Prüfungen: Studenten der Uni Leipzig fordern Freiversuche
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Prüfungen: Studenten der Uni Leipzig fordern Freiversuche

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09:30 03.11.2020
Gefährdet ein Studium per Videokonferenz und erschwertem Zugang zur Bibliothek die Erfolgsaussichten? Der Studierendenrat der Uni Leipzig sieht das so und fordert daher Erleichterungen.
Gefährdet ein Studium per Videokonferenz und erschwertem Zugang zur Bibliothek die Erfolgsaussichten? Der Studierendenrat der Uni Leipzig sieht das so und fordert daher Erleichterungen. Quelle: dpa
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Leipzig

Der Studierendenrat (Stura) der Universität Leipzig fordert Corona-Erleichterungen für die rund 30 000 Studenten. Hochschulpolitik-Referent Nico Eisbrenner mahnt an, nach dem Vorbild der Technischen Uni Dresden im Wintersemester „sämtliche Prüfungsversuche als Freiversuche“ zu werten. An der TU können die Studierenden „selbst entscheiden, ob sie einzelne Prüfungsergebnisse des Wintersemesters 2020/2021 annehmen oder nicht“, wie es in einem Beschluss des dortigen Senats von Mitte Oktober heißt.

Wie läuft das mit dem Bafög?

Der Stura spricht sich nach einem entsprechenden Votum seines Plenums zudem dafür aus, dass Studierende das Semester auf Wunsch wie schon im Sommer nicht auf die Regelstudienzeit anrechnen müssen. Das könnte vor allem für Studenten in Frage kommen, die Bafög beziehen oder ein Stipendium erhalten, das an die Regelstudienzeit gekoppelt ist. Ebenso solle die Uni Leipzig auf Fristen verzichten, innerhalb derer eine missglückte Prüfung wiederholt werden muss, fordert der Stura. „Da die TU Dresden und die Uni Leipzig bekanntermaßen beide demselben Hochschulgesetz unterliegen, sollten diese Maßnahmen auch hier möglich sein“, sagt Eisbrenner.

Dagegen fürchtet die Uni-Leitung, dass Studierende erst recht in finanzielle Probleme geraten könnten, wenn sie sich ein weiteres Semester nicht anrechnen lassen, solange dazu keine gesetzliche Regelung existiert. „Ein nicht anerkanntes Semester berechtigt nicht automatisch zum verlängerten Bezug von Bafög oder Stipendien“, gibt Professor Thomas Hofsäss zu bedenken, Prorektor für Bildung und Internationales. Im Sommersemester hatte der Akademische Senat noch eine unbürokratische Pause von der Regelstudienzeit ermöglicht und zudem appelliert, „Fristen für Prüfungsleistungen großzügig zu handhaben“, um Nachteile durch die Pandemie auszugleichen: Die meisten Seminare und Vorlesungen fanden wegen des Infektionsschutzes nur online statt, Bibliotheken waren teilweise geschlossen. Auf ähnliche Einschränkungen steuert die Uni aufgrund der aktuellen Infektionsrate erneut zu.

Referent fürchtet um erfolgreichen Abschluss

Statt wie in Dresden einen generellen Freifahrtsschein auszustellen, überlässt das Leipziger Uni-Rektorat auch jetzt die Entscheidung über die Prüfungen den einzelnen Fakultäten. Das Werkzeug dazu sind sogenannte „Manteländerungssatzungen“, Hofsäss zufolge „eine rechtssichere Verfahrensweise, um Prüfungsleistungen den jeweiligen Bedingungen anpassen zu können“. Ziel einer solchen Differenzierung sei nicht zuletzt, „den ohnehin schon erschwerten weiteren Studienverlauf nicht unnötig zu gefährden“, erläutert Uni-Sprecher Carsten Heckmann. „Wir haben unsere Studierenden und gute Studienbedingungen selbstverständlich im Blick, wie in der Vergangenheit auch. Sonst wäre unsere Universität auch nicht so nachgefragt, wie es die jüngsten Erstsemesterzahlen wieder zeigen.“ Wie berichtet, verzeichnete die Uni etwa 42 000 Bewerbungen für rund 7000 Erstsemester-Plätze im Wintersemester.

Dagegen fürchtet Felix Fink, Stura-Referent für Lehramt, um einen erfolgreichen Studienabschluss, solange die Uni im Minimalbetrieb sei. Nicht aufgrund ihrer Studierenden-Freundlichkeit, sondern wegen der attraktiven Stadt sei die Uni Leipzig so beliebt. „Das Rektorat ruht sich auf diesem Standortvorteil seit Jahren aus“, kritisiert Fink. Stura-Kollege Paul Reinhardt aus dem Hochschulpolitik-Referat mutmaßt, dass das Rektorat nur darauf aus sei, „Prüfungen über die Bühne“ zu bringen. „Die Studierenden werden dabei einfach im Regen stehen gelassen“, beklagt er.

Von Mathias Wöbking