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Lokales Prozess: Darf man Lebensmittel aus der Mülltonne holen?
Leipzig Lokales Prozess: Darf man Lebensmittel aus der Mülltonne holen?
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23:01 31.07.2019
Der Angeklagte Raoul M. vor dem Amtsgericht. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Ich stand da mit einem Brot in der Hand, als plötzlich Polizisten auf mich zukamen.“ So beschreibt Raoul M. (34) die Nacht im Januar, die ihm einen Strafbefehl wegen versuchten Diebstahls eingehandelt hat. Die Verhandlung am Leipziger Amtsgericht ist nicht sein erster Gerichtsprozess. Das, was hier an diesem Tag verhandelt wird, geht über die Schuldfrage eines Diebstahls hinaus: Raoul M. hat „containert“.

Grundsatzfrage steht im Raum

Er hat Brot, das für den Verkauf nicht mehr bestimmt war, nachts aus der Mülltonne eines Leipziger Netto-Marktes genommen. „Wohl wissentlich, dass das Essen in Refood-Tonnen zu einer anderweitigen Verwendung bestimmt gewesen ist“, heißt es in der Anklage. Ist es legitim, sich Lebensmittel zu nehmen, die nicht mehr für den Verkauf bestimmt sind?

„Es geht darum, dass die Verwertung des Essens in keinem Verhältnis zu dem Aufwand der Produktion steht“, sagt eine junge Frau, die als eine der rund zehn Unterstützer für die Verhandlung extra aus Wurzen in Bernhard-Göring-Straße gekommen ist. Die Legalisierung des Containerns wäre ein Schritt, den Wert der Lebensmittel anzuerkennen, sagt sie, aber längst nicht der einzige. Es ist auch eine Grundsatzfrage, die am Mittwoch im Saal 100 des Amtsgerichtes im Raum steht.

Richterin ermahnt das Publikum

„Normalerweise steht man auf, wenn der Richter den Saal betritt“, ermahnt die Vorsitzende Richterin das Publikum schon beim Eintreten, später antwortet der Angeklagte nur stockend und zaudernd auf ihre Fragen nach seiner Identität. Es folgen Auseinandersetzungen über die Formalia des Prozesses. Der Beistand des Angeklagten wird nicht akzeptiert; und die Richterin bittet eine Frau mit ihrem Kleinkind darum, den Saal zu verlassen. Das Publikum protestiert, und der Angeklagte formuliert Antrag auf Antrag, ehe die Entscheidung fällt, den Prozess auszusetzen und die Frage des Beistandes zu prüfen.

Ein geladener Zeuge kann deshalb nicht verhört werden. Die Stimmung unter den Unterstützern des Angeklagten ist nach dem unterbrochenen Prozess gespalten. „Er kennt sich gut mit seinen Rechten aus“, lobt die eine den Angeklagten. Einer anderer meint: „Bei so einer wichtigen Sache wäre es gut, wenn man vor Gericht professionell auftritt und seine Überzeugungen mit Argumenten darlegt.“

Von Anna-Flora Schade

Er mag es vor allem groß und bunt: Am Leipziger Waldplatz wurde am Mittwoch ein riesiges Plakat von Künstler Michael Fischer-Art hochgezogen. Auf zehn mal zehn Metern sind unter anderem Fußballer eines ganz in der Nähe ansässigen Sportclubs zu sehen.

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