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Lokales Neue geriatrische Tagesklinik als Modell für die Zukunft
Leipzig Lokales Neue geriatrische Tagesklinik als Modell für die Zukunft
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18:38 03.05.2019
Dehnübung vor Publikum: Patientin Lisa Riehl (rotes Gymnastikband) mit Oberärztin Katrin Fuchsbrunner, OBM Burkhard Jung, Klinikchefin Diana Lohmann, Chefarzt Christoph Thümmler, Regionalgeschäftsführer Roland Bantle und Physiotherapeutin Sabine Streitberg (von links).
Dehnübung vor Publikum: Patientin Lisa Riehl (rotes Gymnastikband) mit Oberärztin Katrin Fuchsbrunner, OBM Burkhard Jung, Klinikchefin Diana Lohmann, Chefarzt Christoph Thümmler, Regionalgeschäftsführer Roland Bantle und Physiotherapeutin Sabine Streitberg (von links). Quelle: André Kempner
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Leipzig

Lisa Riehl ist 84 Jahre alt und hat chronische Rückenschmerzen. Ein Wirbelsäulenkanal ist verengt. Aber damit kommt sie zurecht. Nur ist die Markkleebergerin kürzlich gestürzt. Seitdem hat sich ihr Leiden verschlimmert. Für einen stationären Krankenhausaufenthalt ist Lisa Riehl zu fit, einmal pro Woche zur Physiotherapie würde aber nicht reichen, um ihre Schmerzen zu lindern. Also ist sie eine der ersten Patientinnen der neuen geriatrischen Tagesklinik, die das Helios-Park-Klinikum am Freitag offiziell eröffnet hat.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gehörte zu den ersten Gratulanten: „Wir haben sehr oft die Jugend im Blick“, stellt er fest. „Da vergessen wir manchmal, dass in unserer Stadt auch immer mehr ältere Menschen leben.“ Zwar ist Leipzig statistisch gesehen eine von nur wenigen Kommunen, deren Bevölkerung im Durchschnitt jünger wird. Dennoch sind 120 000 der 600 000 Leipziger älter als 65, rechnet Chefarzt Christoph Thümmler vor. Unter den etwa eine Millionen Menschen im Versorgungsgebiet des Park-Klinikums seien sogar rund eine Viertelmillion im entsprechenden Alter.

Zehn Behandlungsplätze stehen für sie nun in Probstheida zur Verfügung. Bisher mussten die Menschen für ein entsprechendes Angebot entweder in den Norden der Stadt ans Klinikum St. Georg oder ins südliche Umland, nach Zwenkau. „Die Tagesklinik schließt eine Versorgungslücke für betagte Menschen im Leipziger Süden“, sagt Klinikgeschäftsführerin Diana Lohmann.

Seit 2018 sächsisches „Zentrum für Altersmedizin“

Für jeweils zwei, drei Wochen bringt ein Fahrdienst die Patienten werktags ins Klinikum, wo sich zwischen etwa 9 und 16 Uhr Anwendungen und Ruhephasen abwechseln. Auch gemeinsam zu essen, gehört zur Therapie. Ein Team aus Ärzten, Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und einem Sozialdienst kümmert sich um sie. Die Abende und Nächte verbringen sie zu Hause. „So sieht das Krankenhaus der Zukunft aus“, sagt Chefarzt Thümmler. Der Geriatrie-Professor leitet zugleich das „Zentrum für Altersmedizin“, zu dem das sächsische Gesundheitsministerium das Park-Klinikum 2018 erklärt hat.

Überweisungen erhält die geriatrische Tagesklinik von Hausärzten oder auch aus dem eigenen Haus sowie vom benachbarten Herzzentrum oder der Psychiatrischen Klinik. Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes, Parkinson und die Folgen eines Schlaganfalls sind typische Erkrankungen. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen zu Hause selbstständig oder mit Hilfe Angehöriger zurechtkommen. Gerade für solche Menschen erweise sich ein längerer Klinikaufenthalt häufig als fatal, erklärt Oberärztin Katrin Fuchsbrunner. „Sie werden aus ihrem sozialen Umfeld gerissen.“

Oberstes Ziel der Tagesklinik sei nicht, die Lebenszeit zu verlängern, „sondern die Lebensqualität zu verbessern“, sagt sie. Nach einer Operation und längerem Krankenhausaufenthalt sei der Wunsch meist groß, in die eigenen vier Wände zurückzukehren – und nicht beispielsweise weitere vier Woche in eine Reha-Klinik geschickt zu werden. „Wir sollten das respektieren, ein alter Mensch ist kein Kind“, findet Fuchsbrunner. Leipzigs Oberbürgermeister hat das passende Sprichwort parat: „Einen alten Baum pflanzt man nicht um“, sagt Jung. Mit ihren 84 Jahren sieht Lisa Riehl das ganz genauso.

Von Mathias Wöbking

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