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Lokales Probeläuten: So klingen die neuen Glocken in der Leipziger Nikolaikirche
Leipzig Lokales Probeläuten: So klingen die neuen Glocken in der Leipziger Nikolaikirche
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16:35 01.10.2019
Im Nordturm von St. Nikolai: Roy Kreß, Gebietsbeauftragter Leipzig für Geläute und Turmuhren im Regionalkirchenamt (Zweiter von links), mit weiteren Glockensachverständigen bei der Intonation des neuen Geläuts der Stadtkirche. Quelle: André Kempner
Leipzig

Seit April drang aus den beiden Glockenstuben der Leipziger Nikolaikirche kein Mucks mehr. Am 1. Oktober kurz nach 11 Uhr war Schluss mit der tonlosen Zeit. Fachleute begannen damit, das neue Super-Geläut der Kirche der Friedlichen Revolution auf den 30. Jahrestag am 9. Oktober 2019 einzustimmen. Dann werden alle acht Instrumente – zwei alte und sechs neue Bronzeglocken – erstmals im Plenum zu hören sein.

„Oh, das klingt wunderbar!“

Die Passanten auf dem Nikolaikirchhof staunten am Dienstag jedenfalls nicht schlecht. Kein Sonntag, kein Feiertag – und doch ertönte aus dem Südturm von St. Nikolai tiefes Glockengeläut. Leipzigs neue größte Kirchenglocke, die mehr als sechs Tonnen schwere Osanna, gestimmt auf g0, wurde nach ihrer Weihe am 29. Juni und dem Einhub am Tag darauf erstmals in Schwingung versetzt. Eine junge Frau blieb wie angewurzelt stehen. „Oh, das klingt wunderbar! Dieser tiefe, warme Klang wird sich sehr schön einfügen ins Stadtgeläut“, schwärmte die Fußgängerin.

Am Freitag sind die neuen Glocken für die Nikolaikirche in Leipzig eingetroffen. Am Samstag wurden sie bei einem Gottesdienst eingeweiht, am Sonntag folgte der Einhub.

Bestandsglocken schwingen mit

Kurze Zeit später drangen auch aus dem Nordturm ganz neue Töne. Dort hängen an einem frisch installierten Glockenstuhl gleich sieben Klangkörper – darunter zwei alte, überarbeitete Bestandsglocken aus dem Jahr 1964. Alle übrigen Bronzestücke aus dem Nordturm waren – wie auch die Osanna – im Frühjahr in der Glockengießerei Bachert in Neunkirchen (Neckar-Odenwald-Kreis) entstanden.

Premiere ist am 9. Oktober

Die Intonation des achtstimmigen Nikolaigeläuts wird die nächsten Tage in Anspruch nehmen. Am 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution wird das Instrumenten-Ensemble dann erstmals offiziell erklingen – nach dem Friedensgebet gegen 18.10 Uhr, wenn die Menschen aus der Kirche und zum Lichtfest auf den Augustusplatz strömen. Der MDR wird den Klang des Glockenplenums live in die mitteldeutschen Wohnzimmer schicken.

Präzise Uhr steuert die Anlage

Die Läutetechnik in den beiden Glockenkammern der Nikolaikirche war von der Firma Heidenauer Glockenläute- und Elektroanlagen GmbH installiert worden. Die Anlage wird elektronisch von einer präzisen Uhr gesteuert. „Das Anläuten muss weich sein, das Läuten und Abbremsen schonend. Seilrad, Drahtseil, Kette und Ritzel müssen passen. Die Dauer der Stromimpulse ist wichtig, jeder Zentimeter der Seile wirkt sich aus“, hieß es seitens der Experten, die am Nachmittag noch ein wenig mit dem Klöppel der Osanna zu kämpfen hatten. „Hören Sie mal genau hin in den nächsten Tagen – auf ein paar Glockentöne so ganz außer der Reihe“, warb ein bewegter Nikolaikirchenpfarrer Bernhard Stief für ein Innehalten, wann immer aus den Türmen seiner Kirche Intonationsgeräusche zu vernehmen sind.

Neue Läuteordnung gilt ab Ende Oktober

Wer den neuen Sound von St. Nikolai – aus welchen Gründen auch immer – am 9. Oktober nicht auf die Ohren bekommt, hat erst mal Pech. Denn so oft wird die dicke Osanna nicht zu hören sein. Ab Ende Oktober gilt eine neue Läuteordnung. „Denn wir können ja nicht läuten, wie wir wollen“, erläuterte Leipzigs Superintendent Martin Henker, offiziell Erster Pfarrer an der Nikolaikirche. Die Grundregel: „Geläutet wird, um zum Gottesdienst, zur Andacht und zum Gebet einzuladen. Und um ans Gebet zu erinnern.“ Zu den einzelnen Betzeiten erklingen unterschiedliche Glocken – morgens die Agnus Dei, mittags die Pax und abends die Credo. Nur am Samstagabend wird mit mehreren Glocken der Sonn- und Feiertag eingeläutet – und zwar mit denselben Glocken, die zum Gottesdienst am folgenden Tag rufen.

Am Karfreitag erklingt die Osanna allein

Zum Friedensgebet erklingen andere Glocken als zu Taufe, Hochzeit oder Trauergottesdienst. Das ganz große Konzert aller acht Glocken wird nur zu den großen Feiertagen zu hören sein. „Mit einem siebenminütigen Läuten in voller Pracht feiern wir den ersten Christtag, den Ostersonntag und den Pfingstsonntag. Zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag um 15 Uhr wird die Osanna erklingen – allein“, erläuterte Henker.

Am Freitag ist in Neunkirchen/Baden die Glocke Osanna für die Leipziger Nikolaikirche gegossen worden.

Die Glocke in einem Traditionsbetrieb im Neckar-Odenwald-Kreis gegossen worden.

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