Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Saat-Gut Plaußig geht mit Blühstreifen, Imkerei und Bio-Rhabarber grüne Wege
Leipzig Lokales Saat-Gut Plaußig geht mit Blühstreifen, Imkerei und Bio-Rhabarber grüne Wege
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:01 27.06.2019
Haben viel zu bereden: Benedikt Biermann, Geschäftsführer der Saat-Gut Plaußig Voges KG, und Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt und Ordnung, Sprecher des Grünen Ringes, an einem Blühstreifen im Norden Leipzigs nahe Merkwitz. Quelle: Jörg ter Vehn
Leipzig

Vor wenigen Tagen erst wurde Benedikt Biermann wieder gelöchert. „Eine Kommission hat mich stundenlang über den Betrieb ausgefragt“, erzählt der 35-Jährige. Richtig tiefgehend seien die Fragen gewesen, die Teilnehmer hochinteressiert. Am Ende habe er die volle Punktzahl bekommen, werde im Sommer den Titel „bienenfreundlicher Betrieb Sachsens“ verliehen bekommen.

Bringen tut ihm der Titel nichts. Die Bienen hat er sowieso über einen Berufsimker an seinen Betrieb geholt. Der kooperiere mit weiteren Hobbyimkern, „wir haben da eine enge Zusammenarbeit“, erzählt Geschäftsführer Biermann. „Denn so wie die Bienen uns brauchen, brauchen wir die Bienen“, ist er sich sicher. „Mindestens 200 Völker“ beherberge die Saat-Gut Plaußig Voges KG jedes Jahr.

Mehr Falter für die Landschaft

Gut 40 Hektar Blühstreifen hat Biermann mit seinem Team zudem in den letzten Jahren entlang der Felder anlegen lassen. Teils sei die Maßnahme gefördert, teils auch aus eigener Tasche bezahlt, erklärt er. Schon im ersten Jahr habe durch die wilden Wiesen die Falterpopulation um 300 Prozent zugelegt, das habe ihn überzeugt, auf jeden Fall damit weiterzumachen. Aber was die wenigsten wüssten: „Nach fünf Jahren muss ich die Streifen wieder umpflügen. Sonst wird aus dem wertvollen Ackerland rein rechtlich Grünland“, erklärt er. Und das sei weniger wertvoll in den Bilanzen. „Wir Landwirte sind leider oft gefangen in rechtlichen Bestimmungen.“ Immerhin habe er gerade vorige Woche ein gutes Gespräch geführt mit BMW, dem Naturschutzbund und dem Imker, wie sie die Blühstreifen auf ihren Flächen Stück für Stück so verlagern, dass die wertvollen Insekten auch mitziehen können.

Zwischen Wiederitzsch und Jesewitz erstrecken sich die Flächen der Saat-Gut Plaußig Voges KG. 2400 Hektar beackere sein Team, der überwiegende Teil sei gepachtetes Land, ein Großteil von der Stadt Leipzig, erklärt er. Im Norden der Stadt sei die Situation schwierig. Die Saat-Gut Plaußig habe seit dem Messeneubau und der Ansiedlung des BMW-Werkes rund 1000 Hektar Fläche verloren, bestätigt er. „Etwa 100 Hektar allein im vorigen und in diesem Jahr“, sagt Biermann.

Besonders schwierig einzusehen sind dabei „doppelte Enteignungen“: Erst müssen Landwirtschaftsflächen abgegeben werden für eine Betriebsansiedlung – und dann weitere, weil der Betrieb die Flächen versiegelt, dafür wiederum Ausgleichsflächen nötig werden. Der Saat-Gut Plaußig ist das schon passiert.

Shitstorm nach Nachteinsatz

Klagen ist dennoch nicht Biermanns Ding. Er habe großen „Respekt“ vor der Zukunft an dem Standort im Norden – an dem laut Stadt weitere Industrieansiedlungen durchaus möglich sind, sagt er. Zugleiche bringe die Stadtnähe auch viele Kritiker. Biermann erinnert sich noch gut an den Shitstorm in den sozialen Medien nach einer nächtlichen Rapsblütenbehandlung. „Dabei wollten wir nur arbeiten nach dem täglichen Bienenausflug. Das haben viele nicht gewusst“, sagt er. Resultat: Die Saat-Gut Plaußig informiert seitdem ausführlich im Internet über ihre Arbeit.

Als neuer Leiter der AG Landwirtschaft des Grünen Ringes Leipzig (GRL) will Biermann künftig das Gespräch auch mit den Kritikern suchen und sensibilisieren für die Probleme der Landwirtschaft in der Großstadt. „Ökologisch ist gut und konventionell böse? Das ist zu einfach. Ich glaube, die Wirtschaftsweise beider Arten wird sich in den nächsten Jahren ohnehin annähern“, ist sich Biermann sicher.

„Bedingungen müssen stimmen“

Sein Betrieb ist das beste Bespiel dafür. Rund 100 Hektar Fläche haben er und sein Team er schon auf „bio“ ungestellt, produziert dort unter anderem den Rhabarber für die beliebte Lips-Schorle aus der Messestadt. „Ich wäre auch gern bereit, mehr Flächen umzustellen“, sagt er. Dafür müssten aber auch die Bedingungen stimmen. Was viele nicht wüssten: Drei Jahre müsse eine Fläche quasi brach liegen, bevor die Produkte von ihr als „bio“ verkauft werden können. „Wenn dann Flächen aber nur für wenige Jahre zur Pacht ausgeschrieben werden, ist das wirtschaftlich einfach nicht machbar.“

Leipzigs Umweltbürgermeister und Sprecher des Grünen Ringes, Heiko Rosenthal (Linke), will mit Biermann über die Arbeit der Landwirte in der Großstadt aufklären, den Diskurs suchen. „Wir müssen uns die Argumente anhören, Verständnis füreinander herstellen. Mir geht es auch um die Wertschätzung der Arbeit der Landwirte“, sagt er. Ziel des Grünen Ringes sei es auch ausdrücklich, regionale Produktkreisläufe wie etwa bei der Landwirtschaft zu fördern.

Eine kleine Möglichkeit dazu hat jeder. Er habe mit dem Berufsimker eine Vereinbarung zu den Blühstreifen getroffen, erzählt Biermann. „Zehn Cent vom Verkauf jedes Honigglases werden künftig in die Aussaat neuer Blühstreifen fließen“, erklärt er. Eine Art Siegel auf dem Glas erkläre das Projekt. Der Honig werde unter anderem über eine große regionale Bäckereikette verkauft.

Von Jörg ter Vehn

Lediglich vier Wochen hatte Detlef Grösel den Vorsitz im traditionsreichen Leipziger Paulinerverein inne. Dann musste er gehen. Grösel fühlt sich vom Vorstand des Vereins nicht verstanden. Im LVZ-Interview spricht er darüber, warum er gehen musste.

27.06.2019

Die Debatte war kontrovers. Letztlich billigte der Leipziger Stadtrat dennoch einen Vorstoß der Linken. Demnach sollen Luxussanierungen erschwert und letztlich der Mietenanstieg gebremst werden.

26.06.2019

Mit einem Festwochenende weiht die Leipziger Nikolaikirche ab Freitag ihre neuen Glocken ein. Höhepunkt ist ein Festgottesdienst am Samstag, zu dem auch Altbundespräsident Joachim Gauck erwartet wird.

26.06.2019