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Lokales Paulinum ohne Kanzel: Kunstprofessor verteidigt Senats-Entscheidung
Leipzig Lokales Paulinum ohne Kanzel: Kunstprofessor verteidigt Senats-Entscheidung
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07:31 20.09.2019
Die Kanzel der Paulinerkirche im universitären Kunstdepot: Die vergoldeten Teile des Kanzelkorbes mussten für die Einlagerung wieder abgenommen werden. Links der Schalldeckel. Die drei liegenden Elemente rechts sind die noch unrestaurierten Treppengewände, die ihrer Reinigung und Festigung harren. Quelle: Kustodie der Universität Leipzig/Rudolf Hiller von Gaertringen
Leipzig

Vor wenigen Tagen verkündete die Universität Leipzig nach einer Senatssitzung: Die barocke Kanzel aus der 1968 gesprengten Paulinerkirche wird nicht im Paulinum-Neubau aufgestellt. Es war bei einer Stimmenthaltung ein fast einstimmiger Beschluss. Im LVZ-Interview äußert sich Frank Zöllner (63), Mitglied des Senats der Universität und Professor für Kunstgeschichte der Alma mater lipsiensis, zum Entscheid des Uni-Gremiums.

Frank Zöllner, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und Mitglied des Senats der Alma mater lipsiensis. Quelle: privat/dpa

Wie wertvoll ist die Kanzel, die der Holzbildhauer Valentin Schwarzenberger 1738 für die Paulinerkirche schnitzte?

Unbestritten haben wir es mit einer spätbarocken Kanzel zu tun, die kunsthistorisch einen hohen Wert hat, die erhalten, restauriert und präsentiert werden muss. Eine zukünftige Lösung ist zu finden.

Warum haben aber auch Sie sich dagegen ausgesprochen, die Kanzel im Paulinum aufzustellen?

Das Klima in einem Betonbau mit Heizung ist eindeutig zu trocken, um eine farbige, gefasste Kanzel aus Holz darin anbringen zu können. Das Klimaregime ist der eine triftige Grund für die Ablehnung seitens des Senats. Zudem würde die Kanzel für etwa 20 Prozent der Sitze die Sicht beeinträchtigen. Der Bau wurde auch für nichtkirchliche Veranstaltungen geschaffen und aus Mitteln für den Hochschulbau und nicht von der evangelischen Kirche finanziert.

Man könnte also meinen, in eine Aula passt keine Kanzel

Ich muss für die Autonomie der Universität werben. Die Studierenden wiesen durch den Studentenrat darauf hin, dass es die Trennung von Staat und Kirche gibt. Das finde ich persönlich nicht sehr zwingend, weil der gesamte Bau selbst dem widerspricht. Man muss die Entscheidung des Senats, wofür er sich nicht rechtfertigen muss, vor der Geschichte sehen. Das Paulinum entstand gegen den Willen der Universität, das komplette Rektorat trat damals zurück, die halbe Uni ist protestierend auf die Straße gegangen. Der Baubeschluss der Landesregierung war ein massiver Eingriff in die Hochschul-Autonomie. Doch das ist Geschichte, Schwamm drüber könnte man sagen, aber so etwas wirkt nach. Die Leute, die nun fast radikal die Aufstellung der Kanzel entgegen aller konservatorischer Bedenken fordern, sollten sich klar machen, dass die Aushebelung der Autonomie der Universität keine Kleinigkeit ist, gerade auch vor dem Hintergrund, dass es auch hier in Leipzig von 1933 bis 1989 eine Autonomie der Universität nicht gab. Man sollte den Entscheid des Senats mit dem Blick auf das, was entstand, und hier gebrauche ich gern einen christlichen Begriff, mit ein wenig Demut sehen. Wenn der Freistaat als Bauherr vorgesehen hätte, die Kanzel aufzustellen, dann hätte er einen Raum schaffen müssen, der Sichtbehinderungen ausschließt und voll klimatisiert ist. Nun sich hinter jene zu stellen, die die Kanzel fordern, ist nicht fair gegenüber der Universität. Und es sind doch auch nur Einzelpersonen, die immer noch keine Ruhe geben wollen. Die Landeskirche selbst und die meisten ihrer Mitglieder sowie die Mehrheit der Stadtgesellschaft dürften doch eine differenziertere Haltung haben. Und es gibt wahrlich andere Probleme, bei denen alle an einem Strang ziehen könnten. Denken Sie an die vielen Bedrohungen, denen unsere Demokratie gerade ausgesetzt ist.

Das Paulinum ist seit fast zwei Jahre eröffnet und wird vielfältig als Aula und Kirche genutzt. Die Architektur, über die viel diskutiert wurde, hat sich bewährt?

Das Gebäude ist angekommen in der Stadt und ein weiterer Besuchermagnet. Seine äußere Gestaltung ist in kurzer Zeit eine Art Wahrzeichen von Leipzig geworden. Der Universitätsneubau setzt einen modernen Architekturakzent mit einer deutlichen Erinnerungsspur und der Bau macht den Augustusplatz visuell viel interessanter. Auch ist er für die urbane Gesamtwirkung von Leipzig als Stadt ein großer Gewinn.

Sie loben das Äußere. Und wie lauten Ihre Erfahrungen bezüglich der inneren Gestaltung?

Den Andachtsraum mit den Epitaphien finde ich sehr gelungen. Der Innenbau ist in seiner Gesamtheit aber bekanntlich stark von Kompromissen zwischen dem Architekten, dem Freistaat und der Universität geprägt. Es zeigt sich, dass man eine gotische Anmutung mit einem modernen Betonbau nur unzureichend kombinieren kann. Der Bau ist durch Säulen, die bei einer Betonkonstruktion nicht gebraucht werden, verfälscht. Zudem hat man aus Gipskarton geformte Gewölbe. Man musste eine gotischen Halle zitieren, bei der aber dann in Höhe und Länge die Proportionen nicht stimmen. Das widerspricht doch jedem ästhetischen Empfinden. Aber wie so oft: Viele Köche verderben den Brei.

Von Thomas Mayer

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