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Lokales Neubau am Leipziger Burgplatz offiziell eröffnet
Leipzig Lokales Neubau am Leipziger Burgplatz offiziell eröffnet
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20:44 20.06.2019
Auf dem nun wieder geschlossenen Burgplatz ist mit dunklem Stein die Lage der Kasematten der früheren Pleißenburg abgebildet. Die historischen Keller, in denen heute sogar geheiratet werden kann, waren erst in den 1990er-Jahren entdeckt worden. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Das etwa 50 Millionen Euro teuere Bauwerk ist immer noch nicht ganz fertig. Doch am Donnerstag wurde das neue Haus mit dem Namen „Burgplatz-Passage“ schon mal offiziell eingeweiht. Mit goldenen Scheren durchtrennten fünf Offizielle ein rotes Band. Und es brach regelrechter Jubel auf dem Platz hinter dem Neuen Rathaus aus, als Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) den geladenen Gästen zurief: „Das Loch ist zu. Mein Gott, haben wir lange darauf gewartet.“

Baugrube entstand ab 1995

Jung erinnerte daran, dass er die Schließung des 1995 entstandenen Burgplatzloches in seine Ziele zu den Oberbürgermeister-Wahlen 2006 und 2013 aufgenommen hatte. Erst durch das starke Wachstum der Einwohnerzahlen in den letzten zehn Jahren sei Leipzig aber so attraktiv für Investoren geworden, dass sich nun auch die scheinbar ewig währende Baugrube neben dem Petersbogen geschlossen hat.

Das Burgplatzloch in der Leipziger Innenstadt ist seit Kurzem offiziell geschlossen. Hier einige Schnappschüsse von der Eröffnung des Neubaus und ein Rundgang durch das NH-Hotel.

Im März 2017 begannen dann endlich die Arbeiten. Das in dem Neubau entstandene NH-Hotel (197 Zimmer mit 400 Betten, vier Sterne, Eröffnung war bereits im Mai) könne sich über eine Auslastung von 90 Prozent freuen. „Die Betreiber haben natürlich auch erkannt, dass Leipzig bald mehr Touristen als Dresden anziehen wird“, meinte Jung überschwänglich. „Ich darf heute verraten, dass Leipzig im Monat März zum ersten Mal die Übernachtungszahlen von Dresden überholt hat.“ Die höchst erfolgreiche Buchmesse habe ihren Anteil daran.

Sechs Figuren zur Kirchengeschichte

Der OBM lobte auch die Schmuckfiguren an der Neubau-Fassade aus Cottaer Sandstein. Wie berichtet, zeigen fünf davon Teilnehmer der „Leipziger Disputation“, die im Juni und Juli 1519 in der Pleißenburg stattfand. Die sechste Figur stellt den französisch-schweizerischen Reformator Johannes Calvin dar. Jung – studierter Germanist und Theologe – lieferte sogleich einen kurzen Exkurs über die Bedeutung Calvins, um wie folgt überzuleiten: „Er lebte in Genf – genau wie die heutigen Eigentümer, die sich mit typisch Schweizerischer Zurückhaltung auch bei diesem Festakt im Hintergrund halten.“

Eigentümer bleiben im Hintergrund

Tatsächlich weilte etwa Michael Lévy, Chef der Schweizer Immobiliengesellschaft Even Capital, am Donnerstag in Leipzig. Zu diesem Unternehmen gehört – in unterschiedlichen Strukturen – der Neubau, der angrenzende Petersbogen und das im Februar geschlossene Karstadt-Warenhaus. Der Top-Manager war bei dem Festakt aber nicht auszumachen.

De Maizière vertritt Kramp-Karrenbauer

Jung bezeichnete es als schöne Fügung, dass der Zehngeschosser (davon zwei Etagen unter dem Platz) wenige Tage vor dem 500. Jubiläum der „Leipziger Disputation“ eröffnet werde. Am 25 . Juni würden aus diesem Anlass im Paulinum der Universität Gregor Gysi (Linke) und Thomas de Maizière (CDU) ein Streitgespräch führen – ursprünglich war dafür allerdings Annegret Kramp-Karrenbauer angekündigt worden. Die CDU-Parteichefin hat kurzfristig abgesagt.

Große Gastronomieeinheit mit Freisitz

Alexander Dürr von der spanischen Kette NH Hotels versprach, das neue Haus werde ein guter Gastgeber und Botschafter für Leipzig sein. „Es ist weltweit genau unser 350. Hotel.“ Laut dem Bauherren ec Advisors (ein deutscher Ableger von Even Capital) sind noch einige Restarbeiten zu erledigen – etwa an der Lüftungsanlage der neuen, öffentlichen Tiefgarage mit 42 Stellplätzen (der Petersbogen hat künftig also drei Tiefgaragen).

Im September soll der zentrale Durchgang vom Burgplatz zur Rotunde des Petersbogens fertig werden. Noch in diesem Jahr, so hoffe man, werden auch die 2500 Quadratmeter zusätzlicher Gewerbeflächen in den unteren Etagen vermietet sein und dort etwa ein halbes Dutzend Geschäfte öffnen, so Nevena Adams, Geschäftsführerin bei ec Advisors. Im nördlichen Teil des Neubaus sei auf zwei Etagen eine große Gastronomie-Einheit geplant. Diese würde – ebenso wie die kleine Hotelbar im südlichen Teil des Neubaus – sehr gern einen Freisitz auf dem Burgplatz eröffnen.

Kriegswunden am Burgplatz geheilt

Der Burgplatz entstand um 1900: Damals wurde die Pleißenburg abgerissen, um Platz für den Bau des Neuen Rathauses zu schaffen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die gesamt Randbebauung – mit Ausnahme des Rat- und Stadthauses – zerstört. Zu DDR-Zeiten dienten die Brachflächen hauptsächlich als Parkplatz. Bereits im Jahr 1990 lieferte das Leipziger Architekturbüro HPP die ersten Ideen für eine Neugestaltung des Areals. „Ehrlich gesagt hatten wir zwischenzeitlich auch nicht mehr daran geglaubt, dass das neue Haus anstelle der Baugrube noch verwirklicht wird“, gestand Architekt Sebastian Helm bei der Eröffnung. HPP hatte den Gesamtkomplex – inklusive des 2001 eröffneten Petersbogens – geplant und auch den Bau geleitet.

Die etwas historisierende Fassade mitsamt der Idee zu den Schmuckfiguren basierte hingegen auf einem Entwurf des Berliner Büros Christoph Kohl Stadtplaner Architekten. Der renommierte Baumeister hatte einen Gestaltungswettbewerb gewonnen, zeigte sich jedoch mit der nun umgesetzten Lösung für die Dachpartie nicht sonderlich glücklich. Tatsächlich überragt das sehr steile Dach das benachbarte Merkurhaus deutlich.

Von Jens Rometsch

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