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Lokales Nach Herzinfarkt beim Joggen: ein Dinner für die Lebensretter
Leipzig Lokales Nach Herzinfarkt beim Joggen: ein Dinner für die Lebensretter
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23:00 27.03.2017
Der Gerettete und die Retterin: Jogger Gernod Schindler (58) und Notärztin Julia Scheibner (42). Quelle: André Kempner
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Leipzig

Wer im Internet nach etwas sucht, der wird meist ziemlich schnell fündig: Egal ob Nachrichten, Tipps für ein gesundes Leben, ein gebrauchtes Auto, eine neue Wohnung oder andere Menschen – für jeden ist etwas dabei. Auch Gernod Schindler war auf der Suche: nach seinen Lebensrettern, allerdings vergeblich.

Der 58-jährige Jogger und Marathonläufer war am 21. April vergangenen Jahres bei seiner abendlichen Laufrunde in der Albrechtshainer Straße im Stadtteil Zweinaundorf zusammengebrochen. Diagnose: Herzinfarkt. Überlebt hat der Vermessungsingenieur nur dank der schnellen Reaktion dreier Passanten. „Noch auf der Straße wurde ich circa 40 Minuten reanimiert, danach mit Rettungswagen in die Uniklinik eingeliefert. Erst dort brachte man mein Herz wieder zum Schlagen“, heißt es in einem Facebook-Beitrag, mit dem Schindler ein halbes Jahr nach den Ersthelfern suchte. Die hatten nach den Wiederbelebungsversuchen der Notärztin Julia Scheibner nämlich den Ort des Geschehens verlassen ohne Personalien zu hinterlassen. Der Aufruf wurde im Netz über 1000 mal geteilt – trotzdem blieb die Suche erfolglos.

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Das änderte sich, als die LVZ das Thema im Januar aufgriff: Zwei Tage nach Erscheinen des Artikels hatten alle drei Ersthelfer das Gesuch in der Zeitung gelesen und Kontakt zu Schindler aufgenommen. Es dauerte zwar eine Weile, bis alle einen gemeinsamen Termin fanden, doch diese Woche lud der Gerettete seine Schutzengel, die anonym bleiben möchten, endlich zum Abendessen ins Sole Mio in Holzhausen ein.

Für Schindler war dieser Abend nicht nur wichtig, weil er sich bedanken wollte, sondern auch um zu rekonstruieren, was sich genau zugetragen hatte. Wie sich herausstellte, hatte der Leipziger außerordentliches Glück: Nachdem er von einem Autofahrer, der sogleich den Notruf alarmierte, entdeckt und aus dem Gebüsch gezogen wurde, trafen zwei weitere Passanten an der Unglücksstelle auf der eigentlich wenig befahrenen Straße ein –– eine Krankenschwester, die sogar ein Beatmungsgerät im Kofferraum verstaut hatte, sowie eine junge Ärztin. Trotz ungewohnten Arbeitsumfeldes konnten alle drei Ersthelfer gemeinsam Schindlers Überleben mittels Herzdruckmassage so lange sichern, bis der Rettungswagen sechs Minuten später eintraf.

„Die Rettungskette hat perfekt funktioniert“, berichtet Julia Scheibner. Lob spricht sie nicht nur den Ersthelfern, sondern auch ihren drei Rettungsassistenten aus. „Dieser Job ist Team-Arbeit – und zum Glück habe ich so fähige Kollegen.“ Für Überraschung sorgte beim Abendessen die Tatsache, dass die Notärztin die drei Ersthelfer bereits vor dem fraglichen Abend kannte, „in so einem Moment blendet man aber alles andere aus. Deshalb konnte ich bei der Suche leider nicht helfen.“ Die Leipzigerin ist froh, den Geretteten nun so vital zu sehen. „Ich weiß, dass es auch für ihn wichtig war, mit der Sache in Form dieser Einladung abzuschließen.“

„Ein toller Abend“, resümiert auch Schindler das gemeinsame Dinner. „Alle waren gut gelaunt und es war spannend zu erfahren, was während meiner Bewusstlosigkeit geschehen ist.“ Bleibende Schäden hat der Hobby-Läufer trotz 50-minütigen Herzstillstandes nicht davon getragen. Nach Krankenhausaufenthalt und dreiwöchiger Reha kehrte er sogar zum Laufsport zurück, „allerdings laufe ich nun langsamer und kürzere Strecken. Außerdem nehme ich nur noch Hauptverkehrsstraßen und laufe dann, wenn noch viele Leute unterwegs sind“.

Von Christian Neffe