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Lokales Sechsjährige Mila verliert den Kampf gegen den Krebs
Leipzig Lokales Sechsjährige Mila verliert den Kampf gegen den Krebs
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11:46 14.08.2018
Mila Hinterthür verstarb am 11. Juli 2018 an einem Hirntumor. Quelle: Denise Seibt
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Leipzig

Auf die Geburt ihrer kleinen Schwester hat Mila noch gewartet, dann war ihre Kraft am Ende. Das sechsjährige Mädchen aus Leipzig lag ab Pfingsten im Koma. Sie hatte DIPG: diffuses intrinsisches Ponsgliom. Eine aggressive, seltene und kaum erforschte Krebsart, die vor allem bei Kindern zwischen vier und sieben Jahren auftritt. Der Tumor sitzt auf dem Stammhirn. Nach und nach werden sämtliche Körperfunktionen blockiert, bis sie irgendwann aussetzen: Sprache, Bewegung, Schlucken, die Atmung. Bislang hat noch kein Kind DIPG überlebt. Im Mai 2017, kurz nach Milas 5. Geburtstag, wurde der Tumor diagnostiziert (die LVZ berichtete). Am 11. Juli endete ihr Kampf, sie schlief zwischen ihren Eltern und Schwestern ein.

Mila hatte sich sehr auf ihre kleine Schwester gefreut, erzählen ihre Eltern Ronny Härtig und Christin Hinterthür. Ihr Wunschname für das Geschwisterchen war Rosali – deshalb heißt die Neugeborene Alma Rosali. Am 8. Juli kam sie auf die Welt, da konnte Mila schon seit sieben Wochen nicht mehr sprechen, laufen, sehen. Ihre Eltern pflegten sie zu Hause. „Wir wollten das selbst machen, mit so wenig Hilfe wie möglich“, sagt Härtig. Mila war eine Kämpferin, beschwerte sich nie, lächelte immer, erinnert sich Hinterthür. Zeitweise ging es ihr den Umständen entsprechend sehr gut, sie war im Kindergarten, spielte mit Freunden, kletterte durch die Gegend. Dann, in anderen Phasen: das komplette Gegenteil.

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Streit um Therapiekosten

Zusätzlich zur Chemotherapie war Mila regelmäßig für eine Immuntherapie in Köln. Diese verspricht zwar keine Heilung, aber eine Verbesserung der Lebensqualität. Die Kosten dafür, etwa 60 000 Euro, werden von deutschen Krankenkassen im Normalfall nicht getragen. Ein Antrag auf Einzelfallentscheidung wurde von der Kasse der Familie abgelehnt. Härtig und Hinterthür legten Widerspruch ein, der Rechtsstreit wird sich noch hinziehen. „Wir sind fest entschlossen, bis zum Ende um eine Kostenerstattung zu kämpfen. Wir sind froh und dankbar, Teil eines der vermutlich besten Sozialsysteme weltweit zu sein. Aber die Hilfe der Gemeinschaft bei dieser und anderen tödlichen Krankheiten ist für Betroffene unverzichtbar“, sagt Härtig. Eines wissen Härtig und Hinterthür daher sicher: Sollten sie den Rechtsstreit gewinnen, wollen sie das Geld spenden, unter anderem an die „Elternhilfe krebskranker Kinder“ und an die „DIPG-Fighter“ rund um den Onkologen Alexander Beck, der an der Münchner Stiftung für innovative Medizin an DIPG forscht.

„Ja, DIPG ist selten. Aber wenn man sich mit der Krankheit beschäftigt, merkt man, dass sie so selten dann doch nicht ist“, sagt Härtig. Dann mache sich eher der Eindruck breit: Ständig stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind an dem Tumor. Viele Eltern machen ihr Schicksal öffentlich, tauschen sich über Blogs oder Facebook mit anderen Betroffenen aus. „Das hat uns sehr geholfen“, erzählt Hinterthür. Sie und ihr Mann wollen Bewusstsein wecken in der Gesellschaft. „Die betroffenen Familien kämpfen einen Kampf, den sie nur verlieren können“, sagt Hinterthür. Dass sich das ändert, dass die Forschung voranschreitet, das hoffen Milas Eltern am meisten. Eines wollen sie am Ende noch loswerden: „Wir wurden von so vielen Menschen unterstützt. Dafür möchten wir uns bedanken, beim Team der Kinderonkologie und beim Team der Radiologie des Universitätsklinikums Leipzig, bei den zahlreichen Spendern und Unterstützern, beim Immunologisch Onkologisches Zentrum Köln und dem Team des Kinderpalliativdienstes der Universitätsklinik Dresden. Eure Hilfe ist unverzichtbar.“

Spenden:

„DIPG Fighter“, Verwendungszweck: DIPG Forschung, Deutsche Bank München, Empfänger: Spendenkonto-SIM, Kontonummer: 735318801, BLZ: 70070010, IBAN: DE37 7007 00100735 3188 01, BIC: DEUTDEMMXXX und

Mila Hinterthür, Verwendungszweck: Blumengruß für Mila, Sparkasse Leipzig, Empfänger: Spendenkonto Mila Hinterthür, Kontonummer: 1632515780, BLZ: 86055592, IBAN: DE30 8605 5592 1632 5157 80, BIC: WELADE8LXXX

Von Sophie Aschenbrenner

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