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Lokales Renaissance für serielles Bauen in Leipzig
Leipzig Lokales Renaissance für serielles Bauen in Leipzig
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00:19 05.01.2018
Am Unternehmenssitz in Bochum hat Vonovia bereits 2016 die ersten Wohnungen in serieller Bauweise errichtet.  Quelle: Foto: Simon Bierwald
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Leipzig

 Deutschlands größter Vermieter Vonovia steigt in Leipzig in den seriellen Wohnungsbau ein. Auf einer Freifläche an der Maria-Grollmuß-Straße in Gohlis-Nord soll schon bald ein erstes Haus mit etwa 80 Wohnungen entstehen, das aus vorgefertigten Modulen zusammengesetzt wird. Das erklärte Vonovia-Sprecherin Bettina Benner gegenüber der LVZ.

„90 Prozent der Bauteile sind dabei vorgefertigt“, erläuterte sie. „2016 hatten wir bereits ein Pilotprojekt an unserem Unternehmenssitz in Bochum mit 14 Wohnungen fertiggestellt. Die Bauzeit betrug dort nur drei Monate, was natürlich weniger Stress durch Lärm oder Fahrzeuge für die Nachbarn bedeutet.“ Ein weiterer Vorteil seien die vergleichsweise niedrigen Baukosten. Sie sollen für das Projekt in Gohlis bei 1800 Euro pro Quadratmeter liegen. In klassischer Weise – also Stein auf Stein – erstellte Häuser schlagen hingegen meist mit 2200 bis 2800 Euro pro Quadratmeter zu Buche: abhängig von den Grundstückspreisen. In Sachen Wärmedämmung, Brand- oder Schallschutz erfüllen beide Systeme die Vorschriften gleich gut.

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In den letzten 25 Jahren habe der serielle Wohnungsbau trotzdem nur eine untergeordnete Rolle in Deutschland gespielt, weiß Christian Halpick. „In den großen Plattenbau-Siedlungen im Osten gab es lange hohe Leerstände. Auch viele ähnliche Wohngebiete der Neuen Heimat im Westen brachten soziale Problemlagen mit sich. Deshalb traute sich kaum noch jemand an das Thema ran.“ Dies ändere sich aber gerade, weil der zunehmende Wohnungsmangel in den Metropolen nach schnellen und preisgünstigen Lösungen verlange. Auch spreche sich gerade herum, dass serielles Bauen heute weit mehr Möglichkeiten biete als nur eine „Platte 2.0“.

Halpick ist Projektentwickler bei Fuchs & Söhne, einem familiengeführten Baukonzern aus dem bayerischen Berching, der gerade ein Büro in Leipzig eröffnet hat. „Aktuell prüfen wir den Erwerb von drei Grundstücken, die eher am Rand des Stadtgebiets liegen. Wir möchten in Leipzig mehrere Wohnanlagen in Serie bauen.“ Mit fünf eigenen Fertigteil-Betonwerken habe Fuchs & Söhne hervorragende Voraussetzungen dafür. „Das Problem ist eher, geeignete Grundstücke zu finden. Wenn der Quadratmeter Land an die 1000 Euro kostet, sind auch mit vorgefertigten Modulen keine Kaltmieten von sechs oder sieben Euro realisierbar“, erläutert er.

Bedenken, mit den Häusern nach dem Baukasten- oder Playmobil-Prinzip lasse sich keine gute Architektur schaffen, weist selbst das Bundesbauministerium zurück. In den Niederlanden oder Großbritannien, wo das serielle Bauen schon länger Konjunktur hat, ließen sich viele gelungene, auf den jeweiligen Standort angepasste Gebäude besichtigen. Außerdem gehe der Trend dazu, nur einzelne Elemente – wie vorgefertigte Badzellen für Mikroapartments – zu verwenden. Das Bundesministerium hat gemeinsam mit großen Wohnungsunternehmen ein Forschungsprojekt gestartet, um die Kosten für serielles Bauen in Richtung 1000 Euro pro Quadratmeter absenken zu können.

Über 70 verschiedene Fenster-Formen lassen sich bereits heute in Betonfertigteil-Wände einsetzen, so Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG-Gruppe. „In der Automobil-Produktion werden ganz unterschiedliche Modelle am Fließband hergestellt. Warum sollte das bei Häusern nicht möglich sein?“ Bekanntlich will die aus Leipzig stammende CG-Gruppe bald Tausende neue Wohnungen auf dem Gelände des früheren Freiladebahnhofs in Eutritzsch schaffen. Auch dort dürfte serielles Bauen eine wichtige Rolle spielen. In Thüringen lässt der bundesweit aktive Projektentwickler gegenwärtig extra ein Betonfertigteil-Werk bauen.

Eher ungeeignet sei die besonders kostengünstige Methode freilich für Lückenschlüsse in historischen Altstädten, erläuterte Bettina Benner von Vonovia. Durch die Übernahme der Firma Conwert verfüge Vonovia nun in Leipzig über rund 6500 Wohnungen. „80 Prozent davon stehen unter Denkmalschutz.“ Schon im ersten Quartal 2018 wolle der Großvermieter aus Bochum sein erstes Neubauprojekt an der Pleiße starten. In der Ritterstraße 15 (auf einer Baulücke direkt neben dem Polizeirevier Mitte) entstehen dabei 24 Wohnungen sowie eine Ladenfläche – dies jedoch in klassischer Bauweise Stein auf Stein.

Von Jens Rometsch

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