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Lokales Neue Glocken für Leipziger Nikolaikirche – Osanna am Sonntag eingehoben
Leipzig Lokales Neue Glocken für Leipziger Nikolaikirche – Osanna am Sonntag eingehoben
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10:16 01.07.2019
Glockeneinhub von Osanna in die Nikolaikirche in Leipzig am Sonntag. Foto: André Kempner
Leipzig

In behäbiger Bewegung, wie ein Dinosaurier aus Eisen, streckte der Kran seinen Hals immer weiter in die Länge und bewegte den Koloss am Haken: Am Sonntag wurden die Wochenend-Feierlichkeiten um die Glockenweihe mit dem Einhub von Osanna, einer der acht Glocken, in den Turm der Nikolaikirche gekrönt. Ein historisches Ereignis in der Stadtgeschichte, das Hunderte Leipziger und Touristen schon am Sonnabendnachmittag auf dem Nikolaikirchhof erlebten.

Am Freitag sind die neuen Glocken für die Nikolaikirche in Leipzig eingetroffen. Am Samstag wurden sie bei einem Gottesdienst eingeweiht, am Sonntag folgte der Einhub.

Bereits am Sonnabend wurden die sechs neu geschaffenen und zwei restaurierten Glocken der Nikolaikirche geweiht. An dem Festgottesdienst nahm auch Altbundespräsident Joachim Gauck teil, der in seinem Grußwort an jene Menschen erinnerte, die vor 30 Jahren im Geiste der Hoffnung von hier aufgebrochen waren.

Wunderbar geschmückt mit Sonnenblumen, Lilien, Rosen und Palmwedel hingen die Bronzeglocken in den Weihegerüsten, kündeten gut sichtbar von der einmaligen Feier. Wer noch nichts davon wusste, suchte sich spätestens jetzt einen Platz in den Stuhlreihen vor der Bühne. Nach und nach füllte sich der komplette Nikolaikirchhof mit erwartungsvollen Menschen. Musikalisch eröffnete der Leipziger Bläserkreis den Festgottesdienst, anschließend stimmte die evangelisch-lutherische Nikolaigemeinde ein gemeinsames Lied an; schließlich begrüßte Martin Henker Gläubige und Besucher: „Herzlich willkommen zum Festgottesdienst: Ein solches Ereignis hat die Stadt lange nicht erlebt“, betonte der Superintendent.

Gottesdienst zur Glockeweihe im Nikolaikirchhof in Leipzig mit Joachim Gauck, Martin Henker und Bernhard Stief am Samstag Quelle: André Kempner

Alte Osanna wurde im Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen

Das fand auch Pfarrer Bernhard Stief, der an die „Zeit der Planung, des Ringens und der Arbeit“ an dem Projekt erinnerte und allen Akteuren dankte, „die mit Herzblut dabei waren. Nun ist die Anspannung einem Hochgefühl gewichen“, freute sich der Geistliche. Nach den festlichen liturgischen Gesängen „Kyrie und Gloria“ stellte er jede einzelne der acht Klangkörper vor.

„Die größte Glocke ist die Osanna, die Festtagsglocke, die ab Sonntag im Südturm von St. Nikolai hängen wird.“ Dabei erinnerte der Nikolaipfarrer an das Schicksal der alten Osanna aus dem 17. Jahrhundert, die im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen wurde. „Mit der neuen Osanna schließen wir nicht nur eine mehr als 100 Jahre alte Kriegswunde. Wir erinnern vor allem an das Wunder der Friedlichen Revolution.“ Sinnbildlich lobe die besondere Glocke die Schöpfung. „Denn die 6700 Kilogramm schwere und 2,18 Meter große Glocke zieren Taube, Esel, Lamm, Löwe und viele andere Tiere der Erde. Die Idee zu dieser Arche Noah auf der Glocke kam vom Zeitzer Künstler Carsten Theumer und dem Leipziger Schriftgestalter Tobias-David Albert“, erklärte der Pfarrer, „alle acht Glocken haben unterschiedliche liturgische Funktionen und werden zu unterschiedlichen Anlässen läuten.“

Alle Glocken erklingen am 9. Oktober erstmals zusammen

So sei die Gloria die Auferstehungsglocke, die Kyrie erklinge zum Gebet, die Credo werde als Bekenntnisglocke zum Sonntagsgottesdienst ertönen. „Die Pax ist dem Frieden gewidmet und ruft zum Friedensgebet“, so Stief. Als Segensglocke werde die Benedictus, als Trauglocke die Sanctus schwingen. Und die kleinste namens Agnus Dei sei die Taufglocke. Erstmals gemeinsam werden alle acht Glocken am 9. Oktober erklingen. „Ein achtstimmiges Geläut mit vielen unterschiedlichen Klangvariationen“, erläuterte Bernhard Stief. „Doch einen kleinen Eindruck, wie sie sich anhören, bekommen wir schon heute. Wir sind gespannt.“ Jede einzelne Glocke wurde nun angeschlagen, umrahmt von der Weihemusik Günter Neuberts und einem festlichen Marsch des Leipziger Bläserkreises.

Schließlich kam der Moment, der so nicht wiederkehren wird: „Schauen Sie sich alle Glocken aus der Nähe an“, lud Bernhard Stief ein. Lange Menschenschlangen bilden sich trotz der Hitze vor dem Weihegerüst. Viele machten Fotos, andere entzifferten die Inschriften, lasen das Wort „selig“: „Selig sind die Barmherzigen…“ oder „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden… “ Und „Selig sind, die Frieden stiften“.

Am Sonntag standen sich erneut Hunderte die Beine in den Bauch, um das Einsetzen des Geläuts nicht zu verpassen, vor allem das Einschweben der Osanna in den südlichen Turm zu erleben. Um 12.15 Uhr hievte der Kran die Glocke hoch, danach Klöppel und die Tragachse. Ein Hosianna auf Osanna. „Sehr schöne Glocke“, rief ein Zuschauer Superintendent Henker zu. Der lächelte dankbar: „Das finden wir auch.“

Von Ingrid Hildebrandt und Mark Daniel

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