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Lokales Schwester Daniela bringt Therapiehund mit zu schwerkranken Patienten
Leipzig Lokales Schwester Daniela bringt Therapiehund mit zu schwerkranken Patienten
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09:01 19.03.2019
Zusammen mit seiner Halterin Daniela Trambowsky (links) besucht Therapiehund Sunny seit einigen Monaten schwerkranke Patienten des Universitätsklinikums Leipzig.
Zusammen mit seiner Halterin Daniela Trambowsky (links) besucht Therapiehund Sunny seit einigen Monaten schwerkranke Patienten des Universitätsklinikums Leipzig. Quelle: Foto: privat
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Leipzig

Ein neuer „Mitarbeiter“ ist jetzt hin und wieder auf der Palliativstation des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) tätig. Er heißt Sunny, hat vier Pfoten, weiches Fell und ist ein ausgebildeter Therapiehund. Gemeinsam mit seiner Besitzerin Daniela Trambowsky besucht er ein bis zwei Mal im Monat die Patienten auf der Station.

Extra Ausbildung zum Besuchshund absolviert

Daniela Trambowsky arbeitet selbst als Schwester auf der Palliativstation am UKL. Die Besuche mit ihrem sechsjährigen Golden Retriever finden ausschließlich in ihrer Freizeit statt. Nach Hundeführerschein und Begleithundeprüfung hat Sunny noch eine Ausbildung zum Besuchshund absolviert. Schwester Daniela ging dafür mit dem Rüden zu einer Leipziger Trainerin, die sich auf die Ausbildung von Therapie- oder Begleithunden spezialisiert hat. Die Expertin testete Sunnys Wesen, prüfte, ob er gehorsam ist oder vielleicht schreckhaft, ob er nett zu Menschen ist oder Angst vor Rollstühlen zeigt – und anderes mehr. „Mein Hund bekam beispielsweise gezeigt, wie man eine Beziehung zum Patienten aufbaut und wie man neben einem Rollstuhl mitläuft“, erläutert Schwester Daniela. Nach sechs Monaten Ausbildung ging es Anfang des Jahres los.

Einsatz von Haustieren ist gängige Praxis

Der Einsatz von Haus- und Nutztieren zur Begleitung Schwerkranker und Sterbender und ihrer Angehörigen ist auf Palliativstationen gängige Praxis. Wenn die Sprache beeinträchtigt oder jemand durch eine Demenz-Erkrankung verwirrt ist, ziehen sich die Betroffenen oft in sich selbst zurück. Besuchshunde erreichen diese Menschen dann auf einer Ebene ohne Worte. Auf diese Weise können sie selbst Schwerkranken aus ihrer inneren Isolation heraushelfen. Solch ein Tier kann dann sogar auf der Station leben.

Die UKL-Palliativstation entschied sich hingegen für das Konzept des „Besuchsdienstes“: Der Hund, der normalerweise im Haushalt lebt, kommt mit seiner Halterin stundenweise zu Besuch.

Hygiene-Regeln mit Fach-Institut erarbeitet

Für Sunnys Auftritte auf der Station in der Semmelweisstraße gelten verständlicherweise strenge hygienische Vorschriften. Zusammen mit dem Institut für Hygiene, Krankenhaushygiene und Umweltmedizin am UKL wurden klare Regeln geschaffen: „Vor jedem Besuch wird Sunny auf sauberes Fell, auf Zecken und Flöhe untersucht. Natürlich muss er regelmäßig geimpft und entwurmt werden“, sagt Schwester Daniela. Außerdem muss er bei schlechtem Wetter Überzieher auf den Pfoten tragen. Leider keinen tierischen Besuch empfangen können Patienten, die in Isolationszimmern liegen. Dort darf Sunny nämlich nicht hinein.

Sunny kommt mit zu Spaziergängen im Hof

Vor den Besuchen spricht die Halterin mit den Patienten, ob nicht doch jemand Angst vor Hunden habe. Zwischen fünf Minuten und einer halben Stunde hält sich Sunny dann in der Regel am Bett eines Patienten auf. Der Golden Retriever darf gestreichelt werden oder „Leckerlis“ bekommen. Seine Halterin ist immer dabei. Erlaubt es der Gesundheitszustand des Patienten, gehen sie zusammen bis zu eine Stunde lang im Hof der Klinik spazieren. „Länger geht eigentlich nicht, auch für meinen Hund ist das alles sehr anstrengend“, so Schwester Daniela.

Auch mehr Leichtigkeit im Pflegerinnenteam

Die Teilnahme am Besuchsprogramm verordnen entweder die Ärzte oder der Wunsch ergibt sich aus Alltagsgesprächen mit den Patienten. Mancher brauche erst etwas Ermutigung. Doch die bisherigen Erfahrungen seien sehr positiv. „Ein Patient sprach noch lange von dem Tag, als er mit Sunny spazieren war. Einen anderen hatte ich noch nie so lächeln gesehen“, berichtet Daniela Trambowsky. „Sie vergessen für einen Moment ihre Schmerzen, können mal loslassen.“ Auch spüre sie mehr Leichtigkeit in ihrem eigenen Team: „Alle freuen sich, wenn Sunny da ist.“

Von LVZ