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Lokales Nur ein Krankenhaus für ganz Leipzig? Kliniken halten dagegen
Leipzig Lokales Nur ein Krankenhaus für ganz Leipzig? Kliniken halten dagegen
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09:11 26.07.2019
Braucht Deutschlands Kliniklandschaft den großen Schnitt? Ja, sagt Wieland Kiess, Chef der Uni-Kinderklinik Leipzig. Im LVZ-Interview hatte er ein einziges großes Krankenhaus für ganz Leipzig vorgeschlagen. In den anderen Kliniken der Stadt sieht man das ganz anders. Quelle: dpa
Leipzig

Die Bertelsmann-Studie sorgt weiter für Diskussionsstoff. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass mehr als die Hälfte der 1400 deutschen Kliniken schließen sollte, um durch Konzentration mehr Qualität zu erreichen. Wieland Kiess, Direktor der Uni-Kinderklinik, hat die Debatte mit einem Vorstoß im LVZ-Interview weitergetrieben: Eine große Klinik für Leipzig würde reichen – bei entsprechender Größe und Ausstattung. Die Pressestelle der Uniklinik hat dazu mitgeteilt, dass es sich um „Aussagen eines einzelnen Klinikdirektors“ handele.

St. Elisabeth: „Wettbewerb sorgt für Qualität“

„Wer das deutsche Gesundheitssystem kennt, weiß, dass das kaum umsetzbar ist“, sagt Albrecht Graf Adelmann, Geschäftsführer des St.-Elisabeth-Krankenhauses (374 Betten). Die Bertelsmann-Studie komme aus einer nordrhein-westfälischen Perspektive; dort gebe es noch viele wirklich kleine Häuser. „Wir haben hier keine Krankenhäuser mehr mit weniger als 100 Betten“, konstatiert Adelmann. Der Konzentrationsprozess habe in Sachsen längst stattgefunden.

Albrecht Graf Adelmann, Geschäftsführer des St.-Elisabeth-Krankenhauses. Quelle: André Kempner

Eine Konzentration von Leipziger Kliniken zu einem Standort hält Adelmann ebenfalls für abwegig – und wirft wieder den Blick nach Westdeutschland, dieses Mal nach Bonn. „Wir haben fünf Kliniken für knapp 600.000 Einwohner. In Bonn haben Sie acht Kliniken für 250.000 Einwohner.“ Ein einziger Standort für Leipzig würde einen kompletten Neubau auf der grünen Wiese bedeuten – und Milliarden kosten. Zudem sei ja dann eine Enteignung der jetzigen Träger erforderlich.

Der Unterschied zum immer wieder positiv zitierten Beispielland Dänemark sei, dass es dort ein komplett staatliches Gesundheitssystem ohne private Träger gebe. Adelmann argumentiert, dass die Qualität mit weniger Standorten nicht steigen würde, weil dann der Wettbewerb fehle. Und er verweist auf Qualitätsvorgaben. So sei in der Orthopädie festgelegt, wie viele Operationen einer bestimmten Art ein Haus mindestens leisten müsse, um überhaupt eine Vergütung mit den Kassen vereinbaren zu können.

Die Trägervielfalt sei erhaltenswert, sagt der Chef des St. Elisabeth in Trägerschaft des katholischen Kirchenlehens St. Trinitatis. „Ein Schlachtschiff braucht auch Begleitschiffe“, erklärt Adelmann. Am Ende entscheide der Patient. Und der sei mit Blick auf sein Haus durchaus zufrieden: In einer aktuellen Studie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) belegte das St. Elisabeth Platz 1 von 74 in der Kategorie von Häusern zwischen 300 und 500 Betten.

Diako: „Ein Haus reicht nicht“

Das Direktorium des Evangelischen Diakonissenkrankenhauses (250 Betten) sowie Robert Stöhr, leitender Oberarzt der Notaufnahme, äußern sich in einer Stellungnahme zum Thema. „Die von Herrn Professor Kiess genannten Beispiele aus der kinderärztlichen Versorgung sind für uns gut nachvollziehbar.“ Kiess hatte anhand von drastischen Beispielen angeführt, dass kleineren Kliniken für die (Notfall-)Versorgung von Kindern teils die Erfahrung fehle. Unbestritten sei mit zunehmender Spezialisierung eine hohe Kompetenz und Erfahrung nötig, so die Vertreter des Diakonissenkrankenhauses.

