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Prüfen, rufen, drücken – Erste-Hilfe-Crashkurs im Zoo Leipzig

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17:55 20.09.2021
Crashkurs für die Wiederbelebung: Pfleger Jonas Schindler mit Julia Stompe (31) beim Reanimationstraining im Zoo.
Crashkurs für die Wiederbelebung: Pfleger Jonas Schindler mit Julia Stompe (31) beim Reanimationstraining im Zoo. Quelle: Dirk Knofe
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Kann man Erste Hilfe in fünf Minuten lernen? Im Prinzip ja: Zumindest die wichtigsten Handgriffe hat man schnell drauf. Und auf die kommt es an, wenn plötzlich jemand einen Herzstillstand erleidet. Den Crashkurs zur Wiederbelebung gab es am Montag im Zoo.

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„Den Leuten die Angst nehmen“

Mit der Woche der Wiederbelebung wird jedes Jahr auf die Bedeutung von lebensrettenden Sofortmaßnahmen hingewiesen. Vom 20. bis 26. September läuft die Aktion in diesem Jahr. Der Leipziger Startschuss fiel am Montag vor dem Gondwanaland in der Pfaffendorfer Straße. Das Ev. Diakonissenkrankenhaus war mit einem Trainingsteam vor Ort. „Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen“, sagte Alexander Rothe (45), Oberarzt auf der Intensivstation. „Wir brauchen Masse, um das Laien-Reanimationstraining in die Breite zu bekommen.“ Es gehe auch darum, zu zeigen, wie einfach das Ganze ist, betonte Rothe. „Wir wollen den Leuten die Angst nehmen, das Wesentliche kann man in fünf Minuten vermitteln.“ Zusammen mit den Krankenpflege-Kräften Katy Pitzschel (31), Jörg Hinke (49) und Jonas Schindler (28) sprach Rothe etliche Zoo-Besucher an und lud sie zum Schnellkurs ein.

Jede Minute zählt

Nach einem Herzstillstand sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit jede Minute um zehn Prozent. „Nach fünf Minuten sind wir also schon bei 50:50“, erläuterte Anästhesiepfleger Hinke. Es reicht also nicht, die Notrufnummer 112 zu wählen. Das Prinzip: Prüfen, rufen, drücken. Soll heißen: Bewusstsein und Atmung checken, den Notruf absetzen und mit der Herzdruckmassage beginnen. Letztere im Beat von „Stayin’ alive“ (Bee Gees) oder „Highway to Hell“ (AC/DC) – und das so lange, bis der Arzt kommt. Höhe: Brustbein. Tiefe: fünf bis sechs Zentimeter. Ein Handballen liegt auf der Brust, der andere darüber, beide Arme sind gestreckt.

„Wir hätten zu tief gedrückt“, konstatierten Selina (12) und Alia (13) aus Dessau nach ihrem Schnellkurs und zeigten sich angetan, weil sie an diesem Tag nicht nur etwas über Tiere gelernt hatten. Auch Julia Stompe ließ sich ihre Schnellbesohlung verpassen. Die 31-Jährige war mit ihrem Mann Mathias und den Kindern Thea (2) und Emil (8) aus Magdala zu Besuch. „Ich arbeite in einer Grundschule, da können solche Kenntnisse nicht schaden“, sagte sie, „und auf der Straße kann ja auch immer was passieren.“ Am Ende war die Thüringerin zufrieden – auch weil sie das Zusammenspiel mit einem Automatischen Externen Defibrillator (AED) ausprobieren konnte.

Atemspende ist nicht zwingend

Um die Hemmschwelle weiter zu senken, wird im Rahmen der Wiederbelebung von Fremden inzwischen übrigens keine zwingende Atemspende mehr empfohlen: Lieber helfen und nur drücken – als aus Sorge vor einer Infektion gar nichts tun. Besser sei natürlich die zusätzliche Beatmung, erklärte Pfleger Hinke. Die fällt bei einem Herzstillstand im familiären Umfeld oder im Freundeskreis natürlich leichter. Für diesen Schritt gilt: zwei Beatmungen und 30 Herzdruckmassagen im Wechsel.

Von Björn Meine