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Lokales Rektorwahlkampf an der Uni Leipzig: Konkurrent von Schücking schaltet sich per Skype ein
Leipzig Lokales Rektorwahlkampf an der Uni Leipzig: Konkurrent von Schücking schaltet sich per Skype ein
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23:00 29.01.2017
Amtsinhaberin Beate Schücking warb bei der Kandidatenvorstellung für den Rektorposten an der Leipzgier Uni intensiv für ihre Wiederwahl. Quelle: André Kempner
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LEIPZIG


Zwei Stunden waren für die Veranstaltung angesetzt: Exakt getaktet, standen Palmowski und Schücking jeweils 25 Minuten für Statements und 35 Minuten zum Beantworten von Fragen zu. Beifall dafür, dass sie ins Wahlkampfrennen gegangen sind, und Dank für ihre von intensiver Vorbereitung zeugenden Auftritte gab es letztlich für beide. Palmowski übernahm den ersten Part und bat bei der Videoschaltung um Verständnis, dass er aufgrund seiner aktuellen familiären Umstände nicht anreisen konnte: „Es tut mit sehr leid und ich weiß, dass eine solche Form einer Präsentation aus der Ferne alles andere als ideal ist.“ Das ändere aber nichts an seiner ambitionierten Anwartschaft für den Rektorposten an der „traditionsreichen und prägnanten“ Leipziger Uni. Im Falle seiner Wahl werde er alles daran setzen, deren nationale und internationale Sichtbarkeit weiter zu erhöhen und dabei seinen auch hochschulpolitisch reichen Erfahrungsschatz einbringen. Als wichtige Aufgaben nannte er unter anderem starke Anträge für die Bundes-Exzellenzinitiative und die großen von der Europäischen Union aufgelegten Wissenschaftsprogramme sowie die Forcierung von Kooperationen mit Forschungspartnern. Für die 14 Fakultäten sei Strategiefähigkeit wichtig, in der Lehre könne er sich mehr interdisziplinäre Module vorstellen. „Ich will Impulse für neue Formate geben.“ Er verstehe die Uni als Gemeinwesen mit sehr viel Potenzial, auch um sogenannten postfaktischen Antworten fundiert etwas entgegenzusetzen.

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Der Name Schücking fiel bei der Skype-Übertragung nicht – und auch die 61-Jährige Amtsinhaberin vermied bei ihrem Auftritt in freier Rede die Namensnennung des Konkurrenten. „Die Universität ist mir ans Herz gewachsen“, sagte Schücking, die seit 2011 als erste Frau in der Geschichte der Uni an ihrer Spitze steht. Wenn sie das Vertrauen wieder ausgesprochen bekomme, wolle sie den erfolgreichen Kurs fortführen, dessen Eckpfeiler profilierte Spitzenforschung, Nachwuchsförderung, Internationalisierung, Innovationskultur und eine durch den Qualitätspakt flankierte Lehre seien. Nachdem der Stellenabbau gestoppt wäre und es nun Planungssicherheit gebe, erweitere sich der Gestaltungsspielraum. Dank vereinter Anstrengen sei es trotz der vom Land verordneten massiven Personalkürzungen etwa gelungen, im Förderranking der deutschen Forschungsgemeinschaft einen Sprung nach vorne zu machen. Eine solide Basis für die Zukunft sei gelegt, „die Ernte nach dem Überschreiten des Gebirges“ könne eingefahren werden. Als Beispiele nannte sie die anstehende Erweiterung der Juristenausbildung, den neu zu formierenden Pharmaziestudiengang und die Dynamik bei der Bewerbung um Forschungscluster beim Exzellenz-Wettbewerb. Mit Blick auf die Infrastruktur verwies Schücking auf das entstehende bildungswissenschaftliche Zentrum und den avisierten Neubau für das Biodiversitäts-Forschungszentrum.

Am Dienstag obliegt die Wahl dem erweiterten Senat mit seinen fast 82 Mitgliedern. Bis zur nun anstehenden Entscheidung hatte es zwei Anläufe mit vielen Turbulenzen und Gremienkämpfen gegeben. Wie berichtet, war die erste Runde – bei der Schücking nicht nominiert worden war – gescheitert, als die zwei vorgeschlagenen externen Kandidaten Ende 2015 entnervt das Handtuch warfen. Beim aktuellen Wahlverfahren hatte es mit Enrico Schleiff (45) aus Frankfurt/Main noch einen dritten gelisteten Bewerber gegeben. Der Bio-Professor zog aber Mitte Januar seine Kandidatur zurück – aus „persönlichen Gründen“.

Kurzporträt Jan Palmowski (48)

Geboren in Lingen im Emsland, ging Palmowski schon in jungen Jahren nach England und hat sowohl die britische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Er studierte Geschichte und Wirtschaftswissenschaften in York, promovierte 1995 in Oxford und war später am namhaften Kings College in London auch als Dekan aktiv. Seit 2013 hat er in Warwick den Lehrstuhl für neuere Geschichte inne. Zudem agiert er als Vizepräsident an seiner Uni und als Generalsekretär der Vereinigung europäischer Forschungsuniversitäten, die ihren Sitz in Brüssel hat und der 18 Hochschulen angehören.

Zur Ausübung dieser Funktion ist er seit Juni 2015 teilweise von seinen Aufgaben in Warwick freigestellt. Außerdem gehörte er schon der Kommission für die Exzellenzinitiative in der Bundesrepublik und der Strukturkommission des Wissenschaftsrates an. Der Gelehrte ist gerade Vater eines Sohnes geworden. 2015 brachte der Historiker beim Christoph Links Verlag das Buch „Die Erfindung der sozialistischen Nation – Heimat und Politik im DDR-Alltag“ heraus.

Kurzporträt Beate Schücking (61)

Sie stammt aus Kassel, studierte Medizin an der Universität in Ulm und Philosophie in Marburg. Studienaufenthalte absolvierte sie in New York und Paris. 1980 erfolgte ihre Promotion, 1983 die Berufung zur Professorin für Medizin an die Fachhochschule München. 1995 wechselte die Psychotherapeutin und Fachärztin für Allgemeinmedizin an die Uni in Osnabrück, wo sie den Lehrstuhl für Gesundheits- und Krankenlehre übernahm. Dort wirkte sie auch als Dekanin und dann als Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung.

2010 trat Schücking bei der Wahl für das Rektorenamt an der Uni Leipzig gegen Professorin Sabine Kunst von der Uni Potsdam an und konnte sich beim Votum des erweiterten Senates klar gegen Kunst durchsetzen. Am
1. März 2011 übernahm sie das Spitzenamt an der Alma mater und später auch den Vorsitz von Sachsens Landesrektorenkonferenz. Mit der Bewerbung um das Amt der Vizepräsidentin der deutschen Hochschulrektorenkonferenz scheiterte die Mutter eines erwachsenen Sohnes aber 2013.

Von Mario Beck

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