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Lokales Netzstrümpfe und nackte Haut auf dem Markt: Der CSD 2019 in Leipzig
Leipzig Lokales Netzstrümpfe und nackte Haut auf dem Markt: Der CSD 2019 in Leipzig
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19:22 13.07.2019
Auf dem Markt beginnen die Vorbereitungen für den Demonstrationszug an. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

So viele Regenbögen gab es in Leipzig noch nie – als Umhänge, Luftballone, übergroße Herzen, Plakate, kleine und übergroße Fahnen aus Paper und Stoff. Auch die Anzahl der Wagen, die an dem Demonstrationszug über den südöstlichen Innenstadtring bis in die Südvorstadt teilnahmen, war mit zwölf so groß wie noch nie.

Die Veranstalter schätzten am Ende reichlich 12.000 Teilnehmer, die zu allen Veranstaltungen des Christopher Street Day Leipzig (CSD) kamen. „Wir werden jedes Jahr mehr“, sagte CSD-Sprecherin Jasmin Gräwel. „Einige Teilnehmer kommen von außerhalb, aber der größte Teil aus Leipzig. Sie wollen zeigen, dass wir zur Gesellschaft gehören. Dass wir ein Teil von ihr sind und keine kleine Minderheit, die man wegschiebt.“ Neu war in diesem Jahr auch das Motto, unter dem die CSD-Teilnehmer durch die City und die Südvorstadt zogen. „50 Jahre Stonewall – wir sind noch nicht fertig“, hieß es und erinnerte an den Beginn der Schwulen- und Lesben-Bewegung in den USA .

CSD-Parade am 13. Juli 2019 in Leipzig unter dem Motto „50 Jahre Stonewall“

Demonstration für neue politische Forderungen

Für die Teilnehmer waren am Sonnabend auf dem Markt rund drei dutzend Stände aufgebaut worden, an denen insbesondere Vereine und Organisationen um Aufmerksamkeit warben. Aber auch Parteien waren darunter, so die Linken, die Grünen, die SPD und die FDP.

Die Organisatoren registrierten dies aufmerksam, denn sie haben zahlreiche politische Forderungen. „Die Ehe für alle und die Geschlechtsoption sind für uns wichtige Erfolge, aber damit ist es nicht getan“, erklärte Sprecherin Gräwel. So will man unter anderem durchsetzen, dass Angriffe gegen Schwule und Lesben künftig statistisch separat erfasst werden, um die Zahl der Opfer besser ermitteln zu können. Außerdem soll in den Anerkennungsverfahren von Asylbewerbern künftig berücksichtigt werden, ob Migranten in ihren Herkunftsländern wegen ihrer sexuellen Orientierung Gewalt droht.

Geschlechtseintrag im Personenstandsregister abschaffen

Die CSD-Bewegung will auch den Geschlechtseintrag im Personenstandsregister abschaffen und dafür sorgen, dass Menschen mit keinem oder nur geringem Sexualverlangen eine politische Interessenvertretung erhalten. An Kindern, deren Geschlechtsmerkmale bei der Geburt nicht eindeutig sind, sollen Operationen gesetzlich verboten werden, damit die Betroffenen später ihr Geschlecht selber wählen können.

Gefordert werden auch mehr Kontrollen der Familien- und Sexualerziehung in Sachsens Schulen, da diese aus Sicht der CSD-Bewegung nicht flächendeckend ausreichend praktiziert wird. Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierung müssten auch stärker zu Themen in der Altenpflege gemacht werden, heißt es im Forderungskatalog.

Bald Regenbogenflaggen auf Oper und Gewandhaus?

Mit der Unterstützung des Rathauses für den Christopher Street Day sind Leipzigs Schwule und Lesben zufrieden. „Wir sind stolz darauf, dass die Stadt Leipzig in der CSD-Woche die Regenbogenflagge aufgezogen hat“, erklärte Gräwel. Es könne aber „auch gern noch etwas mehr Unterstützung“ geben. So stelle man sich vor, dass Regenbogenflaggen künftig auch auf der Oper und dem Gewandhaus gehisst werden; ebenso in großen Unternehmen wie den Autofirmen oder DHL, die für Toleranz stehen. Dass dies möglich sei, habe in diesem Jahr zum ersten Mal der Hauptbahnhof gezeigt – an beiden Hauptzugängen waren Regenbogenflaggen gehisst worden.

CSD Leipzig 2019

Die CSD Leipzig Demo zieht durch die Heldenstadt.

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Samstag, 13. Juli 2019

Bei der Demonstration um den Ring setzten sich unter anderem der Landtagsabgeordnete Marco Böhme (Die Linke) und die SPD-Frontfrau Irena Rudolph-Kokot an die Spitze des Zuges. Ihnen folgten tausende Schwule, Lesben und Transsexuelle – nicht wenige mit nackter Haut und Netzstrümpfen. Auch zahlreiche Plakate waren zu sehen, unter anderem mit Sprüchen wie „Kein Sex für Nazis“, „Frühsexualisierung für alle“ oder „Refugees welcome“.

HIV-Selbsttest auf dem Markt

Während die Demonstranten durch die Stadt zogen, kehrte auf dem Markt vorübergehend etwas Ruhe ein. Zum Luftholen kamen dort unter anderem die Mitarbeiter der Aids-Hilfe Leipzig. Sie boten an ihrem Stand unter anderem einen HIV-Selbsttest an – wer wollte, konnte ihn im Zelt neben dem Stand durchführen. In Leipzig stagniere die Zahl der HIV-Infizierten, hieß es dort. „Wenn man ein Risiko hat und sich testen lässt, kann man HIV so weit behandeln, dass man nicht mehr ansteckend ist“, betonte Sozialarbeiterin Sandra Bischoff.

Den Höhepunkt des Leipziger CSDs wird am Abend ein Prideball mit 1700 Gästen im Täubchental. Dort werden auch Stars aus den Hot-Spots der Szene erwartet - unter anderem die Berliner Rockband Gloria Viagra.

Von Andreas Tappert

So viele Wagen wie noch nie und tausende Teilnehmer: Zur Demonstration anlässlich des Christopher Street Day am Samstag haben viele Menschen ihren politischen Forderungen Ausdruck verliehen.

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