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Lokales Platz fünf in Deutschland: Logistik-Region erzielt neuen Rekord
Leipzig Lokales Platz fünf in Deutschland: Logistik-Region erzielt neuen Rekord
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07:01 11.03.2019
Allein schon durch den Neubau für den Automobilzulieferer Schaeffler entstehen im Starpark Halle in diesem Jahr 900 weitere Arbeitsplätze. Das 230 Hektar große Areal an der Autobahn 14 (Abfahrt Halle-Ost) ist nun fast ausgebucht. Quelle: André Kempner
Leipzig

Auf den ersten Blick ist alles in Butter. Die Logistikregion Leipzig hat im letzten Jahr einen neuen Rekord erzielt, geht aus dem gerade veröffentlichten Marktbericht von BNP Paribas Real Estate hervor. Verträge über 38,3 Hektar Gewerbeflächen seien 2018 abgeschlossen worden. Erstmals lief Leipzig damit bundesweit auf Platz fünf ein: hinter dem Ballungszentrum Frankfurt/Main (68), Ruhrgebiet (52), Hamburg (48) und Berlin samt Brandenburg (43).

Hingegen konnten andere Regionen wie München, Stuttgart, Düsseldorf und Köln übertrumpft werden, erklärt Stefan Sachse, Geschäftsführer bei BNP und Leiter der Leipziger Niederlassung. Das liege vor allem daran, dass es zum Beispiel im Großraum München zurzeit fast keine freien Grundstücke mehr gibt. Und wenn doch, kosten sie dort durchschnittlich 6,10 Euro Miete pro Quadratmeter. Hingegen biete Leipzig unter den deutschlandweit gewichtigen Standorten mit 3,70 Euro nach wie vor die mit Abstand günstigsten Mieten. Daran habe auch ein Anstieg um fünf Cent im letzten Jahr nichts geändert.

Bald 2800 Jobs im Starpark Halle

„Ein ähnlich hervorragendes Ergebnis konnte Leipzig zuletzt 2011 verbuchen“, erläutert Sachse. Damals betrug der Flächenumsatz 32 Hektar. Er räumt aber ein, dass der neue Rekord mit über 38 nur durch die explosionsartige Entwicklung im Starpark Halle und dessen umliegenden Gewerbegebieten zustande kam. Vier der fünf größten Abschlüsse 2018 spielten im Starpark. Dort wurden Verträge zur Ansiedlung des Internet-Möbelhändlers Home24 (7 Hektar, 200 Jobs) unterschrieben, auch für ein Versand- und Ersatzteilzentrum des Transporter-Bauers Bobcat (4,3 Hektar, 130 Jobs), für ein Montage- und Verpackungszentrum des Automobil-Zulieferers Schaeffler (4 Hektar, 900 Jobs) sowie für den Mode-Händler Zalando (3,5 Hektar, anfangs 120 und später bis zu 350 Jobs). Laut Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand dürften aus den bisher etwa 1000 Arbeitsplätzen im Starpark bald 2800 werden. Jedoch seien auf dem Areal nur noch 50 von 230 Hektar frei.

Die Straßen im Starpark Halle sind nach Sternen benannt. Inzwischen haben sich dort viele große Firmen angesiedelt. Quelle: André Kempner

Die Pläne für den Starpark hatte die Stadt Halle vor langer Zeit entwickelt – im Wettlauf um jenes BMW-Werk, das dann 2005 in Leipzig-Seehausen eröffnet wurde. Es zählt heute 5300 Mitarbeiter. Auch in den Logistikmarkt-Berichten für 2018 spielte das BMW-Werk auf Leipziger Seite die herausragende Rolle. So gab es hier Abschlüsse über fünf Hektar für ein neues BMW-Logistik-Zentrum, das nun schon direkt neben dem Werk (auf der Westseite) im Rohbau steht. An der Ostseite wächst noch eine Halle mit zwei Hektar Grundfläche empor, in welcher ThyssenKrupp in Zukunft mit 180 Mitarbeitern Fahrzeugachsen fertigen wird. Bislang übernahm das ThyssenKrupp als einer der Untermieter auf dem Werksgelände. Doch bekanntlich will BMW die Produktion in Leipzig deutlich steigern: Statt 250 000 Fahrzeuge pro Jahr sollen es ab dem Jahr 2020 etwa 350 000 Autos sein. Deshalb wird das Werk neu sortiert und ausgebaut.

