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Lokales Regionale Lebensmittelerzeuger fordern Unterstützung von der Politik
Leipzig Lokales Regionale Lebensmittelerzeuger fordern Unterstützung von der Politik
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10:01 01.07.2019
Erfahrungsaustausch, Präsentation der Betriebe und eine Podiumsdiskussion über Lebensmittelerzeugung in Sachsen – das Slow-Food-Netzwerktreffen am Samstag im Festsaal der Konsumzentrale. Foto: Andre Kempner
Leipzig

Vielleicht gelingt es wirklich. Vielleicht bewegen sich Parteien-Vertreter und regionale Lebensmittelhersteller in naher Zukunft an einen deutlich größeren Tisch, um Lösungen für ein drängendes Problem zu finden: Sachsens Bauern sowie kleine Betriebe brauchen mehr Anbaufläche und eine Lobby in Regierungskreisen, um nachhaltiger arbeiten zu können. Die Podiumsdiskussion zum Slow-Food-Netzwerktreffen am Sonnabend im Festsaal der Konsumzentrale Leipzig zeigte: Zumindest auf kommunaler und Landesebene signalisieren CDU, Linke, SPD und Grüne Verständnis für die geäußerten Nöte und Bereitschaft, sich zusammenzusetzen.

Slow Food steht für Nachhaltigkeit

Dass die AfD nicht zum Treffen eingeladen wurde, begründet das veranstaltende Team von Convivium Leipzig-Halle mit deren Parteiprogramm. „Von Nachhaltigkeit und Interesse an ökologischer Lebensweise ist dort nichts zu finden, im Gegenteil“, heißt es. Selbst denen, die offen für alternative, gesunde und verantwortungsvolle Lebensweise sind, ist der Begriff Slow Food nicht unbedingt geläufig. Er umfasst genussvolles, bewusstes und regionales Essen, das auf Fairness setzt und auf kurze Handelswege. Der Gegenentwurf zum Fastfood also, bei dem das ökologische Gewissen wenig ausgeprägt und pure Effizienz wichtig ist.

Aussterbende Rinderrasse

Beim Netzwerktreffen präsentierten unter anderem die Imkerei Beer, die Saftmanufaktur Lieber, die Bäckerei Eßrich und das Projekt „Ernte mich“ ihre regionalen Waren. Der Betrieb „Schlossrind“ beispielsweise bietet Fleisch jenseits von Massentierhaltung. „Unsere Rinder sind das ganze Jahr über draußen“, betont Philipp von Sahr, der zusammen mit Bruder Ferdinand und Mutter Marion die aussterbende Rinderrasse „Rotes Höhenvieh“ züchtet; die Kühe ernähren sich ausschließlich vom Weidegras in der Dahlener Heide, das Fleisch ist frei von Medikamenten oder Hormonen. Logisch, dass dieser besondere Genuss mehr kostet. 100 Gramm Rinderfilet liegen hier bei 3,90 Euro.

Saft aus dem Obst der Kunden

Aus Grimma-Papsdorf ist Kerstin Lieber angereist, die Obstsaft aus eigener Ernte anbietet. Ob Birne, Apfel oder Quitten, alles ist naturbelassen, bei hundertprozentigem Fruchtgehalt. Zudem verwandelt sie mitgebrachtes Obst in Saft. „Die Ernte ist natürlich jedes Jahr ein Lottospiel, doch der Kundenstamm wächst stetig, im Herbst ist auf meinem Hof die Hölle los“, sagt sie lächelnd.

Selber Ernten macht Spaß

Das Leipziger Projekt „Ernte mich“ macht Bürger auf Beeten zu kleinen Landwirten. In Liebertwolkwitz und in der Seestraße am Kulkwitzer See kann man Bio-Gemüse selbst anbauen und sich unabhängig versorgen. „Es ist herrlich, die Begeisterung bei Beet-Mietern zu sehen“, erzählt Susann Leovsky am Ernte-mich-Stand. „Die erste selbst geerntete Zucchini ist wie ein Ur-Erlebnis.“ Für 20 Quadratmeter benötigen Beet-Mieter eine Stunde pro Woche, so die Faustformel. Natürlich kann man Bio-Gemüse und -Obst auch beim Ernte-mich-Team kaufen: per Bestellung einer Kiste, direkt auf den Feldern des Betriebs oder auf dem Wochenmarkt.

Nachfrage steigt kontinuierlich

Eins verbindet alle Anbieter hier: Die Nachfrage steigt analog zum wachsenden Bewusstsein in der Bevölkerung. Zu den Problemen und Ärgernissen der Slow-Food-Betriebe gehören hohe Hürden wie zu wenig Fläche und ein Wust von Bürokratie. „Um es klar zu sagen: Es kotzt mich an“, wettert Bio-Bauer Dirk Barthel, der seinen Hof in Dommitzsch hat. „50 Prozent meiner Arbeitszeit gehen für Papierkram drauf.“ Eine Absurdität gebiert die Förderpolitik der Europäischen Union: Durch den subventionierten Export ist die in Sachsen geerntete Zwiebel im Ausland extrem billig und wird von dort zurückgekauft. Einigkeit herrscht auf dem Podium, dass die EU-Förderung überarbeitet gehört.

Nachholbedarf in der Politik

Wolfram Günther, Fraktionschef der Grünen im sächsischen Landtag, ist in der Thematik ganz zu Hause; die Vertreterinnen der anderen Parteien haben noch etwas Nachholbedarf. Doch SPD-Landtagskandidatin Irena Rudolph-Kokot, Antonia Mertsching (Landtags-Kandidatin der Linken) und Sabine Heymann – stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat – unterstreichen, die Verbesserung für regionale Lebensmittelerzeuger stärker ins Bewusstsein ihrer Parteikollegen rücken zu wollen. Denn klar ist: Die Produzenten brauchen Hilfe und Bekenntnisse aus der Politik.

Mehr Regionales auch im Konsum

Am Ende werden eine Menge Visitenkarten gewechselt. Auch zwischen Dirk Thärichen und Malte Reupert. Der Konsum-Vorstandssprecher ist ebenso an Austausch und Kooperationen interessiert, um noch mehr Regionales in den 61 Filialen anbieten zu können, wie auch der Geschäftsführer der drei Biomare-Supermärkte in Leipzig. Reupert sieht übrigens nicht nur die Politik in der Pflicht, sondern auch den eigenen Betrieb. „Wir sind gerade dabei, unsere CO2 -Bilanz kritisch zu überprüfen.“

www.slowfood.de; www.konzeptwerk-neue-oekonomie.org

Von Mark Daniel

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