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Lokales Stützen in Leipziger Messehalle 15 fallen
Leipzig Lokales Stützen in Leipziger Messehalle 15 fallen
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06:00 30.06.2018
Als Richtfest-Zeremonie wurde eine der später eingebauten und nicht denkmalgerechten Pendelstützen in der riesigen Ausstellungshalle wieder entfernt. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Es ist immer noch unglaublich, dass die weltweit größte, stützenfreie Ausstellungshalle in lediglich zwei Monaten in Leipzig errichtet worden war. Von Anfang Januar bis zum Beginn der Frühjahrsmesse am 4. März 1928 wirbelten dafür bis zu 330 Arbeiter Tag und Nacht. Atemberaubend wirkt die so entstandene Halle 15 auf der Alten Messe nach wie vor. Das wurde am Dienstag zum Richtfest für ein neues Zweiradcenter der Regensburger Firma Stadler klar.

Pendelstützen werden entfernt

Für die traditionelle Zeremonie hatten sich die Firmen und Bauherren um Stadler-Geschäftsführerin Caroline Elleke was Besonderes ausgedacht. Derzeit werden nämlich die acht Pendelstützen, die in den Fünfzigerjahren in den 21 Meter hohen Hallenraum eingebaut wurden und dort die freie Sicht einschränkten, wieder entfernt. Wie das geschieht, demonstrierten die Bauleute um Polier Gert Gäbisch, indem sie eine Stahlstütze vor den Augen der Gäste per Schweißgerät durchtrennten – und an einem Kranhaken sanft zu Boden gleiten ließen.

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Architekt warb für historisches Original

Drei absolute Profis hätten sie überzeugt, dass der Verzicht auf die Stützen technisch machbar ist, erklärte Elleke von einer Hebebühne herab: der Architekt Jost Westphal, der Statiker Jens Ritter von der pb+ Ingenieurgruppe sowie Reinhard Wölpert, Chef der städtischen Entwicklungsgesellschaft LEVG, die das Messeareal vermarktet. Im Ergebnis könnten die Besucher des künftigen Fahrrad-Marktes wieder den historischen Raumeindruck genießen, der vor 90 Jahren für Automobil- und Nutzfahrzeug-Ausstellungen vorgesehen war.

Nur ein Pavillon wurde geborgen

Damals maß die Halle noch 140 mal 100 Meter. Eine stützenfreie Spannweite dieser Größe war zuvor noch nirgendwo auf der Welt erreicht worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk jedoch so stark zerstört, dass später nur reichlich die Hälfte wieder aufgebaut werden konnte: etwa 90 mal 100 Meter. Dies erklärt auch den weiten Vorplatz an der Straße des 18. Oktober. Er wird mit Bäumen bepflanzt, dient künftig zum Parken und für Veranstaltungen. Einen der deutsch-deutschen Pavillons, die dort bisher standen, hat nach LVZ-Informationen ein Künstler abgebaut, um ihn an einem anderen Ort später wieder auferstehen zu lassen.

Auch Café und Kinderspielplatz

Die denkmalgerechte Sanierung der Halle kostet „mindestens 50 Prozent mehr als ein Neubau“, erläuterte Elleke, die von ihrem Vater Helmut Stadler (76) begleitet wurde. Er hatte einst die Idee einer „ständigen Fahrradmesse“ mit riesiger Auswahl für die mittlerweile 18 Filialen des Familienunternehmens in Deutschland entwickelt. Die Leipziger Filiale soll im Frühjahr 2019 mit rund 100 Mitarbeitern an den Start gehen. Neben der Verkaufsfläche auf 6000 Quadratmetern finden sich dann ein Lager, eine Fahrrad-Teststrecke, ein auch von außen zugängliches Café sowie ein Kinderspielplatz in der Halle 15, die allein durch eine Fußbodenheizung temperiert wird.

Von Jens Rometsch