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Lokales Leipziger Ostereierschießen entwickelt sich zum Volksfest
Leipzig Lokales Leipziger Ostereierschießen entwickelt sich zum Volksfest
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20:03 22.04.2019
Pro Treffer ein buntes Ei: Schützenvereinschef Bernd Köth – hier mit Lara (13), Maria-Katharina (19) und dem 11-jährigen Oliver (von links) – war beim Schießen am Osterwochenende auf alles vorbereitet. Quelle: Armin Kühne
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Leipzig

Was wohl der Osterhase dazu sagen würde? Erst hat er mühevoll alle Eier versteckt – dann werden sie in Nullkommanichts zerschossen. Keine Bange – so funktioniert das beliebte Ostereierschießen des Schützenvereins Thekla nicht. „Obwohl ich schon mal gefragt wurde, wer denn die ganze Sauerei am Schluss wegmache“, sagt Vereinschef Bernd Köth schmunzelnd. Aber nein, beim Ostereierschießen in Thekla wird gar nicht auf Ostereier geschossen. Im Gegenteil: Es wird um sie gekämpft. Doch schön der Reihe nach.

„Damals haben wir die Hühnereier noch selber gekocht“

„Alles begann vor 30 Jahren“, blickt Köth zurück, „unsere Vereinsmitglieder saßen in lockerer Runde zusammen und plötzlich war die Idee da: Wir könnten doch mal ein Ostereierschießen organisieren.“ Gedacht, getan. „Damals haben wir die Hühnereier noch selber gekocht und gefärbt. Ganze 60 waren es 1990. Zwei Jahre später schon 250, im Jahr 2005 mehr als 5000. Und 2016 stolze 12.250“, rekapituliert der 64-Jährige.

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Das Ostereierschießen – es entwickelte sich und mit ihm die Zahl seiner Anhänger. Längst werden die Hühnereier im Großhandel gekauft. Hart gekocht und bunt gefärbt. Und auch Ostern 2019 stapelten sich im Schützenhaus meterhohe Paletten mit Eiern in allen Regenbogenfarben.

Auf die besten Schützen wartet ein Straußenei

Um an die Objekte der Begierde zu kommen, ist am Schießstand in der Kiebitzstraße am Karsamstag Schlangestehen angesagt. Zu den Schützen gehen macht offenbar mehr Spaß als Eier kaufen. Fünf Schuss kosten 1,50 Euro. Aus vier Metern Entfernung wird mit dem Luftgewehr oder mit der Luftpistole aufs Schwarze gezielt. Jeder Treffer bringt ein Osterei. Die besten Schützen des Tages dürfen sich sogar über den Hauptpreis, ein Straußenei, freuen.

Doch Zielen ist die eine Seite der Medaille, Treffen die andere. Letzteres ist vor allem eine Frage der Konzentration. Das wissen auch Lara (13) und Maria-Katharina (19). Die beiden gehören zu den jüngeren Mitgliedern im Theklaer Schützenverein. „Seitdem ich dabei bin, kann ich mich besser konzentrieren“, berichtet Maria-Katharina Ressel. Die Eutritzscherin möchte später einmal Altenpflegerin werden, ist durch einen Kumpel zum Schießen gekommen. „Erst hatte ich Angst“, bekennt sie.

Dieser Sport fördert das Konzentrationsvermögen

Dass dieser Sport das Konzentrationsvermögen fördert und hilft, nach einem anspruchsvollen Arbeitstag zur inneren Ruhe zu kommen, schätzt auch Ärztin Ute Mühlmann (61). „Wir kommen regelmäßig zum Ostereierschießen“, teilt sie mit. Nach ein paar Treffern sitzt sie im Freigelände und genießt gemeinsam mit Sohn Alexander den sonnigen Tag. Andere Gäste besuchen zum ersten Mal die Anlage nahe dem Theklaer Bagger.

Beim Rundgang mit dem Vereinsvorsitzendem gibt’s einiges zu bestaunen: „Alles, was Sie hier sehen, haben mehr als 120 Mitglieder selbst gebaut. Entstanden ist es aus einer alten Turnhalle“, weist Köth auf das stattliche Schützenhaus hin. Dann deutet der Möckerner auf die zahlreichen Pokale und Urkunden, die von Siegen oder vorderen Platzierungen bei Meisterschaften künden. Entdeckungen, etwa eine historische Schießscheibe, hält eine kleine Schau über das Schützenwesen bereit. „Ein sächsisches Schützenmuseum ist im Entstehen – im August wollen wir eröffnen“, kündigt Vereinschef Köth voller Vorfreude an.

Doch erst mal gilt es, einen Rekord zu feiern: 13.800 bunte Eier sind beim diesjährigen Ostereierschießen weggegangen! Was passiert mit den bunten Teilen? „Die werden versteckt und Ostern verlängert“, lässt ein Spaßvogel mit etlichen Packungen unterm Arm wissen.

Von Ingrid Hildebrandt