten organisiert werden.

„Folge der verbalen Aufrüstung“

„Dieser Angriff ist die Folge der verbalen Aufrüstung in den letzten Monaten. Wer Hass säht, erntet Gewalt“, sagte René Hobusch, Präsident des Eigentümerverbandes Haus & Grund Sachsen, gegenüber der LVZ. „Da sind die Distanzierungen oft halbherziges Geschwurbel. Das klarste Zeichen wäre ein Runder Tisch mit allen Akteuren: Mieter, Eigentümer, Entwickler und OBM. Dort müssen Lösungen gesucht werden – in einem Miteinander und nicht in Konfrontation.“

30.000 neue Wohnungen gebraucht

Auch der Bundesverband Freier Immobilien und Wohnungsunternehmen (BFW) schloss sich den Forderungen nach einem gemeinsamen Vorgehen gegen Gewaltexzesse an. „Ich bin gerade auf dem Weg zur Leipziger SPD-Fraktion“, erklärte der sächsische BFW-Chef Steffen Bieder. „Wir wollen darüber reden, wie die Stadt zu den 30.000 Wohnungen kommt, die dringend gebraucht werden. Dazu gehört auch der Schutz für die Bauunternehmen und deren Mitarbeiter.“

Beide Verbände betonten, dass Gewalt die Probleme beim Bereitstellen von genügend bezahlbarem Wohnraum nicht löse, sondern verschärfe. „Für mich ist das sinnlose Bilderstürmerei“, sagte Bieder. Nur ein großes Wohnungsangebot sorge dauerhaft für günstige Mieten.

Projekt in Connewitz für Familien gedacht

Wie berichtet, hatte sich eine linksextreme „Kiezmiliz“ zu dem Anschlag auf eine 34-jährige Prokuristin des Leipziger Unternehmens Wassermühle Immobilien GmbH bekannt. Diese errichtet zurzeit in Connewitz 40 Eigentumswohnungen, die für Familien gedacht sind. Zwei vermummte Täter klingelten am Sonntag gegen 19.10 Uhr an der Wohnung der Frau in Wahren und schlugen dann auf sie ein – auch mitten ins Gesicht.

Opfer von der Arbeit freigestellt

Die Frau musste ärztlich behandelt werden. Sie ist nun auf unbestimmte Zeit von ihrer Tätigkeit freigestellt, um Ruhe zu finden und den Anschlag verarbeiten zu können, teilte Geschäftsführer Bruno Gerber mit. „Wir sind schockiert über den feigen Überfall auf unsere Mitarbeiterin“, erklärte er. „Nach vorangegangenen Drohungen und dem jüngsten Brandanschlag auf unsere Baustelle hat die Gewalt eine bislang völlig unbekannte Dimension erreicht. Das können wir nicht wortlos hinnehmen.“

Firma Wassermühle gesprächsbereit

Wer Menschen attackiere und verletze, folge einer irre geleiteten Ideologie, sagte Gerber. „Es fehlt selbst an Menschlichkeit. Gewalt war nie die Lösung eines Problems und wird es nie werden. Trotz des schrecklichen Ereignisses stehen wir von der Wassermühle Immobilien weiter für einen offenen Diskurs zu unseren Projekten – auch bei unterschiedlichen Ansichten. Aber Gewalt, in welcher Form auch immer, lehnen wir entschieden ab.“

Genossenschaft für Runden Tisch

Die Idee eines Runden Tisches begrüßte auch Leipzigs größte Wohnungsgenossenschaft Kontakt, zu der viele Häuser in Connewitz gehören. „Wir setzen uns selbst seit Generationen für bezahlbaren Wohnraum ein und wissen, dass dieses Thema für viele Leipziger immer wichtiger wird“, meinte Kontakt-Vorstand Jörg Keim. „Die Art und Weise – wie ein berechtigtes Anliegen jetzt zur Begründung von Gewaltakten herhalten soll – ist in keiner Weise akzeptabel.“ An dem Runden Tisch müssten aber nicht nur Baufirmen und Vermieter, Polizei und Ordnungsamt teilnehmen, sondern auch Mietervertreter, Streetworker und das Sozialdezernat. Extremismus gedeihe meist auf dem Nährboden sozialer Probleme.

CG-Gruppe fordert Ermittlungserfolge

Christoph Gröner, Chef des Bauprojektentwicklers CG-Gruppe, sagte, er wolle in den nächsten Tagen Gespräche mit anderen in Leipzig engagierten Immobilienfirmen führen. „Wir müssen überlegen, wie wir unsere Mitarbeiter und alle Leipziger besser vor Gewalt schützen können. Gleich ob Flaschen oder Farbbeutel in Fenster fliegen, ein Auto oder Bagger angezündet wird, Kräne in ein Haus stürzen oder nun sogar eine junge Frau geschlagen wird – jede dieser Taten hätte schon zu Schwerverletzten oder Toten führen können.“ Obwohl der Brandanschlag auf eine CG-Baustelle in der Prager Straße schon über vier Wochen zurückliegt, habe sich bislang dazu noch kein Ermittler bei dem Unternehmen gemeldet. Bei früheren Anschlägen auf Fahrzeuge oder Gebäude von CG in Leipzig sei ihm kein Fall in Erinnerung, in dem die Polizei die Täter dingfest machen konnte.

Erste Spuren im aktuellen Fall

Zu dem jüngsten Angriff auf die Frau gehen die Ermittler des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrums (PTAZ) inzwischen ersten Spuren nach.

Mehr zum Überfall auf die Projektentwicklerin

Neubau in Connewitz: Leipziger Immobilienmitarbeiterin überfallen

Von Jens Rometsch

Einmal im Jahr wird das Leipziger Palmgartenwehr gezogen, um die Funktionstüchtigkeit der Hochwasserschutzanlage zu testen. Wie das Ganze funktioniert, erklären wir im Video.

05.11.2019

Am Donnerstag trifft der amerikanische Außenminister in Leipzig seinen deutschen Amtskollegen. In der Innenstadt kommt es deshalb zu Sperrungen.

05.11.2019

Die Nachfrage nach einem Übergangsritual ist da – und das Leipziger Jugendpfarramt hat reagiert: Es bietet konfessionslosen jungen Leuten im Alter von 14 bis 16 Jahren ab sofort eine Feier der Lebenswende an.

05.11.2019