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Lokales Radfahrer-Club will Leipzigs Straßenraum neu aufteilen
Leipzig Lokales Radfahrer-Club will Leipzigs Straßenraum neu aufteilen
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11:14 15.08.2019
Sensibles Terrain: Von vier Autospuren vor dem Hauptbahnhof (links) sollen nur zwei übrig bleiben – wenn es nach dem ADFC geht. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Leipzig (ADFC) fordert eine grundsätzliche Neuaufteilung des Straßenraums in der Stadt. An sechs neuralgischen Punkten sollten Auto-Fahrspuren verringert und stattdessen Radstreifen eingerichtet werden, meint der ADFC. Gefordert wird dies unter anderem für den Bereich vor dem Hauptbahnhof sowie in der Käthe-Kollwitz-, Richard-Lehmann, Georg-Schumann- und Harkortstraße.

„Autoverkehr ist zurückgegangen“

Der ADFC untermauert seine Forderungen mit Berechnungen, nach denen der Autoverkehr in Leipzig in den vergangenen 15 Jahren um 14 Prozent zurückgegangen ist. „Deshalb ist es möglich, auf Fahrspuren zu verzichten“, sagt Vorsitzender Robert Strehler. Sein Verband bereite jetzt mehrere Aktionen vor, „um ein Umdenken in den Kommunen zu erreichen“.

„Innenstadtring braucht Radfahrstreifen

Ganz oben auf der Prioritätenliste des Clubs steht neben Fahrspurstreichungen in der inneren Jahnallee (die LVZ berichtete) das Ausweisen von Radfahrstreifen auf dem Innenstadtring. „Vor dem Hauptbahnhof ist die Fahrzeugbelastung von täglich 70 000 auf 46 000 zurückgegangen“, argumentiert ADFC-Mitglied Alexander John. Gleichzeitig sei der Anteil der Fahrradfahrer deutlich angestiegen – aktuell auf täglich 6000 bis 7000 Pedalritter. „Zurzeit gibt es dort nur einen Gehweg, den Radfahrer in zwei Richtungen mitbenutzen können“, betont John.

Radweg könnte vom Hauptbahnhof bis zur Löhrstraße führen

Wie sich der ADFC dort bessere Radfahrbedingungen vorstellt, hat der Club bereits im Juni bei einer 48-Stunden-Demo deutlich gemacht. Von den vier Fahrstreifen vor dem Hauptbahnhof soll die direkt vor dem Gebäude verlaufende Spur abgetrennt und als Radweg ausgewiesen werden, auf dem Radler ungestört von Autos in beide Richtungen verkehren können. „Wir stellen uns vor, dass dieser neue Radweg dann von der Osthalle des Hauptbahnhofs bis zur Löhrstraße verläuft“, sagt Strehler. Eine weitere Autospur würde der ADFC gern für die LVB abtrennen. Letztlich würde es dann vor dem Hauptbahnhof noch zwei Autospuren geben.

Lange durchgehende Radspuren im Visier

Ebenfalls mit separaten Radfahrstreifen ausstatten will der Club die Käthe-Kollwitz-Straße zwischen Westplatz und Karl-Heine-Straße. „Weil es dort überbreite Fahrspuren gibt, wäre es relativ unproblematisch, in jede Richtung einen Radstreifen abzutrennen“, meint John. Auch Strehler spricht von einem lösbaren Problem. „So eine Abmarkierung würde nicht die ganze Straße auf den Kopf stellen“, sagt er. Da es zwischen Ring und Westplatz bereits Radspuren gibt und in der Karl-Heine-Straße gerade welche entstehen, würde so eine lange durchgehende Radverbindung geschaffen, die große Anziehungskraft besitze und relativ sicher sei.

Fokus liegt auch auf dem Ostabschnitt der Richard-Lehmann-Straße

Im Fokus des ADFC liegt auch der Ostabschnitt der Richard-Lehmann-Straße. Zwischen der Kreuzung Zwickauer Straße und der Tabaksmühle fordert der Club ebenfalls die Abtrennung einer Auto-Fahrspur in jede Richtung und ihre Umwidmung zu einem Radfahrstreifen – weil sich mit den Flächen am Fahrbahnrand kein durchgehender Radfahrstreifen gestalten lasse.

Stadttrasse in der Georg-Schumann-Straße für Fahrräder nutzen

Handlungsmöglichkeiten gibt es aus Sicht der Fahrrad-Lobby auch in der Georg-Schumann-Straße. Dort gibt es in Möckern ab der Slevogtstraße in Richtung Wahren einen knapp 800 Meter langen Bereich, in dem noch keine Radfahrstreifen vorhanden sind. Diese ließen sich problemlos einrichten, heißt es jetzt. „Um die Georg-Schumann-Straße von Verkehr zu entlasten, hat die Stadt vor einigen Jahren extra die neue B 6 West errichtet“, sagt John. „Sie will die Straße jetzt ohnehin in eine Stadttrasse umbauen – unser Radweg wäre ein Teil davon.“

Weniger Platz für Autos auch in der Harkortstraße

Ebenfalls auf eine Spur verzichten sollen die Autofahrer in der Harkortstraße. Die Stadtverwaltung hat bereits signalisiert, dass sie dort mittelfristig nur noch eine Geradeausspur in jede Richtung sowie jeweils eine Links- und eine Rechtsabbiegespur für notwendig erachtet. Weil sich dann die Freigabezeiten an den Ampeln verdoppeln ließen, würde die Trasse ihre Leistungsfähigkeit behalten, heißt es. Mit einer solchen Neuaufteilung der Spuren sei ab dem Jahr 2020 zu rechnen, so das Rathaus.

Club will lückenlosen Rad-Netzplan

Dem ADFC dauert vieles zu lange. „Wir fordern schon lange einen verbindlichen, lückenlosen Netzplan für ein richtiges Leipziger Radnetz“, sagt Strehler. „Die Stadtverwaltung wollte ihn schon längst vorlegen, aber geschehen ist fast nichts.“ Dieser Netzplan müsse dann ja nicht sofort komplett umgesetzt werden, „aber wir wollen eine praktikablen Lösungsvorschlag“.

Lobby drückt auf’s Tempo

Alexander John ist mit dem Arbeitstempo der Stadtverwaltung unzufrieden. „Das Thema Radwege ist bei den Fraktionen des Stadtrates angekommen“, meint er. „Alle sind dafür, mehr für den Radverkehr zu machen, aber was geschieht ist eigentlich nur Pillepalle.“

„Ratsbeschlüsse werden nicht zügig umgesetzt“

Besonders ärgert den ADFC, dass Beschlüsse des Rats für Verbesserungen des Radverkehrs nicht umgehend von der Verwaltung umgesetzt werden. „Wenn wir mit ADFC-Vertretern aus anderen Städten reden, staunen die nur, wie lange die Umsetzung von Ratsbeschlüssen bei uns dauert. Dann heißt es immer, Ratsbeschlüsse seien doch Gesetze für die Verwaltung. Bei uns ist das offenbar nicht so.“

Von Andreas Tappert

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