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Lokales Revolutionale bei Karstadt: Bürger und Politiker im Gespräch
Leipzig Lokales Revolutionale bei Karstadt: Bürger und Politiker im Gespräch
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17:09 06.10.2019
Gesprächsangebote am Karstadt in der City: Um mit Passanten ins Gespräch zu kommen, hatten die Organisatoren der Revolutionale Themen-Vorschläge mit roten Zetteln an die Schaufenster geklebt. Wer wollte, konnte mit Stadtpolitikern aber auch über andere Dinge reden. Nicht wenige nutzten das Angebot. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Viele Passanten schauten verdutzt, als sie am Sonnabend beim Shoppen in der City wieder Leben im Karstadt-Kaufhaus entdeckten: Hinter den Schaufenstern waren Künstler in Aktion und neben dem Eingang Petersstraße ein „Raum des Austauschs“ eingerichtet worden. Wer wollte, konnte dort mit Politikern reden, sich beim Thema Klima-Rettung einbringen oder Autoren zuhören, die in Büchern den Zustand der Gesellschaft sezierten. Nicht wenige nahmen das Angebot an.

Witz und Humor gegen Spannungen

„Kommen sie rein, es gibt Kaffee und Kuchen“, rief Kabarettist Meigl Hoffmann am Karstadt-Eingang Zögernden zu. Hofmann trug einen Kellner-Anzug und servierte tatsächlich Kaffe und Kuchen. Denn er gehörte zu den Mitstreitern von Karen Laube, die ein Blind-Date-Café mit Politikern organisiert hatte, um die Ideen der Friedlichen Revolution aufzugreifen. „Die Leute sollen wieder miteinander ins Gespräch kommen“, erklärte die studierte Grafikdesignerin Laube. „Die Besucher werden von uns mit einem Politiker zusammengebracht, den wir auswählen – deshalb Blind Date.“ Wenn dabei die Emotionen unerwartet hoch schlagen, sollte Meigl Hoffmann Spannungen mit Witz und Humor lösen.

Im Blind-Date-Café waren ein halbes Dutzend Tische für Gespräche aufgebaut. An ihnen saßen die beiden Grünen-Fraktionschefs Katharina Krefft und Tobias Peter, Stadtrat Volker Külow (Linke) und Stadtrat Christopher Zenker (SPD) – CDU, FDP und AfD waren nicht vertreten. „Wir haben die AfD nicht eingeladen, weil sie aus unserer Sicht nicht auf dem Boden unserer demokratischen Grundordnung steht“, so Laube. CDU und FDP hätten mit der Begründung abgesagt, dass die Einladung zu kurzfristig erfolgt sei.

Transparenz contra Misstrauen

Von SPD-Stadtrat Zenker wollten Besucher wissen, wie lange er Leipzigs Stadtverdichtung für verträglich hält. „Solange, bis die Mietkosten nicht mehr mit der Gehaltsentwicklung schritthalten“, entgegnete der Stadtpolitiker. „Wenn wir weiter wachsen wollen, müssen wir deshalb die großen Wohnbaugebiete realisieren, und zwar mit einem möglichst großen Anteil an Sozialwohnungen.“

Von Katharina Krefft forderten Gesprächspartner, bei öffentlichen Äußerungen von Rechten stärker einen „Grundrespekt“ einzufordern. Denn aggressiven Worten würden Taten folgen, hieß es. Krefft sprach von einem „Misstrauen gegenüber Verwaltungen und Ministerien“, weil diese schwer zu kontrollieren seien und Strukturen besäßen, die mit der Dynamik der gesellschaftlichen Veränderungen nicht Schritt halten. „Es wird immer mehr ausgegrenzt; und es gibt immer weniger Orte, an denen man Argumente austauschen kann“, beklagte die Grüne. Leipzig benötige in seiner Innenstadt deshalb „mehr öffentliche und nicht-kommerzielle Räume“, in denen über Kommunalpolitik gesprochen werden kann.

„Ihr müsst mehr zuhören“

Als Krefft sprach, ging „Kellner“ Meigl Hofmann gerade wieder auf einen Besucher zu, der zögernd am Eingang stand und platzierte ihn am Tisch von Volker Külow. „Ihr müsst mehr zuhören“, forderte der Besucher dort. „In diesem Land wird schon seit fünf bis sieben Jahren nicht mehr auf die Bürger gehört.“ Stattdessen werde „zu viel über Migration und Umwelt geredet“ und zu wenig über Wirtschaft. Deshalb würden kleine Leute wie er von der Wirtschaft behandelt als wären sie nichts. „Wir müssen für anständige Arbeit auch anständiges Geld bekommen“, forderte der Hartz-IV-Empfänger, der lange als Leiharbeiter unterwegs war. Der Mann äußerte sich auch sehr kritisch über Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Sie haben recht“, antwortete der Linken-Politiker. Er werde jetzt dafür sorgen, dass ein linker Bundestagsabgeordneter an einen Konzernchef schreibt, von dem der Besucher noch 375 Euro fordert.

Reden entschärft den Hass

Nach zwei Stunden Diskussion traten im Karstadt die „Zeit“-Journalisten Christian Fuchs und Bastian Berbner auf. Beide haben untersucht, wie in Deutschland Hass entsteht und was dagegen getan werden kann. Ihr Fazit nach weiteren zwei Stunden Diskussion: Zufriedene und Unzufriedene müssen mehr aufeinander zugehen – auch wenn einem die Meinung des anderen nicht passt. Das lasse den Hass verschwinden und schärfe den Blick auf die Realität.

Von Andreas Tappert

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