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Lokales Geschafft: Straßenbahn-Fan aus Wien fährt alle Leipziger Linien an einem Tag
Leipzig Lokales Geschafft: Straßenbahn-Fan aus Wien fährt alle Leipziger Linien an einem Tag
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12:41 31.12.2019
Andreas W. Dick (51) aus Wien will am 30. Dezember 2019 das komplette LVB-Straßenbahnnetz befahren. Quelle: Kerstin Decker
Leipzig

Er fährt und fährt und fährt... aber ob Andreas W. Dick in Leipzig ein Happy End einfährt, bleibt lange ungewiss. Verrücktes Vorhaben des Österreichers: An einem Tag will er das gesamte Straßenbahnnetz der Leipziger Verkehrsbetriebe abfahren. „Überall, wo man mit der Leipziger Straßenbahn hinfahren kann, will ich einmal gewesen sein“, so der 51-jährige Motorjournalist aus Wien. Leipzig ist die 17. Stadt, in der er einen solchen Streckenrekord in Angriff nimmt – angefangen hat er mit diesem Hobby 2008 in Wien.

Zuerst geht’s nach Schkeuditz

Vielleicht hätte Dick für Leipzig früher aufstehen müssen. Denn das Straßenbahnnetz ist laaang, das zweitlängste in Deutschland (nach Berlin). 13 Linien, 146 Kilometer und 522 Haltestellen. Es ist schon 9.16 Uhr, als der Österreicher am Montag am Hauptbahnhof startet und in die Linie 11 nach Schkeuditz einsteigt. Damit es ihm nicht langweilig wird, hat er einen Begleiter dabei, Lkw-Journalist Gerlach Fronemann (74), der seit zwei Jahren in Leipzig lebt. Die beiden Männer haben schon einen Straßenbahn-Rekord aufgestellt, 2017 in Frankreich von Strasbourg nach Kehl.

Wiener Journalist will an einem Tag das gesamte LVB-Bahn-Netz befahren

LVB-Geschäftsführer steigt ein

Auf der Rückfahrt aus Schkeuditz steigt LVB-Geschäftsführer Ronald Juhrs zu und begleitet die Marathon-Männer in der Linie 4 bis nach Gohlis. Er hat’s in der LVZ gelesen und über die Leitstelle erfragt, wo Dick und Fronemann gerade stecken. Das gibt neuen Gesprächsstoff – unter anderem über die verschiedenen Bahntypen, die in Leipzig im Einsatz sind. Auf der Facebookseite der LVB ploppen unterdessen Tipps der Nutzer hoch, ob Dick sein Vorhaben an einem Tag schafft oder nicht.

Rentnerin: „Sie schaffen das“

Es ist mittags halb eins, als der Wiener mit der Linie 7 die Endstelle Sommerfeld erreicht – gerade mal Position 5 von 34 auf seiner Liste. „Ich hab’ mich etwas verschätzt“, gibt er zu. „Ach, Sie schaffen das schon. Aber es wird dauern“, spricht ihm eine Mitreisende Mut zu. Maria Winterstein (79) aus Sellerhausen hat den Artikel in der LVZ ebenfalls gründlich gelesen – und trifft nun den Abenteurer sogar persönlich. „Ich habe mir schon überlegt, ob ich das auch mal mache“, verrät sie.

Ausgeklügelter Plan

Der Mann mit dem lustigen Smiley-Kopftuch hat einen ausgeklügelten Umsteigeplan ausgearbeitet. Darauf trägt er alle Zeiten ein. Manchmal muss er die nächste Haltestelle erst suchen, oder es dauert eine Viertelstunde, bis der Anschluss kommt. Oder es gibt auch mal ein technisches Problem in der Bahn. Das alles sorgt für Verzögerungen. Von Sommerfeld geht es nach Taucha, von Taucha über den Torgauer Platz nach Mockau, von Mockau nach Thekla, von Thekla nach Connewitz und Markkleeberg, und so weiter. In seinem Rucksack hat der Bahnverrückte Verpflegung dabei, und für gewisse Bedürfnisse setzt er darauf, dass es an den Endstellen Toiletten gibt.

Lange Kanten stehen noch aus

Um 16.30 Uhr sitzt Andreas W. Dick in der Linie 16 von Lößnig zur Neuen Messe – Position 14 von 34 auf seiner Liste. „Alles im grünen Bereich“, versichert der Ortsfremde. Als Motorjournalist für Lkw und Autobusse hat er Leipzig schon zweimal kurz zu Fahrzeugpremieren besucht. Es dürfte ihm aber nicht bewusst sein, dass er noch so elend lange Kanten wie nach Meusdorf, Lausen, Knautkleeberg oder Miltitz vor sich hat. Er schaut sich die Gegend an, bewundert unterwegs die schöne Architektur, beantwortet per Smartphone Medienanfragen, postet Fotos, gibt Interviews, plaudert mit Fahrgästen, die ihn erkannt haben. Doch die Zeit läuft davon.

Mitfahrer helfen mit

Mit der Linie 16 an der Deutschen Nationalbibliothek angekommen, steigt eine Leipziger Gästeführerin zu, die von der Bahnfahr-Idee ebenfalls begeistert ist. Sie wird Dick bis zum Ende begleiten und ihm viel Wissenswertes über Leipzig erzählen. Dafür verabschiedet sich nun bald Begleiter Gerlach Fronemann, da er am Abend Konzertkarten fürs Gewandhaus hat. Zu späterer Stunde steigt noch ein Banker zu, der sich per Whatsapp gemeldet hat. Er lebt seit 28 Jahren in Leipzig und ist großer Straßenbahn- und Eisenbahnfan.

Plötzlich reicht die Zeit doch

Gemeinsam und mit Hilfe der LVB-App fischen sie einige Dopplungen aus Dicks Tourenplan heraus und finden die besten Umsteigemöglichkeiten. Dadurch kann der Rekordjäger viel Zeit aufholen. Und plötzlich ist es geschafft: Um 22.39 Uhr steht er in Böhlitz-Ehrenberg und kann das gesamte Liniennetz abhaken. Von da muss er nur noch zurück bis zum Hauptbahnhof. 13 Stunden und 23 Minuten hat die ganze Aktion gedauert. „Das war mein bisher längstes Projekt. Es hat sich ausgezahlt, nach Leipzig zu kommen“, freut er sich.

Am Silvestertag geht es für ihn nach Wien zurück. Andreas W. Dick hatte diesmal mehr Zeit für Leipzig. Er war schon am Sonnabend angereist, hatte eine Stadtführung mitgemacht, die Passagen und Gründerzeitbauten bestaunt. Und er hat in der Mädler-Passage dem Faust über den Schuh gerieben. Das bewirkt ja bekanntlich, dass man Glück hat. Oder dass man noch mal nach Leipzig kommt...

Von Kerstin Decker

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