Amazon Leipzig wird nicht erweitert

Erst vor zwei Wochen zog zudem die Firma KS Logistic vom früheren Quelle-Areal in eine neue Halle des VGP-Parks an der Maximilianallee um – also neben die Montagehalle des Möbelherstellers USM. Ansonsten bestimmten kleine Abschlüsse das Bild im Leipziger Stadtgebiet 2018. Die seit einiger Zeit zu hörenden Gerüchte, an der Torgauer Straße wolle sich Amazon deutlich vergrößern, dementierte jetzt Amazon-Sprecher Michael Schneider auf LVZ-Nachfrage. Für dieses Logistikzentrum mit 1500 festangestellten Mitarbeitern sei „keine Erweiterung geplant“, sagt er.

Dass das Leipziger Stadtgebiet im vergangenen Jahr nur mit 34 Prozent zum Logistikumsatz der Region beitrug – hingegen die Stadt Halle mit 49 Prozent und der Saalekreis mit 13 Prozent – hat drei Hauptgründe, weiß Steffen Sauer vom ebenfalls renommierten Immobilienberater Colliers International. „Im Starpark waren große Flächen sofort verfügbar, in Leipzig herrschte nur ein sehr knappes Angebot.“ Auch die höheren Fördermittel im strukturschwachen Sachsen-Anhalt sowie die Ansiedelungspolitik der Stadt Leipzig, die stärker auf qualifizierte Jobs mit höheren Gehältern setze, hätten einen gewissen Anteil an der Entwicklung gehabt – aber nicht entscheidend.

Flughafen ist größter Hoffnungsträger

Sauer erwartet denn auch, dass „das Pendel in den nächsten ein bis zwei Jahren auf die sächsische Seite der gemeinsamen Logistikregion zurückkehrt“. In Halle seien jetzt kaum noch große Flächen in gefragten Lagen frei. Und die planungsrechtlichen Verfahren für neue Baugrundstücke stünden erst ganz am Anfang.

Leipzig indes habe längst neue Projekte angeschoben, die zum Teil schon verfügbar sind. Größter Hoffnungsträger dabei ist der Flughafen, bestätigt Michael Schimansky, amtierender Leiter des Wirtschaftsdezernats im Rathaus. Dort seien 53 Hektar baureif, weitere 31 Hektar in der Vermarktung. „Und an der Radefelder Allee läuft die Planung für 130 Hektar. So große Areale direkt an einem Flughafen sind bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal“, frohlockt Schimansky. Von der luftfrachtaffinen Wirtschaft werde dies mit Sicherheit gut angenommen. „Dabei konkurriert Leipzig nicht mit Halle oder den hiesigen Landkreisen“, betont er. „Bei Ansiedlungen in Halle sind auch wir Gewinner – nicht so bei Ansiedlungen in Franken, Erfurt oder Polen. Deshalb weisen wir bei jedem Investorengespräch nicht nur auf Flächen in Leipzig hin, sondern auch auf die Angebote der Region.“

Weitere Reserven in Seehausen

Mit „Seehausen II“ (40 Hektar) für große Industriebetriebe oder dem geplanten Baytree-Logistik-Park (20 Hektar) neben dem BMW-Werk hat Leipzig gleichwohl noch weitere Trümpfe im Ärmel. BNP-Chef Sachse glaubt daher, dass die Logistikregion auch 2019 ein ähnlich gutes Ergebnis wie im Vorjahr erzielen kann: „Die Nachfrage ist jedenfalls sehr hoch.“

Von Jens Rometsch

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