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Lokales Nächste Runde im Kampf um die Pflegekräfte in Leipziger Kliniken
Leipzig Lokales Nächste Runde im Kampf um die Pflegekräfte in Leipziger Kliniken
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09:18 20.05.2019
Der Fachkräftemangel im Pflegebereich nimmt immer dramatischere Formen an. Die Helios-Klinikgruppe zahlt jetzt sogar Willkommensprämien bis zu 8000 Euro für neue Mitarbeiter am Park-Klinikum Leipzig sowie am Herzzentrum Leipzig. Quelle: epd
Leipzig

Angesichts des Mangels an Pflegekräften auf dem Arbeitsmarkt hat der Klinikbetreiber Helios angekündigt, neuen Mitarbeitern am Herzzentrum und am Park-Klinikum Leipzig im Pflege- und Funktionsdienst bis zu 8000 Euro Willkommensprämie zu zahlen. Eine Werbekampagne im Großraum Leipzig soll die Prämie bekannt machen. Die Klinikgruppe bringt damit viel Bewegung in einen Markt, auf dem es viel zu wenige Fachkräfte gibt.

Höhe der Willkommensprämie schwankt

Die Reaktionen auf die Werbekampagne sind nicht nur positiv. Eine Pflegefachkraft sprach gegenüber der LVZ von unlauteren Methoden. Ob langjährige Mitarbeiter die Zahlungen gut heißen, ist ebenfalls fraglich. Die Willkommensprämie wird nicht an alle neuen Mitarbeiter in der selben Höhe ausgezahlt, wie Stefan Möslein mitteilt, Leiter der Unternehmenskommunikation am Herzzentrum und am Park-Klinikum. „Die Höhe der Antrittsprämie richtet sich nach dem Einsatzort sowie den vorliegenden Qualifikationen für die einzelnen Berufsgruppen“, erklärt Möslein.

Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger erhalten bis zu 8000 Euro Willkommensprämie, Gesundheits- und Krankenpfleger bis zu 6000 Euro, Altenpfleger bis zu 2000 Euro. Neue medizinisch-technische Assistenten sowie operationstechnische und anästhesietechnische Assistenten bekommen bis zu 4000 Euro, Arzthelfer und medizinische Fachangestellte im OP bis zu 2000 Euro. „Voraussetzung ist, dass Bewerber mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben und seit mindestens einem Jahr nicht bei Helios beschäftigt waren“, sagt Möslein. „Außerdem müssen sie zwischen dem 1. April und 1. Oktober 2019 ihre Tätigkeit bei uns beginnen; der dazugehörige Arbeitsvertrag soll bis spätestens 31. August 2019 vollständig unterschrieben vorliegen.“

Uniklinik Leipzig hat letztes Jahr 283 Pflege- und Funktionskräfte eingestellt

In den Bieterwettbewerb steigt nun auch das Uniklinikum Leipzig (UKL) ein – allerdings mit einem anderen Ansatz. „Prämien an Bewerber zahlen wir nicht“, sagt Marco Schüller, kommissarischer Kaufmännischer Vorstand am UKL. „Wir planen aber Prämien für unsere Mitarbeiter, die einen neuen Mitarbeiter gewinnen – denn unsere Mitarbeiter sind unsere besten und ehrlichsten Botschafter.“

Das Vorgehen von Helios zeige, wie umworben die Pflegemitarbeiter seien – und auch „wie groß die Not an einigen Standorten mit Blick auf die Besetzung der Pflegestellen ist“, so Schüller. Letztlich gebe es einfach nicht genügend Bewerber auf dem Markt. „Das merken alle, auch wenn es uns im letzten Jahr zum Beispiel gelungen ist, 283 Pflege- und Funktionskräfte einzustellen“, so der UKL-Finanzchef. „Wir denken, dass neben einer fairen Entlohnung eine Erhöhung der Ausbildungskapazitäten in Pflegeberufen zusammen mit der Akademisierung der Pflege die richtigen Schritte sind, um den Beruf attraktiver zu machen und Abhilfe zu schaffen.“

St. Georg und St. Elisabeth setzen auf Ausbildung

„Natürlich muss man es als Herausforderung verstehen, wenn man solche Botschaften direkt vor der eigenen Haustür sieht“, sagt Manuela Powollik, Leiterin der Unternehmenskommunikation am städtischen St.-Georg-Klinikum. Ob die Willkommensprämie bei Helios wirklich eine Lösung sei, bleibe aber abzuwarten. Nicht jedes Krankenhaus könne mit solchen Angeboten mithalten. Das St. Georg versuche, seine Auszubildenden frühzeitig ans Haus zu binden, was auch sehr gut gelinge.

„Das St. Elisabeth-Krankenhaus kann sich glücklich schätzen, derzeit so gut wie alle Stellen in der Pflege und im Funktionsdienst besetzt zu haben“, erklärt Pressesprecherin Tina Murzik-Kaufmann. „Hierbei profitieren wir nicht nur von unserem sehr guten Ruf, sondern auch von unserer Krankenpflegeschule, in der wir seit mehr als 40 Jahren junge Frauen und Männer zu Kranken- und Gesundheitspflegerinnen ausbilden.“ Häuser, die keine vergleichbaren Ressourcen hätten, würden sich an dieser Stelle natürlich mit anderen Ausgangspositionen konfrontiert sehen und müssten folglich auf der Suche nach Personal auch andere Wege gehen, so Murzik-Kaufmann.

Diakonie will Konkurrenzsituation nicht noch weiter verschärfen

„Abwerbeprämien sind von unserer Seite nicht beabsichtigt und für uns auch nicht realisierbar“, sagt Alexander Friebel von der Unternehmenskommunikation des Evangelischen Diakonissenkrankenhauses. Es stelle sich grundsätzlich die Frage, ob es der richtige Weg sei, auf diese Weise neue Fachkräfte zu gewinnen. Der Mangel sei auch am Diakonissenkrankenhaus zu spüren. „Wir möchten uns dieser Herausforderung aber nicht in der Art stellen, die ohnehin bestehende Konkurrenzsituation unter den Leipziger Gesundheitseinrichtungen weiter zu verschärfen“, so Friebel.

Ansatz im Diako sei eher, mit täglichen Arbeitsbedingungen, beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, innerbetrieblichen Rahmenbedingungen und Rücksichtnahme auf individuelle Bedürfnisse zu überzeugen. Es gebe Kinderzuschläge und eine betriebliche Altersvorsorge. „Die konsequente Ausbildung neuer Fachkräfte realisieren wir direkt an unserem Standort in einer eigenen Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege. Neu seit letztem Jahr ist, dass wir den Auszubildenden bereits vom ersten Tag ihrer Ausbildung an eine Einstellungszusage geben, dass sie nach erfolgreichem Abschluss eine unbefristete Vollzeitstelle im Pflegebereich antreten können.“

Von Björn Meine

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