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Lokales Sachsen ist Schlusslicht bei der Tarifbindung
Leipzig Lokales Sachsen ist Schlusslicht bei der Tarifbindung
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21:00 22.01.2019
Kämpfen seit mehr als fünf Jahren vergeblich um einen Tarifvertrag: Mitarbeiter von Amazon in Leipzig. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Leipzig

Sachsen ist bundesweit Schlusslicht bei der Tarifbindung: Nicht einmal jeder zweite Arbeitnehmer im Freistaat wird nach Tarif bezahlt – weniger als in jedem anderen Bundesland. „Spitzenreiter bei der Tarifbindung ist Nordrhein-Westfalen mit 62 Prozent, ganz am Ende der Tabelle liegt der Freistaat Sachsen mit nur noch 40 Prozent“, sagte Reinhard Bispinck, ehemals Leiter des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, am Dienstag beim Neujahrsempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Leipziger Volkshaus.

Kamen beim DGB-Neujahrsempfang in Leipzig ins Gespräch: Sabine Edner, Geschäftsführerin des Jobcenters Leipzig, DGB-Chef Erik Wolf, Festredner Reinhard Bispinck und Steffen Leonhardi, Chef der Arbeitsagentur Leipzig (v. l.). Quelle: André Kempner

„Das sind beschämende Werte“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler, der bis zu seinem Renteneintritt 2017 fast 30 Jahre lang an der Spitze des gewerkschaftsnahen Instituts gestanden hatte, in seiner Festansprache. „Tarifbindung und Betriebsrat – das ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme, die man in einigen Wirtschaftsbereichen schon fast mit der Lupe suchen muss.“

Nur öffentlicher Dienst hält sich fast immer an den Tarif

Wirklich gut sehe es dabei nur im öffentlichen Dienst aus, wo 97 Prozent der Beschäftigen in Sachsen nach Tarif bezahlt werden. In Sachsens Baugewerbe liege der Wert zumindest noch bei 57 Prozent. In der Industrie werde dagegen nur jeder Dritte (32 Prozent) nach Tarif bezahlt, im Handel jeder Sechste (17 Prozent) und bei Dienstleistern gar nur jeder Neunte (11 Prozent).

Nur jeder zwanzigste Betrieb im Freistaat verfüge sowohl über einen Tarifvertrag als auch über einen Betriebsrat, der sich um die Einhaltung kümmert. „Das geht eindeutig zulasten der Arbeitnehmer“, kritisierte Bispinck. Denn im Schnitt liege der Lohn ohne Tarif um zehn Prozent niedriger.

„Angesichts dieser Fakten fragt man sich: Wie glaubwürdig ist die verbreitete Klage über den Fachkräftemangel, wenn die überwiegende Mehrheit auf ein sehr wirksames Mittel zur Werbung von Fachkräften verzichtet: Tarifverträge mit angemessenen Löhnen und Gehältern und guten sonstigen Arbeitsbedingungen?“

Doch es gebe positive Ausnahmen: So habe Teigwaren Riesa nach Warnstreiks der Belegschaft im Dezember eingelenkt – und will jetzt mit der Gewerkschafts Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Tarifverhandlungen aufnehmen. Und bei der Daimler-Tochter Cars Technik & Logistik in Wiedemar (Nordsachsen) bestehe nach einem Warnstreik im November zumindest die Hoffnung, dass dies auch dort gelingen könnte.

DGB-Regionalchef warnt vor Gefahr für die Demokratie

Leipzigs DGB-Regionalchef Erik Wolf sieht das sogar als Problem für die Gesellschaft insgesamt. „Sachsen hat mit seiner niedrigen Tarifbindung ein Demokratie-Defizit entwickelt“, sagte er bei dem Empfang. „Denn Tarifverträge tragen nachhaltig dazu bei, dass Demokratie in unserem Land nicht am Werktor endet.“

„Das Jahr 2019 muss zum Jahr der Stärkung der Tarifautonomie und des Flächentarifvertrages werden“, forderte Bispinck. Nur so bestehe die Chance, „alle Beschäftigten gleichermaßen an den Früchten der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben zu lassen“. Das gelte „gerade für die sächsische Wirtschaft, die hier besonderen Nachholbedarf hat“.

Von Frank Johannsen

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