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Lokales Schüler stellen bei Buchmesse Lese-Empfehlungen für Jugendliche vor
Leipzig Lokales Schüler stellen bei Buchmesse Lese-Empfehlungen für Jugendliche vor
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11:02 17.02.2019
Zahlreiche Bücher haben die Mitglieder der Jugend-Literatur-Jury gelesen. Zur Buchmesse präsentieren sie ihre Favoriten. In der Stadtbibliothek treffen sich (hinten, von links): Anna, Robert Elstner, Ute Eidson, Kira, Duc und Michael sowie (vordere Reihe, von links) Lara, Torben, Almuth und Pauline. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Neun Jugendliche sitzen am Mittwochnachmittag konzentriert an einem Tisch in der Leipziger Stadtbibliothek. Vor ihnen stapeln sich dicke Schmöker. „Das Buch war eines der schlechtesten, das ich gelesen habe. Die Handlung war so vorhersehbar“, kritisiert die 17 Jahre alte Raja. Doch ihre Mitstreiter aus der 14. Leipziger Jugend-Literatur-Jury waren von der Handlung mehrheitlich angetan. „Das Buch ist für die Mischung unserer Empfehlungen besser“, wirft Anna ein. Die Schüler fällen heute eine wichtige Entscheidung: Welche sechs Bücher stellen sie als Favoriten bei der Leipziger Buchmesse im März vor?

Jugendbücher handeln häufig von Problemen

Über beinahe ein Jahr haben die Heranwachsenden 22 Titel gelesen und bewertet. Für jedes Buch vergeben sie zwischen einem und 15 Punkte. Herausgekommen – so viel darf vorab verraten werden – ist eine Auswahl von Büchern, die auch von anderen Juroren als sehr gut befunden wurde. „Es kommt insgesamt sehr häufig das Thema Tod vor“, stellt Raja fest. Überhaupt handelten die meisten Jugendromane von Problemen. „Ich beobachte ein grassierendes Muttersterben“, die Helden hätten eigentlich in jeder Geschichte seltene Krankheiten, berichtet Robert Elstner, Projektbetreuer und verantwortlich für kulturelle Bildung in der Stadtbibliothek.

Einmal im Monat kommen Elstner, Ute Eidson von der Kinder- und Jugendkulturwerkstatt Jojo und die lesebegeisterten Jugendlichen zusammen. „Ich finde es super, hier über Bücher zu diskutieren und mich über meine Erfahrungen auszutauschen“, schwärmt Raja. Denn die Mitschüler können mit Literatur häufig wenig anfangen. „Heute redet man nur über Videospiele“, berichtet der 15 Jahre alte Michael. „Jungs lesen vor allem die Bedienungsanleitung von irgendwelchen Geräten“, stellt Torben fest. „Das ist schade.“ Auch Elstner beobachtet, dass Jungen weniger lesen. Sie interessierten sich meist nicht für Liebe, ein rosafarbenes Cover rührten viele nicht an. „Jungen wollen einen identifikationsträchtigen Helden haben“, ist Elstners Erfahrung.

„Die Zeit für Literatur schwindet“

Auffällig sei auch, dass in diesem Jury-Jahr einige Jugendliche das Handtuch geworfen haben. „Die Zeit für Literatur schwindet“, stellt Elstner fest. Die Schule fordere den jungen Lesern mit Nachmittagsunterricht und Prüfungen einiges ab. Sie besuchen die Klassenstufen acht bis zwölf, sowohl Gymnasien als auch Oberschulen. Neben dem Leseprogramm für die Jury bliebe ihr wenig Zeit für „private Bücher“, erzählt Pauline. Sie ist ein großer Fan von Fantasy-Romanen, für die Jury nimmt sie sich auch anderer Genres an.

Beim Bewerten geht die 13-Jährige systematisch vor: „Erst lese ich oberflächlich. Dann überlege ich, ob ich in das Buch richtig eintauche und mitfiebere.“ Michael geht es da ähnlich. Wenn ihn eine Geschichte fesselt, machen ihm auch viele Seiten nichts aus. „Ein Buch muss eine Handlung mit Ereignissen haben, die wirklich berühren“, ist sein Anspruch. Für Kira steht fest, dass sie lieber Werke von Autorinnen als von Männern liest.„Ich achte sehr auf die Sprache“, verrät Raja, die nach dem Abitur Physik studieren möchte. „Ich liebe es, wenn Bücher ein Abbild der Realität sind“, fügt sie hinzu. Elstner beobachtet ein großes literarisches Verständnis bei den Jugendlichen, das sie – anders als andere Juroren – allerdings nicht literaturwissenschaftlich begründen können. „Gut ein Drittel unserer Bestenliste überschneidet sich in der Regel mit den Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis“, staunt Elstner regelmäßig.

Jugend-Literatur-Jury trifft Vorauswahl selbstständig

Die 14 Schüler, die sich das Jahr über aktiv in die Jury eingebracht haben, sind voller Eifer dabei. Sogar die zu bewertenden Bücher wählen sie in Eigenregie aus. „Ich habe mich im Buchladen umgeguckt, habe auf die Cover geachtet und die ersten Seiten angelesen“, erzählt Anna.

Ihre gewissenhaft erstellte Auswahl werden die jungen Leute in kleinen Gruppen bei der Leipziger Buchmesse am 22. und 23. März vorstellen. Gemeinsam mit neu dazugestoßenen, lesebegeisterten Jugendlichen wählen sie dann die nächsten Neuerscheinungen aus, die sie bewerten möchten. Denn nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse.

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