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Lokales Pogromnacht-Gedenken contra Legida-Demo
Leipzig Lokales Pogromnacht-Gedenken contra Legida-Demo
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00:37 16.10.2015
Eine Gedenkstätte erinnert heute an die Synagoge in der Gottschedstraße.
Eine Gedenkstätte erinnert heute an die Synagoge in der Gottschedstraße. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Leipziger Ordnungsbehörde steht vor einer Entscheidung von hohem Symbolwert: Seit Monaten versucht Legida mit ihren allmontäglichen Aufmärschen der Stadt einen Takt vorzugeben. Hält das Rechtsbündnis an dieser Strategie fest, wird es auch am 9. November über den westlichen Innenstadt-Ring ziehen. Doch an diesem Tag erinnert Leipzig traditionell an die Pogramnacht 1938, die den Beginn des Ausrottungsfeldzugs der Nazis gegen die Juden markiert.

An diesem Tag werden Freiwillige überall in Leipzig Stolpersteine putzen, jene in Gehwege eingelassene Messingplatten, die mittlerweile an 139 Orten in der Stadt an jüdische Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Es werden Mahnwachen an den Stolpersteinen abgehalten und die Biografien derer verlesen, die von den Nazis vertrieben, in Konzentrationslager verschleppt und ermordet wurden. Für den Abend sind Gedenkveranstaltungen am westlichen Ring geplant, genau dort, wo Legida Montag für Montag seine „Abendspaziergänge“ zelebriert.

„Unser Weg würde zweimal die Route von Legida kreuzen“, sagt Frank Kimmerle vom Verein Erich-Zeigner-Haus. „Erstmals, wenn wir vom Friedensgebiet in der Nikolaikirche zur jüdischen Gedenkstätte in der Gottschedstraße gehen, wo um 18.30 Uhr eine Gedenkfeier beginnt. Und dann noch einmal auf dem Weg zur Abschlussveranstaltung in der Thomaskirche.“ Es gebe wohl Überlegungen im Rathaus, berichtet er, die Teilnehmer des Pogromnacht-Gedenkens um die von der Polizei abgeriegelte Legida-Strecke bis zum Neuen Rathaus und von dort auf der anderen Seite des Ringes zur Gottschedstraße herumzuführen. „Wir wären dann gezwungen, an der Demo-Route dieser Rassisten entlang zu laufen“, beschreibt Kimmerle das drohende Szenario und schüttelt den Kopf. „Das wäre doch pervers“, sagt er, „das werden wir nicht zulassen.“ Es dürfe nicht geschehen, dass Legida-Anhänger ihre rechte Propaganda keine 50 Meter ausgerechnet von dem Ort entfernt verbreiten, wo am Tag genau vor 77 Jahren die Große Synagoge in Flammen stand.

Eine Entscheidung darüber, heißt es im Umfeld von Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke), liege noch nicht vor.

Wer sich an der Stolperstein-Aktion am 9. November noch beteiligen will, findet Informationen darüber unter www.stolpersteine-leipzig.de.

Von Klaus Staeubert

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