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Lokales Neues Gaskraftwerk: Leipziger Stadtwerke reichen Anträge ein
Leipzig Lokales Neues Gaskraftwerk: Leipziger Stadtwerke reichen Anträge ein
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21:19 26.09.2019
Auf dem Gelände des früheren Heizkraftwerks Süd wollen die Stadtwerke ab 2020 ein Gaskraftwerk bauen. Von 1910 bis 1994 wurde hier mit Braunkohle Fernwärme erzeugt, danach noch bis zur Schließung 1998 mit Erdgas. Quelle: André Kempner
Leipzig

Leipzig macht mit dem Ausstieg aus der Braunkohle ernst. An diesem Freitag reichen die Stadtwerke den Antrag zur Genehmigung eines neues Gas-Kraftwerks bei der Landesdirektion Sachsen ein, teilte Geschäftsführer Karsten Rogall auf LVZ-Anfrage mit. „Dabei geht es um die Genehmigung gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz“, erklärte er. Die Anträge würden etliche Aktenordner umfassen, auch als elektronische Dateien zur Verfügung gestellt. Die Unterlagen enthielten Aussagen zu allen denkbaren Umwelteinwirkungen wie Lärm oder Luftqualität.

Entscheidung zu Turbinen bis November

Bislang liege der kommunale Energieversorger bei seinem Zukunftskonzept zur Fernwärme voll im Zeitplan, so Geschäftsführer Maik Piehler. Die Entwurfsplanung für die neue, hocheffiziente Gasturbinen-Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung am Standort in der Bornaischen Straße 120 sei längst abgeschlossen. Bis Anfang November solle die Entscheidung fallen, von welchem Anbieter die Stadtwerke die drei benötigten Gasturbinen beziehen. „Es werden in jedem Fall recht kleine, sehr flexible Turbinen sein. Sie sind jeweils nur etwas größer als eine Flugzeugturbine.“

Neue Anlage erzeugt Wärme und Strom

Die Gesamtleistung des Kraftwerks betrage maximal 150 Megawatt thermische und 150 Megawatt elektrische Energie, erläuterte Piehler. Je nachdem, für welchen Turbinenhersteller sich die Stadtwerke entscheiden, könnten die Bauwerke an dem traditionsreichen Standort im Süden verschiedene Formen annehmen.

Denkmalgeschützte Bauten bleiben

Die dort noch vorhandenen, denkmalgeschützten Gebäude des früheren Braunkohlekraftwerks (von 1910 bis 1994 in Betrieb) blieben natürlich erhalten. Auf dem Gelände an der Bornaischen Straße sei genug Platz, um drei neue Gebäude für die modernen Anlagen zu errichten. Konkret gehe es dabei um eine Gas-Verdichter-Station, das Turbinenhaus sowie die Pumpenstation für das erwärmte Wasser. Da auf diesem Grundstück auch die Fernwärmetrasse aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf ende, sei der Verknüpfungspunkt mit dem Leipziger Netz ideal.

„Im Sommer gar nicht in Betrieb“

Rogall betonte, die Stadtwerke würden alles tun, um „die Bemerkbarkeit für die Anwohner“ so gering wie irgend möglich zu halten. Von einer Beeinträchtigung oder Störung könne man angesichts der ausgezeichneten Umweltwerte des neuen Kraftwerks gar nicht sprechen. „Im Sommer, wenn vielleicht mancher abends lange auf dem Balkon sitzen will, ist das Kraftwerk gar nicht in Betrieb.“

Dann werde nur wenig Fernwärme für Wasserhähne und Duschen benötigt. „Ziel ist, das gleich komplett aus erneuerbaren Energiequellen zu decken.“ Dafür sollen auf dem früheren Kohle-Lagerplatz Solarthermie- (1,5 Megawatt) und Photovoltaik-Anlagen gebaut werden, zudem plane man weitere Wärmespeicher im Süden.

Info-Veranstaltung für Anwohner

Über alle Details würden die Anwohner bei einer Veranstaltung im November informiert, so Rogall weiter. Auch im Winter werde das Kraftwerk keine Gerüche oder Lärm erzeugen. „Man kann sich sogar im Maschinenraum neben den Turbinen ganz normal unterhalten. Und ich wüsste nicht, dass es bei unserem Kraftwerk an der Eutritzscher Straße jemals Beschwerden von Anwohnern gab.“ Der Brennstoffausnutzungsgrad der neuen Anlage liege mit rund 90 Prozent besonders hoch.

Ein Schadstoff-Katalysator bei den Gasturbinen verringere die Schadstofffreisetzung weit unter das Niveau der heute erlaubten Grenzwerte von zum Beispiel 50 Milligramm Stickstoffdioxid. „Wir gehen hier mit nur zwölf Milligramm in die Genehmigung und müssen diesen Wert dann dauerhaft einhalten. Erdgas ist der konventionelle Brennstoff, der am wenigsten Kohlendioxid erzeugt. Leipzig wird einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten – und zwar sofort ab Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks im vierten Quartal 2022.“

Erster Spatenstich Mitte 2020

Der erste Spatenstich erfolge Mitte 2020, ergänzte Piehler. Auf der Genehmigungsseite müsse zuvor noch der Bauantrag bei der Stadt Leipzig eingereicht werden. „Die Lösung an der Bornaischen Straße wird eine gute“, sagte er.

Bis 2023 wollten die Stadtwerke zudem noch ein Biomassekraftwerk in der Region bauen, das vor allem mit Holzabfällen gefüttert wird. „Der Standort dafür steht noch nicht fest, aber sicher ist, dass es nicht an der Bornaischen Straße sein wird.“ Insgesamt kosten die genannten Projekte etwa 250 Millionen Euro. Bei dem kommunalen Unternehmen entstehen dadurch über 50 qualifizierte und dauerhafte Jobs, sagte er.

Von Jens Rometsch

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