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Lokales Prozess um Anschlag auf Gemkow: DNA-Beweis bröckelt
Leipzig Lokales Prozess um Anschlag auf Gemkow: DNA-Beweis bröckelt
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17:01 12.06.2019
Angeklagter Thomas K. mit seinen Anwälten Curt-Matthias Engel (links) und Mario Thomas im Gerichtssaal. Quelle: Kempner
Leipzig

Gibt es den nächsten Freispruch im Verfahren um den Anschlag auf Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU)? „Was kann mit hinreichender Sicherheit nachgewiesen werden?“, so der Vorsitzende Richter Bernd Gicklhorn am Mittwoch, dem dritten Verhandlungstag des Berufungsprozesses am Landgericht Leipzig. „Ich habe Zweifel, ob das reicht.“

Denn offenbar bröckelt nun auch das wichtigste Indiz, auf dessen Grundlage der Angeklagte Thomas K. (32) im September 2017 vom Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden war. Seine DNA-Spur war an einer Verpackung für Christbaumkugeln am Tatort sichergestellt worden. Wie berichtet, hatten Angreifer am 24. November 2015 kurz nach 2 Uhr die Fenster des Eckhauses August-Bebel-/Scharnhorststraße mit Granitsteinen attackiert, während Gemkow hier mit seiner Familie schlief, und mit stinkender Buttersäure gefüllte Christbaumkugeln durch die kaputten Scheiben geschleudert.

DNA-Beweis bröckelt

Nach Einschätzung des zuständigen DNA-Gutachters vom sächsischen Landeskriminalamt (LKA) ist es jedoch möglich, dass diese Spur durch Sekundärübertragung an die Weihnachtskugelverpackung gekommen ist. Bloßes Händeschütteln oder der Kontakt der Verpackung mit verschwitzten Sachen des Verdächtigen würden schon reichen. Ein zwingender Nachweis, dass Thomas K. in jener Nacht am Tatort gewesen ist, wäre es demnach nicht. „DNA hat keinen Datumsstempel“, so der Experte, „das ist eine der größten Grenzen unserer kriminaltechnischen Disziplin.“

Aus Sicht des Richters liegt der Fall damit ähnlich wie bei dem ursprünglich ebenfalls angeklagten Roman W. (30). Der Autohändler aus Nordrhein-Westfalen wurde in erster Instanz freigesprochen, weil dessen DNA laut einem Gutachter durch eine Sekundärübertragung von Körperzellen an einen Granitstein am Tatort gelangt war. Selbst die Staatsanwaltschaft, die im aktuellen Berufungsprozess eigentlich eine höhere Strafe für Thomas K. erreichen wollte, hält es mittlerweile für nicht mehr ausgeschlossen, dass auch die DNA des rechten Hooligans durch Sekundärübertragung an den Tatort gelangte. Hinzu kommt, dass keiner der Zeugen einen derart hünenhaften Verdächtigen in der Tatnacht gesehen hat. Schon diese Aussagen passen nach Auffassung des Richters „nicht dazu, dass Thomas K. dabei gewesen sein soll“.

Verfassungsschutz-Chef als Zeuge

Schließlich beantragten die Verteidiger Curt-Matthias Engel und Mario Thomas auch noch, den Präsidenten des sächsischen Verfassungsschutzes, Gordian Meyer-Plath, als Zeugen im Prozess zu laden. Hintergrund: eine Stellungnahme des Inlandsgeheimdienstes wenige Wochen nach der Tat, wonach „sowohl Vorgehensweise als auch Zielobjekt des Anschlags für einen linksextremistischen Hintergrund der Tat“ sprachen. Das Innenministerium hatte im Februar 2016 auf eine Anfrage der Linken mitgeteilt, dass es sich dabei „ nicht um eine Behauptung, sondern um eine auf der Grundlage der vorliegenden Anhaltspunkte erstellte Einschätzung“ handele.

Der Prozess soll am 4. Juli fortgesetzt werden. Inwieweit das Urteil Auswirkungen auf ein weiteres Verfahren hat, ist noch unklar. Anfang November 2018 hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Jens E. (38) erhoben. Auch von ihm waren DNA-Spuren an einem Granitstein am Tatort entdeckt worden.

Von Frank Döring

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