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Lokales Reaktionen auf Entscheidung zur Jahnallee: „Toller Tag für Radfahrer“
Leipzig Lokales Reaktionen auf Entscheidung zur Jahnallee: „Toller Tag für Radfahrer“
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12:08 20.09.2018
Hier ist der Radweg in der Jahnallee noch eine symbolische Einrichtung auf Zeit (Archivbild). Die Stadt prüft nun die dauerhafte Einrichtung eines geschützten Radstreifens. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Nach der Stadtrats-Entscheidung für mehr Platz und Sicherheit für Radfahrer in der Leipziger Jahnallee sowie für eine Prüfung der Gustav-Adolf-Straße als Fahrradroute zeigen sich die Initiatoren von dem Ergebnis begeistert. „Das ist ein ganz toller Tag für die Radfahrer“, erklärt Volker Holzendorf. Seine Petition für gesicherte Radverkehrsanlagen in der inneren Jahnallee hatte die Änderungen ins Rollen gebracht.

Holzendorf hatte vor allem eine baulich geschützte Radfahrspur, eine sogenannte „protected Bikelane“ gefordert. Diese Variante wird nun tatsächlich von der Verwaltung geprüft. Über das Ergebnis soll der Stadtrat laut Beschluss bis Mitte 2019 informiert werden. Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen betonte via Facebook nach der Entscheidung, dass man wirklich auf eine schnelle Verbesserung der Verkehrssituation in der Jahnallee hoffe. Die Fraktion hatte die Petition mit einem Antrag begleitet.

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Runder Tisch „innere Jahnallee

Laut Beschlusslage sollen drei Maßnahmen im ersten Halbjahr 2019 umgesetzt werden: Das Parken wird eingeschränkt, weil laut Statistik die meisten Unfälle etwa durch ein- und ausparkende Autos, sich plötzlich öffnende Autotüren und Ähnliches passieren. Tempo 30 kommt wie geplant, um den Lärmschutz zu verbessern. Auch der Luftreinhalteplan spielt eine Rolle: Ampelschaltungen werden geändert, um den täglichen Verkehr auf rund 13.200 Fahrzeuge zu vermindern. So sollen pro Tag rund 3600 Fahrzeuge weniger durch das Nadelöhr geschleust werden. Die müssen dann auf andere Routen ausweichen.

Petitions-Initiator Holzendorf schlägt nun einen runden Tisch „innere Jahnallee“ mit Anwohnern, Händlern, Radfahrern und Verkehrsbetrieben vor. Nur so könne „die beste Lösung für alle“ gefunden werden. Auch die Stadt will Konflikte mit den Geschäftstreibenden vermeiden. Bei einer Begehung seien bereits Alternativen für den Lieferverkehr ausgelotet worden. Derzeit werde geprüft, ob in Abschnitten der Jahnallee zeitbeschränkt Lieferverkehr weiter nötig ist. Am Ende sprachen sich mehr als 82 Prozent der Stadträte für die Änderungen in der Jahnallee aus.

Gustav-Adolf-Straße als Alternativroute

Denkbar knapp fiel mit einer Stimme Mehrheit dagegen die Zustimmung für einen zusätzlichen Vorschlag der Freibeuter-Fraktion aus: Die Stadt prüft nun auch, ob die Gustav-Adolf-Straße als Fahrradstraße umgestaltet werden kann. FDP-Stadtrat Sven Morlok sagte nach der Entscheidung: Die Route stelle für Radfahrer eine echte Alternative zur Jahnallee dar.

Genau das sieht die Verwaltung skeptisch. Die Stadtplaner bezweifelten in einer ersten Stellungnahme, dass die Radfahrer den Umweg akzeptieren. Da jetzt schon Tempo30 dort eingeführt sei und der Anliegerverkehr bleibe, sei der Effekt vor allem, dass Radfahrer nicht behindert werden und auch nebeneinander fahren dürften.

Morlok sieht die Fahrradstraße jedoch auch mit Blick auf zukünftige Verkehrsplanung als wertvolle Alternative: Langfristig müsse ein Umdenken bei der Gestaltung von Verkehrsraum stattfinden. „Eine anhaltende Vermischung aller Verkehrsteilnehmer auf einer Straße kann langfristig nicht die Schwächsten schützen.“

Von Evelyn ter Vehn