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Lokales Claudia Wenzel freut sich, dass sie Unruhe stiften darf
Leipzig Lokales Claudia Wenzel freut sich, dass sie Unruhe stiften darf
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18:57 04.10.2019
Schauspielerin Claudia Wenzel dreht wieder bei „In aller Freundschaft“ in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Schauspielerin Claudia Wenzel ist wieder öfter in Leipzig. Zum einen kehrt die Wahlberlinerin ans Set von „In aller Freundschaft“ zurück. Im August, September, Oktober und November hat(te) sie mehrere Drehtage in der Media City, und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Seit zehn Jahren taucht sie immer wieder als Intrigantin Vera Bader in der Leipziger Krankenhausserie auf. Eine Rolle, in der sie nicht gerade Sympathiepunkte sammelt. „Es gefällt mir, dass sie eine Böse ist. Das bringt Unruhe in die Sachsenklinik“, schmunzelt die 60-Jährige und verspricht spannende neue Geschichten – zu sehen ab 26. November auf dem Bildschirm. Klar freut sich die Schauspielerin auch, wenn sie sich Beifall als Komödiantin verdienen kann: „Das mache ich dann am Theater. Wenn man die Böse so lange spielen darf, ist das doch eigentlich ein Kompliment, dass man es gut macht.“

Claudia Wenzel mit dem inzwischen verstorbenen Dieter Bellmann (links, Professor Simoni) und Jaecki Schwarz am Set von „In aller Freundschaft“. Quelle: Regina Katzer

„Entsetzliche Angst“ am 9. Oktober

Ein zweiter Grund, der Claudia Wenzel nach Leipzig führt: Sie gehört zu den geladenen Gästen am 9. Oktober im Gewandhaus, beim Festakt zum Gedenken an die Friedliche Revolution. Zur Wendezeit vor 30 Jahren lebte die gebürtige Wittenbergerin in Leipzig, war am Schauspielhaus engagiert. Ab Mitte September 1989 ging sie zu den Montagsdemos. Immer mit ihrem Textbuch, um im Ernstfall gegenüber der Polizei zu sagen, dass sie auf dem Weg zur Probe gewesen sei. Den 9. Oktober 1989 hat sie sehr bewusst und intensiv erlebt: „Da ging es emotional hoch und runter und keiner wusste, wie der Tag endet. Ich hatte entsetzliche Angst und habe bis zum Nachmittag hart überlegt, ob ich hingehe.“ Noch sehr gut in Erinnerung ist ihr die gespenstische Stille in der Stadt an diesem trüben Tag, als immer mehr Menschen Richtung Nikolaikirchhof strömten. Die Straßenbahnen waren aus der Goethestraße umgeleitet worden, die Stadt wirkte wie gedämpft, wie unter einer Schneedecke.

Ausreise war nie ein Thema

Die junge, vom Publikum gefeierte Schauspielerin hatte damals nicht die Absicht, aus der DDR wegzugehen. Sie war dreimal zu Gastspielen im Westen, und jedes Mal blieben Kollegen „drüben“. „Ich dagegen dachte: Es müssen doch auch Leute hierbleiben, die das Land reformieren!“ Schon aus Verantwortung gegenüber ihrer Familie, die dann womöglich in Sippenhaft genommen worden wäre, kam der Weg in den Westen für sie nicht in Frage. Was sie in den Wendetagen erlebte, hat Claudia Wenzel in ihrem Tagebuch festgehalten. Daraus schöpft sie das Material für ihre autobiografische Lesung unter dem Titel „Zeitenwende –Lebenswende“ gemeinsam mit ihrem Mann Rüdiger Joswig. Der Tag des Mauerfalls war „einer der schönsten Tage in meinem Leben.“

Claudia Wenzel an ihrem 60. Geburtstag am 21. September 2019. Quelle: Jessica Stanitz

Kein Geheimnis ums Alter

Vor wenigen Tagen hat Claudia Wenzel übrigens einen runden Geburtstag gefeiert, den 60. – mit einer großen Party auf der Spree mit 80 Freunden und Familienangehörigen. Anders als viele andere Schauspielerinnen hält sie ihr Alter nicht geheim: „Das ist doch was Schönes, zu altern. Ich bin jetzt gelassener und leiste mir den Luxus, auch mal zu sagen: ,Das mache ich nicht, darauf lasse ich mich nicht ein.’“ Zudem stellt sie fest, dass sich die Einstellung gegenüber älteren Schauspielerinnen immer mehr wandelt. In der Vergangenheit war es deutlich schwerer, als reiferes Gesicht vor der Kamera besetzt zu werden.

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