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Lokales Als Leipzig Weltmetropole werden wollte: Buch zeigt Architektur der Zwanzigerjahre
Leipzig Lokales Als Leipzig Weltmetropole werden wollte: Buch zeigt Architektur der Zwanzigerjahre
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18:34 14.11.2019
Die Bärenburg im Zoo um 1930. Neben dem Dickhäuterhaus erhielt sie die meiste Aufmerksamkeit. Sie ist ein Beispiel für moderne Architektur in den Bereichen Freizeit und Massenkultur. Mittlerweile hat der Zoo sie zum Spielplatz umgestaltet. Quelle: Pro Leipzig
Leipzig

Der Rundling in Lößnig, die Großmarkthalle in der Südvorstadt, das Westbad in Lindenau und das Kroch-Hochhaus am Augustusplatz sind markante Beispiele: Leipzig ist eine Stadt der Moderne in den Jahren der Weimarer Republik. Peter Leonhardt ist es gelungen, die wichtigsten Bauten und Entwürfe jener Jahre in einem Buch zu vereinen. „Moderne in Leipzig. Architektur und Städtebau 1818 bis 1933“ heißt das lange vergriffene Buch, das nun bei Pro Leipzig in einer überarbeiteten Fassung neu erschienen ist. Ein Nachschlagewerk mit etwa 250 Zeichnungen, Plänen und Fotos, das Architekturliebhabern und Geschichtsinteressierten „viel Futter“ bietet.

Begleitet von leidenschaftlich geführten Debatten traten in Leipzig ab 1927 Architekten mit modernen Entwürfen hervor. Es entstand in kurzer Zeit eine beachtliche Zahl moderner Bauwerke, die bis heute das Stadtbild prägen. Das Buch „Moderne in Leipzig. Architektur und Städtebau 1818 bis 1933“ stellt sie vor.

Leonhardt bietet seinen Lesern in neun Kapiteln einen Überblick über die gewaltigen Bauaufgaben in den 1920er-Jahren, deren prägende Gestalt Hubert Ritter (1886-1967) war, der 1924 zum Stadtbaurat berufen wurde. Leipzig war in den 1920er-Jahren auf dem Weg zur Millionenstadt, platzte aus allen Nähten und wollte Welthandelsplatz Nummer eins werden. So erhielt die Technische Messe ihre bis heute erkennbare Gestalt, am Augustusplatz entstanden erste Hochhäuser, das Klinikviertel rund um die Liebigstraße wurde erweitert, das Grassimuseum am Johannisplatz entstand. Das alles löste damals leidenschaftliche Debatten aus. So stritten die Bürger beispielsweise wegen der Höhe des Kroch-Hochhauses. In jenen Jahren sind aber auch knapp 20.000 Wohnungen erbaut worden – größtenteils übrigens in städtischer Regie. Die inzwischen zum Spielplatz umfunktionierte Bärenburg im Zoo sowie das „Dickhäuterhaus“ für die Elefanten sorgten damals ebenfalls für viel Aufmerksamkeit.

Visionen für gigantischen Messeturm

Es gab aber auch Visionen wie den Bau eines gigantischen Messeturms am Schwanenteich oder eines Luft-Bahnhofs am Augustusplatz, die nie verwirklicht worden sind. Wer mit dem Flugzeug in Leipzig landet, so die Idee, sollte sich so lange Fahrten in die City sparen. Der Ingenieur Ernst Schuchardt aus Dresden stellte sich eine rund 300 Meter lange Start- und Landebahn vor, die sich in circa 30 Metern Höhe über die Lennésche Anlage bis zum Schwanenteich erstreckte. Sie sollte über die Dächer des damaligen Bildermuseums und des Neuen Theaters führen.

Neue Nutzung in alten Gemäuern

Das Buch entstand in Zusammenhang mit der Ausstellung „Visionär – Architektur und Städtebau der 20er-Jahre in Leipzig“ des Stadtgeschichtlichen Museums. 2007 war sie zu sehen und gab erstmals einen Überblick über Leipzigs Bauten, die zwischen Inflation und Weltwirtschaftskrise entstanden. Die Idee hinter der Ausstellung war auch, wachzurütteln und einige dieser Bauten nicht länger dem Verfall preiszugeben. Das ist bei manchen Messehallen gelungen – wie bei der Halle 15, die mit ihrer Konstruktion einst als größte freitragende Halle der Welt galt. Dort residiert jetzt bekanntlich ein Fahrradmarkt. Aber auch Bauten wie die Karl-Heine-Schule, in die nach ihrer Sanierung ein Gymnasium zieht. Aus dieser Zeit stammt ebenfalls die Bücherhalle in der Südvorstadt (heute Stadtteilbibliothek), die noch saniert werden muss.

Das Buch kostet 28 Euro. Erhältlich ist es bei Pro Leipzig, Waldstraße 19, sowie im Buchhandel.

Von Mathias Orbeck

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