„Die ist in allen Leipziger Krankenhäusern vorhanden, auch in denen der Grund- und Regelversorgung.“ Diese würden mit ihrer Präsenz und ihrer persönlichen Zuwendung zu den Patienten gut angenommen und seien ein notwendiger Anlaufpunkt. Eine Leipziger Klinik allein könne das sehr hohe Patientenaufkommen nicht bewältigen – selbst bei enormer Vergrößerung dieses Standorts. Es würden zudem kaum weniger Mitarbeiter benötigt. Auch das Diako verweist auf die vollzogene Konsolidierung in Ostdeutschland.

„Während beispielsweise Berlin und München rund 40 bis 50 Krankenhäuser haben, sind es in Leipzig nur fünf.“ Für die Notfallversorgung gebe es einen großen lokalen Bedarf. Patienten der Grund- und Regelversorgung würden „durch das lokale Krankenhaus oft zeitnäher versorgt als durch den Maximalversorger mit dessen besonderem Auftrag zur Behandlung höchstkomplexer Erkrankungen“, erklärt das Diako. Zentralisierung bedeute längere Transportwege sowie mehr Kranken- und Notfallfahrzeuge – verbunden mit einer hohen Kostensteigerung.

St. Georg: „Kleine Häuser müssen nicht alles können“

Iris Minde, Geschäftsführerin des Klinikums St. Georg. Quelle: André Kempner

Zentralisierungen müssten gut durchdacht sein, sagt Iris Minde, Chefin des Klinikums St. Georg. „In ländlichen sächsischen Regionen sollte die medizinische Grundversorgung und Behandlungsqualität gewährleistet bleiben. Spezialisierungen sind andererseits richtig und wichtig. Kleinere Häuser können und müssen nicht alle Fachrichtungen abdecken.“

Die St.-Georg-Gruppe habe selbst kleinere Häuser und Standorte, die sehr gut ausgelastet seien und durch ihre Spezialisierung punkten würden: das Fachkrankenhaus im nordsächsischen Wermsdorf (Neurologie, Psychiatrie) und das Grünauer Robert-Koch-Klinikum (Intensivmedizin, Schlaflabor, Pneumologie, Kindermedizin). Investitionsstau und Finanzierungslücken würden bei einer Konzentration bestehen bleiben. Eine Entspannung beim Pflegefachkräftemangel sei auch nicht zu erwarten, so Minde. „50 Kilometer Pendelverkehr zur täglichen Schichtarbeit halte ich für unzumutbar.“

Helios-Klinik: „Schkeuditzer Schilddrüsenzentrum ist führend“

Die Größe sei nicht immer ausschlaggebend, sagt Melanie Rosche, Geschäftsführerin in der Helios-Klinik Schkeuditz (150 Betten). Auch kleinere Häuser könnten hochwertig spezialisiert sein. Mit etwa 500 Eingriffen jährlich liege das Schkeuditzer Schilddrüsenzentrum weit über allen großen Leipziger Kliniken und lande deutschlandweit unter den Top 20 von etwa 1000 Krankenhäusern.

Zugleich sei eine Versorgung in der Fläche wichtig. Familiäre und freundliche Betreuung, menschliche und räumliche Nähe würden mit kleineren Kliniken in Verbindung gebracht. Rosche verweist ebenfalls auf die FAZ-Studie, in der ihr Haus in der Kategorie von 150 bis 300 Betten auf Platz 129 kommt.

Sana-Kliniken Borna: „Wir sind selbst ein Schwerpunktversorger“

„In unseren zwölf Fachkliniken und mehreren Instituten und zertifizierten Zentren profitieren die Patienten von kurzen Wegen, modernster Medizintechnik und einer Fächervielfalt, die der eines Schwerpunktversorgers gleichkommt“, sagt Martin Jonas, Regionalgeschäftsführer der Sana-Kliniken in Borna (440 Betten). Er sehe sein Haus daher nicht im Zusammenhang mit den Aussagen der Bertelsmann-Studie.

Von Björn Meine

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