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Lokales Sächsische Lehrer schauen Kollegen in den USA über die Schulter
Leipzig Lokales Sächsische Lehrer schauen Kollegen in den USA über die Schulter
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09:50 17.02.2020
Die Lehrer Rüdiger Bock vom Maria-Montessori-Schulzentrum Leipzig und Nico Ocken von der Louise-Otto-Peters-Schule erinnern sich gern an ihre Studienreise durch die USA. Quelle: Winfried Mahr
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Leipzig

„Sehr groß und extrem abgeschottet“ sind amerikanische Schulkomplexe. Das haben sächsische Lehrer bei einer Reise durch mehrere US-Bundesstaaten als zwei der auffälligsten Unterschiede zu hiesigen Schulen ausgemacht. „Mehrere Sicherheitsleute bewachen Ein- und Ausgänge, auch die Klassenräume sind während des Unterrichts verschlossen“, nennt Nico Ocken, Lehrer für Geografie und Geschichte an der Louise-Otto-Peters-Schule in Leipzig als Beispiel aus Miami. Jede Bildungseinrichtung sei verpflichtet, einmal im Monat mit ihren Schülern zu üben, wie sie sich im Falle eines eingedrungenen Schützen verhalten sollten. „Die Polizei hat spezielle Abteilungen für ,School Shootings’ eingerichtet“, ergänzt Rüdiger Bock vom Maria-Montessori-Schulzentrum.

Die beiden Leipziger gehörten wie gut ein weiteres Dutzend Pädagogen aus ganz Sachsen zur deutschen Delegation des Lehreraustauschs, der von dem seit 70 Jahren bestehenden Verein Atlantik-Brücke organisiert wird. „Wir wollten nicht wie Touristen unterwegs sein, sondern auch hinter Wände und Fassaden schauen, uns mit Kollegen austauschen“, schildert der 33-jährige Ocken seine Erwartungen, die sich während des einwöchigen Studientrips voll erfüllt hätten. Das pralle Reiseprogramm führte sie durch Florida, North Carolina bis nach Washington, D.C..

Stärkerer Druck auf Lehrerkollegen

Allein in North Carolina besuchte die Gruppe vier verschiedene Schulen. „In den Klassen lernen mehr Schüler als hier in Sachsen“, sagt der Deutsch- und Geschichtslehrer Bock. „Aber dafür sind die Räume wesentlich größer, erinnern teils schon an hiesige Turnhallen.“ Weil öffentliche wie private Schulkomplexe meist am Stadtrand angelegt seien, ist jeder Campus weitläufiger als in deutschen Innenstädten und hat später noch Erweiterungsmöglichkeiten, etwa für Sport und Freizeiteinrichtungen.

Ungeachtet des allerorts professionell zur Schau getragenen Optimismus seien Lehrerkollegen in den Staaten allerdings sozial stärker unter Druck. „Die meisten haben nur Jahresverträge“, hat der 48-jährige Leipziger erfahren. „Von der Hire-and-Fire-Mentalität ist auch der ganze Schulbetrieb durchdrungen.“

Forscher betont transatlantische Beziehungen

Die dafür nötige Anpassungsfähigkeit unterstrich auch der Wirtschaftsforscher Michael Hüther, stellvertretender Vorsitzender der Atlantik-Brücke, kürzlich bei einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) in Leipzig.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Quelle: Henning Kaiser/dpa

„Marktwirtschaft und Demokratie speisen sich aus der selben sittlichen und geschichtlichen Überzeugung, die eine transatlantische ist“, betonte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. Für seine Überzeugung, dass die Marktmechanismen das beste Mittel zur Effizienzsteigerung sind, warb er mit einer Geschichte aus New York: „An den Ausgängen der New Yorker U-Bahn erscheinen – sobald Regen einsetzt – wie aus dem Nichts Schirmverkäufer, die ebenso schnell verschwinden, wenn der Regen wieder aufhört.“

Interesse beiderseits vorhanden

Das landläufige Vorurteil, US-Amerikaner seien egozentrisch und würden sich kaum für Europa interessieren, können die Studienreisenden Bock und Ocken so nicht bestätigen. „Wir trafen viele Lehrer, die schon mal in Deutschland waren und auf dem Laufenden bleiben wollen. Auch Sachsen ist den meisten ein Begriff.“ Auf ihren Präsidenten Donald Trump seien längst nicht alle Amis gut zu sprechen. Beispielsweise hätte er mit seinem Rat, Lehrer sollten sich bewaffnen, um Schulen besser unter Kontrolle zu bringen, in Fachkreisen eher für Kopfschütteln und Fremdschämen gesorgt.

Die Studienreisen für Lehrer finden seit vier Jahren in beide Richtungen über den Atlantik statt. Alle zwei Jahre reisen 15 Teilnehmer aus jeweils einem Bundesland in die USA, um den transatlantischen Dialog zu fördern. „Ich habe meine Teilnahme während der Herbstferien nicht bereut“, versichert Lehrer Ocken. „Das erweitert den Horizont und hilft, politische Zusammenhänge besser zu verstehen.“ Auch im Unterricht daheim lasse sich manches davon einbauen.

Von Winfried Mahr

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