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Lokales Was aus dem Hype um die Leipziger Mere-Filiale geworden ist
Leipzig Lokales Was aus dem Hype um die Leipziger Mere-Filiale geworden ist
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14:48 27.09.2019
Der russische Supermarktdiscounter Mere bezreibt seit mehreren Monaten einen Markt im Leipziger Norden. Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig

Günstig. Günstiger. Mere-Markt. Ein Superlativ, den sich der russische Lebensmitteldiscounter gerne auf die Fahnen schreibt. Seit Beginn des Jahres verlassen in der Tauchaer Straße in Leipzig Portitz Tag für Tag zufriedene Schnäppchenjäger das Geschäft. Groß war damals die bundesweite Aufmerksamkeit für den neuen „Russen-Aldi“. Die Betreiberfirma und gleichzeitig Handelstochter der russischen Unternehmensgruppe Torgservis, TS-Markt GmbH, plante mit der Eröffnung des erstens Ladens schon weitere 100 Filialen in weiten Teilen Deutschlands. Inzwischen ist es ruhiger um den viel beschworenen Konkurrenten von Lidl, Aldi & Co. geworden. Auch der Alltag im Mere-Markt in Leipzig hat sich, nach den ersten Wochen Ausnahmezustand, normalisiert.

Die braunen Kacheln auf dem Boden machen den Anblick der vielen Paletten, Kartons und Folien nicht einladender. Nach dem Drehkreuz am Eingang stapeln sich auf der rechten Seite Fusselroller für 46 Cent, ein 10er Schwamm-Set für 30 Cent und diverse Größen Waschmittel. Einen Gang weiter stehen riesige Blechdosen mit fast zehn Kilogramm Sauerkraut auf einem Metallwagen – für 1,99 Euro. Auch in Sachen Größe und Menge lässt sich der Discounter nicht lumpen.

Nicht schön, sondern praktisch: Im Mere-Markt werden die Waren auf die Verkaufsfläche gefahren und so, wie sie sind, abgestellt. Quelle: Dirk Knofe

Kunden bemängeln Warenpräsentation

Der Mere-Markt beim Portitz-Treff befindet sich in bester Gesellschaft günstiger Einzelhändler. Dennoch schlendert an diesem grauen, nassen Vormittag der ein oder andere Skeptiker über den Parkplatz der Gewerbefläche. Sie mögen es günstig, „aber nicht so“, ist der Tenor. Ein Herr winkt auf Nachfrage vehement ab und bezeichnet die Produkte des russischen Discounters als „Mangelware“. Den Markt werde er mit Sicherheit nicht betreten, schließt er hastig an.

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Andere, wie Dieter Klotsch und seine Begleiterin, sind da etwas milder, auch wenn ihnen das Konzept nicht geheuer ist. „Wir sind zum ersten Mal heute hier. Wir waren neugierig“, erzählt der Tauchaer. Seine Begleiterin ergänzt schnell: „Aber das wird wohl das letzte Mal gewesen sein. Ist nicht wirklich schön, alles so aus dem Karton zu greifen.“ Der Discounter legt wenig Wert auf die Warenpräsentation. Alle Produkte sind noch in Kartons verpackt, die allenfalls notdürftig aufgerissen übereinander stehen – bereit für den schnellen Abverkauf. Der Einkaufswagen der beiden Leipziger ist trotzdem gut gefüllt. „Irgendwas findet man immer.“

Zugeschlagen, aber trotzdem enttäuscht: Für Dieter Klotsch und seine Begleiterin war der erste Besuch im Mere-Markt in Portitz nach eigenen Angaben auch gleichzeitig der letzte. Quelle: Dirk Knofe

Zweiter Standort seit Mai in Zwickau

Ein gutes Dreivierteljahr nach der Eröffnung des Standortes im Leipziger Norden ist der Mere-Markt nicht mehr alleine. Unterstützung bekommen sie aus Zwickau. Seit Mai lässt sich dort für einen schmalen Taler der Wagen füllen. Bis zur 100 ist es dennoch ein weiter Weg. Auf Nachfrage bei der TS-Markt GmbH hält man sich gewohnt bedeckt und versichert einzig, dass weitere Läden in Planung seien.

Zu wenig Platz für die Restposten

Susann Steinberg spekuliert auf einen weiteren Markt in Halle (Saale). Sicher sei das aber nicht. Steinberg ist die stellvertretende Filialleiterin im Mere. Angefangen hat sie dort als Verkäuferin. Damals ist sie über eine Leiharbeitsfirma an den russischen Discounter geraten. Die Arbeitszeiten kamen der alleinerziehenden Mutter gelegen, also sagte sie zu. Sie fühlt sich wohl bei Mere.

„Wir haben hier ein gutes Team, auf das man sich verlassen kann“, bekräftigt die Leipzigerin. Zu acht stemmen sie und ihr Team den Betrieb des Logistikmonsters. Steinberg erzählt, dass es Phasen gibt, in denen täglich an die 30 Paletten angeliefert werden. „Das ist dann schon eine Leistung, alles unterzubekommen.“ Derzeit führen sie etwa 300 Produkte. Die Konzernleitung möchte perspektivisch auf 900 aufstocken. Wie das auf der begrenzten Fläche funktionieren soll, weiß Steinberg auch nicht genau. „Wir bräuchten eigentlichen einen größeren Markt.“ Teilweise stehen die Paletten in zweiter Reihe im Verkaufsraum oder werden bis unter die Decke foliert gestapelt.

Susann Steinberg hat sich seit Anfang des Jahres von der Verkaufskraft zur stellvertretenden Filialleiterin gemausert. Quelle: Dirk Knofe

Mit ein Grund dafür ist nicht nur die hohe Frequenz bei der Lieferung. Damit sich die eng kalkulierten Verkaufspreise überhaupt rechnen, fahren die Lastwagen mit der Ware ausschließlich voll beladen. Die überwiegend Restposten kommen von überall. Der Großteil aus Polen und Tschechien, da dort die großen Logistikzentren sitzen.

Bis zu zwei Stunden Wartezeit in der Eröffnungswoche

Steinberg erinnert sich noch gut an den Ansturm am Tag der Eröffnung. Aberhunderte Menschen kamen damals in die Tauchaer Straße und räumten den Laden leer. Nach nur einer Woche musste der Markt vorübergehend schließen, weil die Ware ausging. „Teilweise mussten die Kunden zwei Stunden warten bis sie an der Kasse drankamen“, erinnert sich die stellvertretende Filialleiterin. Der anfängliche Hype sei abgeebbt, „glücklicherweise“, wie Steinberg sagt.

Keine Werbung ist Teil der Firmenphilosophie

Die Geschäfte jetzt liefen dennoch gut. Es habe kurz nach dem großen Sturm eine Phase gegeben, in der der Umsatz zeitweise einbrach. „Da dachten wir wirklich: Bleibt das jetzt so wenig?“ Doch die Leute kamen wieder. „Wir könnten sicher noch mehr Kunden erreichen, würden wir Werbung machen, aber das ist nicht im Konzept der Konzernleitung vorgesehen.“ Auch würden sie sich wünschen, einige Details im Verkaufsraum ändern zu können, wie zum Beispiel die Preisschilder. „Es würde besser aussehen, wenn die übersichtlich von der Decke hängen.“ Aber auch da gilt das Motto: So wenig wie möglich investieren.

Von Lisa Schliep

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