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Lokales Roller Derby in Leipzig: Stärke, ohne männlich zu sein
Leipzig Lokales Roller Derby in Leipzig: Stärke, ohne männlich zu sein
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16:00 28.11.2017
Die Frauen der Roller-Derby-Mannschaft Riot Rocketz Leipzig trainieren in der Turnhalle der August-Bebel-Schule.  Quelle: Theresa Held
Leipzig

 Jule Würzebesser lehnt sich von hinten über Sophie Laube. Die drückt sie mit aller Kraft weg, wackelt mit ihrer Hüfte, schiebt sich rückwärts durch die Turnhalle der August-Bebel-Schule. An ihren Füßen: Rollschuhe. Seit vier Jahren trainieren die Freundinnen zusammen in der Leipziger Roller-Derby-Mannschaft Riot Rocketz. „Ein großer Hintern ist gut, da kommt die Jammerin nicht so leicht an dir vorbei“, erklärt Laube. Würzebesser heißt bei ihren Teamkolleginnen „Fräulein Keule“ und Laube nennt sich „So FearlAss“. Auf dem ovalen Spielfeld nennen sich die Spielerinnen nur bei ihrem Derby-Namen.

Zusammenspiel aus Kraft, Ausdauer und Taktik

Beim Roller Derby versucht der Jammer des einen Teams den des anderen zu überholen. Je vier Blocker wollen den gegnerischen Jammer mit viel Körpereinsatz am Überholen hindern. Denn: Für jeden überholten Gegner bekommt das Team des Jammers einen Punkt. „Dabei bringt es dir nichts, wenn du total fit bist oder super skaten kannst“, weiß Laube. Die 29-Jährige mag das Zusammenspiel aus Kraft, Ausdauer und Taktik, das beim Roller Derby unerlässlich ist.

Die Skater tragen Knie-, Ellenbogen- und Handgelenk-Schoner. Helme und Mundschutz beugen schlimmeren Verletzungen vor. Sophie brach sich in ihrem ersten Jahr auf Rollschuhen das Steißbein, danach den Ellenbogen. Trotzdem steht sie noch gern auf dem „Track“, der ovalen Fläche, auf der die Rennen stattfinden.

Der Sport, bei dem sich die Frauen gegeneinander schieben und rammen, erinnert ein bisschen an Rugby. Anders als in einem durchschnittlichen Rugby-Team gibt es im Leipziger Roller-Derby-Team aber nur zwei Männer. Der Sport gilt als feministisch, trotzdem dürfen Männer mitspielen.

Roller Derby kommt aus den USA. Bereits in den 1920er Jahren Frauen mit. In den 1990er Jahren belebte die feministische Punkbewegung „Riot Grrrl“ den Sport neu. Der Film „Roller Girl“ mit Ellen Page machte ihn noch bekannter. „Beim Roller Derby steht Körpergefühl und Stärke im Mittelpunkt, ohne den Aufdruck, dass das männlich ist“, sagt Laube. Der Angestellten wurde als Kind verboten, Judo zu trainieren. Der Grund: Das sei kein Sport für Mädchen.

Anders als die meisten Sportarten sei Roller Derby nicht von Männern dominiert, sagt Jule Würzebesser. Hinter Roller Derby habe noch nie eine größere Institution gestanden, betont Laube. Sogar die Bundesliga wird von den deutschen Mannschaften selbst organisiert, Hierarchien gibt es nicht. In Leipzig organisieren die Skater das Training selbst, auch wenn sie seit Jahresanfang zum Roten Stern Leipzig gehören. Einmal im Monat gibt es ein Plenum. Jedes Mitglied engagiert sich neben dem eigentlichen Sport in einer Arbeitsgemeinschaft: Sie sind Schiedsrichter, kümmern sich um Öffentlichkeitsarbeit und Finanzen. Neuerdings verkaufen die Spielerinnen bei Spielen sogar Schlüpfer und Beutel mit dem Aufdruck ihres Derby-Teams Riot Rocketz. Alle vier Monate werden vier neue Übungsleiterinnen bestimmt, die in der Zeit das Training gestalten.

Enger Zusammenhalt im Roller-Derby-Team

Dreimal pro Woche trainieren die rund 60 Skater in Leipzig. Seit einem Jahr treten sie in der dritten Bundesliga gegen andere deutsche Vereine an, nach ihrer ersten Saison stehen sie auf Platz zwei von fünf. Auch neben den offiziellen Bouts, also Punktrennen, stehen sie in der Bahn. Bald fahren die Rollschuhfahrer nach Prag, wo ein Freundschaftsspiel in Weihnachtsmannkostümen stattfindet. „Ich habe auch mal bei einem Team in Japan mitgespielt“, erzählt Würzebesser. Die Studentin mag besonders das Gemeinschaftsgefühl der Skater. Die 23-Jährige wohnt sogar mit zwei Teamkolleginnen zusammen, eine davon ist ihre Schwester Emma Würzebesser.

Die jüngere Schwester mit dem Derby-Namen „Mc Hemma“ trainiert am Donnerstag sieben Frauen. Sie gleiten durch die Halle im Osten Leipzigs, es ist FLTI-Training. Das ist ein Training speziell für Frauen und Transgender-Menschen. „Der Körperkontakt kann unangenehm sein, manche Frauen mögen das nicht“, erklärt Jule. Damit jede mitspielen kann, dürfen bei der Hälfte der Trainings keine sogenannten Biomänner, also heterosexuelle Männer, anwesend sein.

Aufnahmestopp bei Roller-Derby-Mannschaft

Eben wegen des immer akzeptierteren Feminismus´, aber auch, weil das Rollschuh-Fahren einfach Spaß macht, wollen immer mehr Frauen bei den Riot Rocketz mitspielen, vermutet Würzebesser. „Wir mussten einen Aufnahmestopp machen“, es seien einfach zu viele Neue ins Einsteiger-Training gekommen, erzählt Laube. Die Neuen lernen zunächst grundlegende Fertigkeiten wie Bremsen, Fallen und wie man den Gegnern einen Stoß verpasst. Danach legen sie einen kleinen Test ab und dürfen bei Wettkämpfen teilnehmen.

Von Theresa Held

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