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Lokales Schwingungen beim Kraftklub-Konzert geben Rätsel auf
Leipzig Lokales Schwingungen beim Kraftklub-Konzert geben Rätsel auf
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23:00 06.11.2017
Beim Kraftklub-Konzert waren am Freitagabend rund 12000 Fans in der Arena aus dem Häuschen – und viele Anwohner im Waldstraßenviertel in Angst vor einen Erdbeben. Durch rhythmisches Hüpfen sorgte das Publikum für Schwingungen, die Häuserwände vibrieren und Gegenstände in den Quartieren zittern ließen. Quelle: André Kempner
LEIPZIG


Die Auswirkungen des Konzertes der Chemnitzer Band Kraftklub waren zuvorderst im Waldstraßenviertel von kurz nach 21 Uhr bis gegen 23 Uhr praktisch im Viertelstundentakt und vor allem in den oberen Etagen der Gebäude zu spüren: Scheiben vibrierten, Grünpflanzen und Gegenstände zitterten, wer auf dem Sofa saß, fühlte sich zeitweise in eine schwankende Koje auf hoher See versetzt. Und bei der Feuerwehr glühten die Leitungen. Fast 50 Leute meldeten sich. Das Leitstellenteam um Volker Claus versuchte zu beruhigen und klarzumachen, dass keine Gefahr drohe, sondern Kraftklub in der Arena spiele, der Hallenboden beim konzertierten Hüpfen des Publikums in Schwingungen gerate und diese sich im Untergrund ausbreiteten.

Leipzig auf diese Weise zu erschüttern, war erklärtes Ziel der Indie-Band. Mehrfach animierte Sänger Felix Brummer während des Auftritts die rund 12 000 versammelten Fans, im Takt zu springen – wie im Jahr 2015, als 8000 Besucher eines Kraftklub-Events die Arena zu einem Epizentrum machten. Damals erreichte die Welle sogar das geophysikalische Observatorium der Leipziger Universität – freilich nur in Form besorgter Nachfragen. „Diesmal gab es die nicht“, erläuterte Petra Buchholz, die am Wochenende in der Erdbebenwarte auf dem Collmberg bei Oschatz Dienst hatte. Rein seismisch habe in der Region nichts Auffälliges stattgefunden. Selbst für ein Mini-Beben brauche es punktgenau sehr viel mehr Energie, als die durch das Hüpfen von Konzertgästen abgegebene.

„Keine Nacht für Niemand“ ist die aktuelle Kraftklub-Tour überschrieben. Für den Gig in der Messestadt wurde das Motto in „Keine Nacht für Leipzig“ abgewandelt – und unter anderem mit „Ruhestören“ und „Erdbeben auslösen“ beworben. Winfried Lonzen, Geschäftsführer der ZSL Betreibergesellschaft, die für die Arena zuständig ist, zeigte sich auf LVZ-Anfrage etwas genervt, dass Kraftklub „die Sache mit dem Erdbeben offenbar als Markenzeichen für sich entdeckt hat“. Die Leute würden das dann auch ausleben. In der Arena finde das kollektive Hüpfen in der „Ebene minus eins“ statt, weil die Fläche fürs Publikum im Untergrund liege. Offenbar hänge der sich ausbreitende Schwingungseffekt damit zusammen. „Vielleicht schaukelt sich das irgendwie übers Grundwasser hoch“, so Lonzen. „Was passiert ist, sollte aber nicht dramatisiert werden.“

Das sieht der Vorsitzende des Bürgervereins Waldstraßenviertel, Jörg Wildermuth, ähnlich. „Es war eine starke Belästigung für die Anwohner, aber keine Naturkatastrophe.“ Für den Verein hätten Themen wie das gesicherte Anwohnerparken im Viertel bei Großveranstaltungen oder die Überprüfung der Luftqualität entlang der Jahnallee einen höheren Stellenwert als Untersuchungen zu Schwingungsereignissen in der Arena.

Aus fachlicher Sicht gibt es aber durchaus Klärungsbedarf. Denn der auf Hydromechanik spezialisierte Professor Frank Preser von der hiesigen Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) kann der These vom Grundwasser als Leitmedium für die Vibrationen nichts abgewinnen. „Es befindet sich in den Poren des Bodens und hat nicht die nötige Elastizität. Das ist ja kein Schwamm, der durch massenhafte Sprungeinlagen ausgequetscht wird.“ Er nimmt an, dass die Bässe und das Hüpfen zusammen für eher oberirdische Druckwellen sorgten.

Von Mario Beck

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