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Lokales Rund 500 Demonstranten beim Protest gegen Rechts
Leipzig Lokales Rund 500 Demonstranten beim Protest gegen Rechts
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13:37 16.06.2019
Der Auftakt: Die Anti-Nazi-Demo setzt sich am Willy-Brandt-Platz in Bewegung. Quelle: Foto: Christian Modla
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Leipzig

Demonstranten brauchten am brüllend heißen Samstag eine gute Ausstattung, um ihr Vorhaben durchzuziehen. Vor allem Wasser, Sonnenschutz und Überzeugung. Denn sieben Kilometer ist eine ungewöhnliche lange Strecke für einen Marsch, nicht zuletzt bei schattenlosen 30 Grad. Das Ladenschluss-Bündnis hatte aufgerufen, um sich vom Willy-Brandt-Platz bis nach Leipzig-Schönefeld gegen das Domizil einer Kampfsportgruppe auszusprechen, die der rechtsradikalen Szene zugeordnet wird.

Brisanz durch Attacke auf Mallorca

Im Gebäudekomplex an der Kamenzer Straße 10-12 ist seit 2017 das Zentrum der Kampfsportgruppe Imperium Fight Team ansässig, außerdem finden hier Konzerte statt, bei denen Rechtsrockbands wie 12 Golden Years auftreten. Aktuelle Nahrung erhält der Protest wegen der mutmaßlich rassistischen Attacke auf einen Senegalesen auf Mallorca vor einer Woche, nach der das Opfer notoperiert werden musste. Wie bekannt wurde, trainiert einer der beiden verhafteten Hooligans aus dem Leipziger Raum beim Imperium Fight Team. Gegen ihn wird wegen Landfriedensbruchs ermittelt; beide Männer wurden wegen des Verdachts auf versuchten Totschlags inhaftiert.

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Frauenaußenlager des KZ Buchenwald

Die Demo „Neonazi-Treffpunkt schließen! Einen Gedenkort schaffen“ fordert von der Stadt Leipzig, aktiv zu werden – gegen die weitere Nutzung des Eigentümers, der ebenfalls zur Neonazi-Szene gehören soll, und andererseits für das stetige Erinnern an eine ehemalige Funktion des Areals: Hier befand sich von 1944 bis 1945 das größte Frauenaußenlager des KZ Buchenwald. Der größte Teil der 5000 Häftlinge bestand aus deportierten Polinnen. Sie mussten Munition und Waffen für den Rüstungskonzern Hugo-Schneider-AG (HASAG) produzieren.

Negativ-Image des Freistaates

Die Demo-Route führte vom Willy-Brandt-Platz durch die Fußgängerzone der Grimmaischen Straße über Augustusplatz und Dresdner Straße. Zwischen 400 und 500 überwiegend junge Leute vor und hinter einem Lastwagen, auf dem unter anderem das wortspielerische „Fight Säxism“; eine Anspielung auf das wachsende Negativ-Image des Freistaats, mit dem man spätestens seit der Europawahl weniger die sächsische Gemütlich- und Pfiffigkeit als zunehmend den Rechtsruck assoziiert.

Forderung nach Schließung

Bei der ersten Zwischenkundgebung am Rabet in der Eisenbahnstraße werden Wasserflaschen aus dem Lkw spendiert, während ein Mitglied von Chronik LE die Entwicklung skizziert: „Die Naziszene institutionalisiert sich“, warnt der Sprecher der Gruppe, die faschistoide Gewalt dokumentiert. Unter anderem mit Plattenlabels, Bars, Konzerten und mit dem Kauf von Immobilien verbreiten Rechtsradikale ihre Plattform. „Es wird höchste Zeit, dass der Treffpunkt an der Kamenzer Straße geschlossen wird“, fordert er.

Lange Demo-Strecke

Die Route führt weiter über Hermann-Liebmannstraße, Stannebeinplatz, Bertolt-Brecht-Straße und Löbauer Straße. „Die lange Strecke ist schon eine Herausforderung“, bemerkt Linke-Stadträtin Juliane Nagel. Gegen 17 Uhr ist die Kamenzer Straße erreicht, wo erneut die Forderung nach Schließung durch die Lautsprecher gehen. Ein paar Leute werden im Gebäudekomplex gesichtet, doch eine direkte Konfrontation bleibt aus.

„Wir sind sehr zufrieden“

Der Aufzug endet an der Löbauer Straße. „Mit Verlauf und Zuspruch sind wir sehr zufrieden“, resümiert Luca Jamblowski, Sprecherin des Ladenschluss-Bündnisses. „In der nahen Zukunft ist es wichtig, dass wir noch stärker die bürgerliche Mitte erreichen, noch mehr Öffentlichkeit schaffen – und sich zum Anlass dieser Demo Behörden und Ämter positionieren“.

Von Mark Daniel