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Lokales Premiere vom Duo Schwarze Grütze in Leipzig bejubelt
Leipzig Lokales Premiere vom Duo Schwarze Grütze in Leipzig bejubelt
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16:10 17.02.2020
Knochentrocken, saukomisch und bitterböse: Stefan Klucke (l.) und Dirk Pursche in der Pfeffermühle. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Am Schluss schmerzt das Heimweh. Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben der Steinzeit übermannt Dirk Pursche und Stefan Klucke. Kein Lechzen nach W-Lan, keine Flugscham, kein Sprach-Tüv. Und keine Ramona. Die Korrektheits-Ansprüche der Feministin spuken durch das neue, fabelhafte Programm des Kabaretts Schwarze Grütze. „Vom Neandertal ins Digital“ hatte am Sonntag umjubelte Premiere in der Pfeffermühle.

Die beiden Potsdamer, von der hiesigen Kabarettszene und deren Zuschauern wegen ihrer Leipzig-Affinität wie ihrer Kunstfertigkeit 2005 zu Lachmesse-Preisträgern gekürt und daerüber hinaus geradezu adoptiert, spielen auch in der neuen Produktion ihre Stärken aus. Dazu gehört die scheinbar traumwandlerische Sicherheit, federleichte Komik mit nachtschwarzem Humor und klugen Zwischentönen zu kombinieren.

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Neandertaler hatten kurze Transportwege

Aus der Zukunft reisen zwei Antennenhelmträger an um zu eruieren, wie es zum Niedergang der Menschheit kommen konnte. Erste Analysen weisen darauf hin, dass das Neandertalern seine Vorteile hatte: Die Speisen waren immer Bio, die Transportwege kurz. Vor allem modellierte niemand an einem herum, weder durch Homöopathie noch durch Familienaufstellung.

Selbst beim fühlbaren Premierenfieber von Klucke und Pursche wirken die beiden nie verkrampft, wenn sie die Keule über dem aktuellen Overkill aus Online- und Lifestyle-Nötigung kreisen lassen. Ihre Bühnen-Ichs sind so lässig ausgereift, dass kein Textaussetzer einer Nummer etwas anhaben kann. Bloß Ramona treibt eine der frühesten Erfindungen der Menschheit zwischen sie: einen Keil. Womit sie die Yoko Ono der Schwarzen Grütze zu werden droht.

Dirks neue Flamme hat nämlich nicht nur seinen Bass geschrumpft, sondern mosert auch an der gender- und umweltpolitisch angreifbaren Ausdrucksweise des armen Kerls herum, den sie unter „alte weißer Mann“ einzusortieren droht – dokumentiert im urkomischen Song über die Feminisierung der Sprache. Sollte sich die Efrauzipation in dieser Form durchsetzen, gibt’s Petrasilie für die Ottilie-Normalverbraucherin. Vorschrift auch: CO2 und Tierisches raus aus dem klimagerechten, veganen Sprachgebrauch. Nicht so leicht, wenn man gewohnt ist, Gas zu geben und Käse zu reden.

Autokorrektur: Aus „Bürste“ werden „Brüste“

Dabei haben die zwei schon genug mit der Autokorrektur auf ihren Handys zu kämpfen, die aus „Bürste“ „Brüste“ macht und aus „fruchtbar“ „fruchtbar“. Von Regisseur Hans Holzbecher in den richtigen Rahmen, in Rollenaufteilung und Tempo gebracht, dreht die Schwarze Grütze kurz vor und vor allem nach der Pause mächtig auf. Warum Heranwachsende keine Chance haben, Bankräuber zu werden, wie man durch Friedhofsbesuche Reichtum anhäufen kann und wieso Tschechisch als Amtssprache die Welt verbessert, das muss man vor Ort erleben, als Zeuge der Ansage.

Geschüttelte Silben wie im Cocktailmixer

Pursche und Klucke zeigen wieder einmal, wie sehr sie die Sprache und das Spiel mit ihr lieben. Sie schütteln die Silben wie ein Cocktailmixer, watschen im Vorbeigehen den Populismus ab und essen vom Aussterben bedrohte Tiere. Ein wunderbar unkorrektes, böses, eingefleischtes Duo. Da hat auch Ramona letztlich keine Chance. „Bei uns wird Yoko Ono erschossen“, stellt Pursche klar. Und nicht John Lennon.

Nächste Auftritte in der Gegend am 29. Februar in Delitzsch (Markt Zwanzig, Karten info@markt-20.de und 0175 1120977) und am 25. Oktober in der Pfeffermühle, Karten in allen LVZ-Geschäftsstellen, unter der kostenlosen Nummer 0800 2181050 sowie unter www.ticketgalerie.de.

Von Mark Daniel

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