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Lokales Neues aus dem Werkzeugkasten von Schimpansen
Leipzig Lokales Neues aus dem Werkzeugkasten von Schimpansen
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15:05 04.03.2019
Schimpansen suchen vorwiegend in Bäumen nach Nahrung. Auf allen vier Gliedmaßen klettern sie durch das Geäst, hier in der Region Bili-Uéré. Quelle: Foto: Mpaka
Leipzig

Schimpanse ist nicht gleich Schimpanse. Nach einer zwölfjährigen Langzeitstudie beschreiben Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Universität Warschau jetzt ein neues Verhaltensrepertoire bei ostafrikanischen Schimpansen, die in der Region Bili-Uéré im Norden der Demokratischen Republik Kongo leben.

Die Menschenaffen im tropischen Afrika zeigen je nach dem, in welcher Region sie leben, ein ganz unterschiedliches Verhalten. Das lässt sich auch nicht allein durch ihren Lebensraum erklären. Zum Beispiel verwenden westafrikanische Schimpansen – und nur sie! – Stein- und Holzhämmer, um Nüsse zu knacken. Und das, obwohl im gesamten Verbreitungsgebiet von Schimpansen Hämmer und Nüsse in großer Menge verfügbar sind. Schimpansen in Zentralafrika wiederum benutzen Knüppel, um Bienenstöcke zu öffnen. In Westafrika greifen sich die Tiere lange Hilfsmittel, um nach Algen zu fischen.

50 000 Quadratkilometer großes Gebiet durchstreift

Wissenschafter des Leipziger Max-Planck-Instituts und der Universität Warschau beobachteten die ostafrikanischen Schimpansen aus der Region Bili-Uéré. Sie beschreiben deren Verhalten, das in einem Gebiet feststellbar ist, das mindestens 50 000 Quadratkilometer groß ist – möglicherweise auch weit darüber hinaus. „Über einen Zeitraum von zwölf Jahren haben wir Schimpansenwerkzeuge und Schimpansengegenstände in 20 Studiengebieten dokumentiert und Daten über Kot, Fütterungsreste und Schlafnester der Tiere gesammelt“, sagt der Hauptautor der kürzlich veröffentlichten Studie, Thurston Cleve Hicks, Gastforscher am Max-Planck-Institut.

Forscher Thurston Cleve Hicks mit den verschiedenen Stöcken der Affen. Manche Werkzeuge sind sogar bis zu zweieinhalb Meter lang. Quelle: Mpaka

Die Forscher fanden heraus, dass die Schimpansen in dieser Region einen bislang noch nicht bekannten „Werkzeugkasten“ benutzen: Sie verwenden lange Stöcke zum Sammeln von Treiberameisen, kurze Stöcke zum Sammeln von Stechameisen und von Honig aus Baumnestern, dünne kurze Stöcke zur Freilegung von Ameisen der Art Dorylus kohli und stabile Stöcke, um die unterirdischen Nester stachelloser Bienen zu erreichen. Außerdem verfügen die Schimpansen in diesem Gebiet über eine erweiterte Schlagtechnik: Sie schlagen nicht nur hartschalige Früchte auf – wie Schimpansen in anderen Regionen auch –, sondern sie öffnen mit Hilfe von Schlägen auch Termitenhügel. In den meisten anderen Regionen Afrikas ignorieren die Menschenaffen diese Nahrungsquelle.

Auch Schildkröten werden verspeist

Dagegen verschmähen die „Ostafrikaner“ eine bestimmte Art von Termiten (Macrotermes muelleri), nach der ihre Artgenossen in anderen Regionen üblicherweise fischen. „Wir haben auch vorläufige Belege dafür, dass östliche Schimpansen afrikanische Riesenschnecken und Schildkröten gegen Substrate schlagen, beide waren als Nahrungsquellen für Schimpansen bisher nicht bekannt. Außerdem ist es in dieser Region auch üblich, dass Schimpansen ihre Nester auf dem Boden bauen“, fügt Hicks hinzu.

Obwohl sich die Verhaltensweisen der Schimpansen auf beiden Seiten des Uele-Flusses und über zwei sehr unterschiedliche Lebensraumtypen (Mosaik aus Savanne und tropischem Regenwald im Norden und tropischer Feuchtwald im Süden) hinweg stark ähneln, stießen die Forschenden auch auf geografische Unterschiede im Verhalten der Tiere: Sie fanden unterschiedlich häufig Werkzeuge zum Fischen nach Treiberameisen. Im Süden fanden sie keine Werkzeuge zum Graben nach Honig. Lange Stöcke zum Fischen nach Treiberameisen und Stätten, wo Früchte aufgeschlagen wurden, kamen ausschließlich nördlich des Uele-Flusses vor.

Längst noch nicht alles entdeckt

„Heutzutage scheint es uns, als hätten wir schon alles entdeckt, was es zu entdecken gibt. Was für eine schöne Überraschung, nun eine neue Schimpansenpopulation mit ihrem interessanten Verhaltensrepertoire beschreiben zu können! Das zeigt uns, dass wir noch sehr viel mehr über unsere natürliche Umwelt lernen können“, sagt der Mitautor der Studie Hjalmar Kühl, Ökologe am Max-Planck-Institut und am Forschungszentrum für Biodiversität Idiv.

Von Kerstin Decker und Sandra Jacob

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