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Lokales Peter Wittkamps Angst vor dem Tod in der To-Do-Liste
Leipzig Lokales Peter Wittkamps Angst vor dem Tod in der To-Do-Liste
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17:30 09.01.2020
Spricht über Neurosen, die mal auf die leichte Schulter genommen werden, aber auch schwerwiegend sein können: Peter Wittkamp. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Es ist oft ein schmaler Grat zwischen Humor und Ernst, auf dem Peter Wittkamp in seinem aktuellen Buch „Für mich soll es Neurosen regnen: Mein Leben mit Zwangsstörungen“ wandelt. Und so ist es mehr als exemplarisch, als der Autor bei der Mittwoch-Lesung aus seinem Werk im proppevollen Ilses Erika nach einem Wasserglas greift und mit den Worten „Das muss jetzt eigentlich nicht ganz so akkurat sein“ um ein paar Zentimeter auf dem Tisch verschiebt. Die Lacher hat der 38-jährige Wahl-Berliner damit einmal mehr auf seiner Seite.

Schwäche in Stärke umwandeln

Es ist die besondere Kunst Wittkamps, offen mit seinen Schwächen umzugehen und sie in Stärken umzuwandeln, die sowohl das Buch als auch die Lesung ausmachen. So erzählt der gebürtige Rheinländer etwa von seiner übergroßen Abneigung gegenüber dem Thema „Tod“, die dazu geführt hat, dass er am Ende nicht einmal mehr das Wort „To-Do-Liste“ schreiben konnte, weil das Wort „Tod“ darin vorkommt.

Bei anderen Neurosen, die es im Buch regnet, können sich aber viele Besucher wiederfinden. Zum Beispiel die, bei der Lautstärkeregelung am Fernseher immer eine gerade oder ungerade Zahl auszuwählen. Oder dass man immer wieder nachschauen muss, ob der Herd wirklich ausgeschaltet ist. Oder dem sogenannten magischen Denken, bei dem man hofft, etwa durch das Klopfen auf Holz ein mögliches Unglück abwenden zu können.

Amüsante Anekdoten

„Es gab mal eine Studie über die Bevölkerung einer kleinen Insel“, erzählt Wittkamp zwischen zwei Zügen an seinem Verdampfer, „die ergab, dass dort etwa 30 Prozent unter irgendwelchen Zwängen litten.“ In seine amüsanten Anekdoten lässt der Autor immer wieder solche wissenschaftlichen Erkenntnisse einfließen, was die Glaubwürdigkeit deutlich erhöht.

Dazu gibt Wittkamp, der als Texter für die „Heute Show“, Jan Böhmermann und für eine Werbekampagne der Berliner Verkehrsbetriebe eine kleine Fangemeinde aufgebaut hat, praktische Tipps, wie man mit seinen Zwängen umgehen soll. Zum Beispiel Bananenschalen links liegen lassen und nicht versuchen, sie wegzuschießen. Oder einfach nicht an etwas Negatives wie den Tod zu denken, auch wenn das genauso erfolglos sein kann wie der berühmte Vorsatz, nicht an einen rosaroten Elefanten zu denken.

Neurose als ernstes Problem

Bei allem Humor erinnert Wittkamp auch daran, dass für manche Menschen Neurosen zum ernsten, großen Problem werden können. Wie bei jenen, die einen Waschzwang haben und sich so lange so heiß abwaschen, bis sie sich verbrühen. In solch einem Fall sollte man sich therapeutische Hilfe holen, rät der Autor.

So weit ist es bei Wittkamp glücklicherweise noch nicht gekommen, seine Zwänge bewegen sich auf einem ungefährlichen – und meist auch kuriosen – Niveau. Eine der besten Anekdoten ist die vom „Loch“, wie das Kapitel im Buch schlicht heißt. Einmal fiel ihm ein Loch in einem Berliner Radweg auf. Das ließ ihm so lange keine Ruhe, bis er einen Handwerker beauftragte, es mit Beton zu schließen. „Man kann das heute bei genauem Hinschauen noch erkennen“, erzählt Wittkamp, „aber jettzt liegt eine Matschschicht drüber.“

Von Christian Dittmar

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