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Lokales Sechs leuchtende Landmarken beim Lichtfest im Südraum Leipzig
Leipzig Lokales Sechs leuchtende Landmarken beim Lichtfest im Südraum Leipzig
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17:01 09.09.2019
Peter Krümmel, Walter Christian Steinbach, Karen Herrmann und Jürgen Meier (von links) präsentieren im Rathaus Markkleeberg die Plakate für das Lichtfest. Quelle: André Kempner
Markkleeberg

Sechs eindrucksvolle Installationen inszenieren zum Tag der Deutschen Einheit der Verein DokMitt und der Landkreis Leipzig. Die Illuminationen mit dem Motto „Wir. Hier.“ sind am Mittwoch und Donnerstag, dem 2. und 3. Oktober, zu sehen (jeweils von 19 bis 23 Uhr). Im Vorfeld des 9. Oktober, 1989 Wendepunkt der Friedlichen Revolution in der DDR, entstehen sechs leuchtende Landmarken als Zeichen der Erinnerung und der Veränderung.

Erinnerung an Kräfte der Zivilgesellschaft

Beim Debüt des „Lichtfests Südraum Leipzig“ dabei sind vor dem Hintergrund der Industriegeschichte der Region und des Wandels im Südraum der Bergbautechnikpark, die schwimmende Kulturinsel Vineta, die Zentraldeponie Cröbern, die Katharinenkirche in Großdeuben, die Halde Trages und die Technischen Dienste (TD) Espenhain als ehemalige Hauptwerkstatt des Tagebaus Espenhain. „Die Lichtinstallationen sollen an die Kräfte der Zivilgesellschaft 1989 erinnern und diese dauerhaft stärken“, erklärt Walter Christian Steinbach, früherer Regierungspräsident und heute Vorsitzender des DokMitt. DokMitt ist der Förderverein zum Aufbau eines „Dokumentationszentrums Industriekulturlandschaft Mitteldeutschland“. Die Lichtinstallationen könnten dazu beitragen, dass sich das Leipziger Lichtfest ausweitet und zu einem Markenzeichen der neuen Industriekulturlandschaft des Südraums wird, so Steinbach.

Fokus breitet sich von Leipzig aufs Umland aus

Peter Krümmel, Geschäftsführer des Soziokulturellen Zentrums Kuhstall, begrüßt, dass die Aufmerksamkeit nach jahrelanger Fokussierung des Themas auf Leipzig nun auch auf das Umland gelenkt wird. Der Widerstand mutiger Bürger gegen die Staatsmacht habe sich im Südraum langfristiger aufgrund der schlechteren Wohn- und der Umweltsituation entwickelt, führt Jürgen Maier aus. Mit Karen Herrmann bildet er die Firma „Herr Maier Licht“, die für die Umsetzung des Projekts verantwortlich ist. „Uns hat die Begeisterung, die Offenheit und die Bereitschaft zum aktiven Mitwirken überrascht“, erklärt er.

Verein DokMitt will Lichtfest ausdehnen

Der Verein DokMitt hat jedenfalls Großes vor. Mit künstlerischen Mitteln wolle man ein mitteldeutsches Fest etablieren, so Steinbach, das mit weiteren regionalen Partnern den „vor uns liegenden zweiten Strukturwandel im Rahmen des Kohleausstiegs auch als Chance vermittelt“. Sollte der Verein künftig im „Strukturstärkungsgesetz Kohleregion“ berücksichtigt werden, wolle man die Lichtinstallationen auf das Mitteldeutsche Revier ausdehnen. Die Gesamtkosten in Höhe von 60 000 Euro für das erste Konzept und die Umsetzung können dank 54 000 Euro an Leader-Fördermitteln aus Brüssel gestemmt werden. Den Rest übernimmt der Verein DokMitt.

Hier gibt es die Lichtinstallationen

Das große Fenster der Werkhalle der TDE Mitteldeutsche Bergbau Service GmbH in Espenhain wird zur Projektionsfläche und zum Spiegel für den authentischen Ort und seine Geschichte. Bilder der Vergangenheit und der Zukunft verbinden sich immer wieder neu und projizieren eine „Mobile Zukunft“. In der Werkhalle findet am 3. Oktober auch das jährliche Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit statt.

„Janus“, der römische zweigesichtige Gott der Dualität, steht für die Doppeldeutigkeit der mächtigen Schaufelradbagger im Bergbau-Technik-Park Großpösna mit ihrer schwerindustriellen Vergangenheit und ihrer heutigen touristischen Nachnutzung. Sie symbolisieren die Zerstörung der Landschaft, aber auch die Identität der Bergleute mit der Geschichte. Das imposante Konstrukt des Schaufelradbaggers bildet die Projektionsfläche für Portraits von Zeitzeugen, die sich abhängig vom Standort des Betrachters verändern.

Interferenz nennt Jürgen Meier die leuchtenden Wellen über der gesamten Zentraldeponie Cröbern. Sie überlagern, überschneiden und verstärken sich, sie schwächen sich ab oder löschen sich gar aus. Das physikalische Phänomen steht metaphorisch für die wechselhaften Geschichte und die menschlichen Emotionen im Leipziger Südraum der letzten 100 Jahre.

Die Vineta, der Sage nach die versunkene Stadt im Meer, steht im Störmthaler See für alle im Tagebau verschwundenen Dörfer und Kirchen. Für die Installation „Vinetawind“ wird der stilisierte Kirchturm lebendig und sendet Lichtsignale aus. Ein Messgerät im Turm überträgt die aktuelle Windrichtung und -stärke in Echtzeit an eine Lichtsteuerung und acht Spotlights. Besonders bei böigem Wind zeigt sich ein lebendiges „Windlicht“.

Graphische Muster auf der Westfassade der Katharinenkirche Großdeuben stehen als Videoprojektion „Nah-Fern“ für authentische Zeitzeugnisse der Friedens- und Umweltbewegung der Region und für Distanz und Nähe von eigenem Erleben und Erinnerung. Währenddessen ist die Kirche geöffnet – Besucher werden so selbst zum Teil der Installation.

Die Halde Trages verkörpert die sonst eher wenig wahrgenommene Basis einer Landschaft, die über einen unfassbar langen Zeitraum entstanden ist. Historische Relikte belegen, dass der Boden dort schon viele Millionen Jahre vor dem Homo sapiens Pflanzen und Tiere nährte. Vom Menschen wurde das Erdreich an der Halde binnen sehr kurzer Zeit komplett gewendet, abgetragen, umgelagert und neugestaltet. Die Installation „Zeitennebel“ nähert sich künstlerisch in animierten Bildern der Frage nach den Pflanzen, die die Biomasse für die Kohle gebildet haben und nach der Welt des Tertiärs, in der eine grüne Welt ohne farbige Blüten entstanden ist.

Von Gislinde Redepenning

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