Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leben ohne Plastik ist einfach – wenn man es locker angeht
Leipzig Lokales Leben ohne Plastik ist einfach – wenn man es locker angeht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:39 23.08.2019
Rewe tut was gegen Plastkmüll. Und auch nicht. Quelle: Net
Leipzig

Beim Thema Plastik-Vermeidung winken viele ab: „Ein Einzelner kann eh nichts bewirken“, heißt es pauschal. Doch die aktuelle Entwicklung zeigt: Gibt es immer mehr Einzelne, die Produkte mit Verpackung meiden, muss die Industrie reagieren. Wie leicht oder schwer das Eindämmen von Kunststoff im Alltag ist, testet LVZ-Redakteur Mark Daniel im eigenen Zwei-Personen-Haushalt. Teil 6 ist das Resümee.

Wie sich andere nun verhalten

Manchmal offenbaren Kollegen in der Kantine ihr schlechtes Gewissen: Wenn ich meine Porzellantasse unter den Automaten stelle und sie nicht. Der Kaffee läuft nämlich nicht nur in die ausgeworfenen Kunststoffbecher, sondern auch in mitgebrachte Behälter. „Mist, das nächste Mal denke ich dran“, schwört dann immer einer.

Dabei mosere ich ja gar nicht. Denn neben Plastik sollte man noch etwas Anderes vermeiden: das Belehren seiner Umgebung. Penetriert werden und Vorwürfe bekommen ist ähnlich beliebt wie Abende bei Freunden, die ungebeten 386 Bilder ihres jüngsten Urlaubs an die Wand werfen.

75 Prozent weniger Plastikabfall

Selbstverständliches, entspanntes Vorleben von Möglichkeiten reicht völlig. Wie Reaktionen von Lesern zeigen, haben einige Lust, es ähnlich zu machen – oder sie tun es schon. Das Fazit zu dieser Serie jedenfalls lautet: Plastikverzicht fällt und geht sehr einfach. Ist der Beschluss gefasst und wird er angegangen, sind Erfolge unvermeidbar. Bei uns liegt die Verpackungs-Reduzierung aktuell bei rund 75 Prozent. Statt früher dreimal die Woche das Zeug in die gelbe Tonne zu kippen, machen wir das nun alle zehn bis zwölf Tage. Ein verdammt gutes Gefühl.

Weniger konsequent als andere

So konsequent wie manch andere leben wir trotzdem längst nicht. Noch immer benutzen wir Mülltüten aus Plastik, und obwohl ich jetzt manchmal Käse in Tupperware-Dosen hole, kaufe ich ihn je nach Situation auch in der Verpackung. In den Schlaf kommt man dennoch.

„Plastikvermeidung“ – die komplette Serie bei lvz.de

Teil 1: Wie vermeide ich Plastik im Alltag? Ein Selbstversuch

Teil 2: Kunststoff kommt uns nicht in die Tüte

Teil 3: Die Daily Soap und ein Iltis-Problem

Teil 4: Wischen possible – wie man Reinigungsmittel selber macht

Teil 5: Alles nackt – Unverpackt-Läden in Leipzig

Die wohl erstaunlichste Entdeckung war das Shampoo in Seifenform, die das Haar genauso aufschäumt wie flüssiges und es länger frisch hält. Für Handseife, Haarewaschen und Duschen den Retro-Effekt des Magnethalters zu nutzen, hat regelrecht gefetzt. Eine Tasche für loses Gemüse und Obst beim Einkauf mitzunehmen, ist eine Frage der Eigenkonditionierung.

Manchmal bunt, ergiebig und erstaunlich schäumend: festes Shampoo. Quelle: Kempner

Ein Becher ist immer dabei

Gäbe es in unserer Nähe einen Unverpacktladen, würden wir ihn nutzen. Doch der Alltag offenbart abseits der beschriebenen Methoden weitere Baustellen, an denen man umswitchen kann. Wenn es um „Kaffee to go“ geht, fährt im Auto ein Becher mit oder steckt in meiner Tasche – in Kenntnis einer irrsinnigen Zahl: Laut Deutscher Umwelthilfe werden aktuell 2,8 Milliarden Einwegbecher pro Jahr in Deutschland verbraucht.

Tückisches Mikroplastik

So gut und wichtig das Reduzieren von Tüten und Verpackung ist – vor allem problematisch sind die nicht recyclebaren Plastikgemische und Mikroplastik. Das Zeug löst sich von synthetischen Kleidungsstücken ab und steckt in vielen Kosmetikprodukten. Mögen die kleinen Shampoo- und Lotion-Flaschen bei Hotelübernachtungen also noch so schnucklig sein – lässt man sie stehen, werden weniger nachproduziert.

Manchmal siegt die Faulheit

In einigen Fällen kann der Verzicht auf Folien und Co. teurer kommen (Seife, Lebensmittel aus der Region), beim Herstellen von Reinigungsmitteln spart man hingegen deutlich. Für das bin ich schlichtweg zu faul, Inkonsequenz lauert also überall. Auch bei anderen, die sich für Plastikeinsparung einsetzen: Die Rewe Group mag bei dieser Entwicklung ganz vorn dabei sein – ihre auf Recyclingpapier gedruckte Werbung landet trotzdem in Plastik eingeschweißt im Briefkasten.

Widersprüchliches von Rewe

Beschwerdeführern antwortet Rewe auf Twitter: „Die Folie schützt die Prospekte vor Verschmutzung sowie Nässe und dient damit der Hygiene und der Bewahrung der Druckqualität.“ In Produktion und Rückführung in den Wertstoffkreislauf sei das eine ressourcenschonende Alternative. Der Schrei der Katze, die sich da in den Schwanz gebissen hat, hört hoffentlich auch die Redaktion der „Heute-Show“.

Das war’s also. Vielleicht hat Sie unsere Serie inspiriert. Vielleicht auch genervt. Trotzdem haben Sie diesen Text bis zum Schluss gelesen. Ist doch schon mal was. Ich geh’ jetzt erstmal runter zum Automaten, ’nen Kaffee holen.

Von Mark Daniel

Die Schablonen für blinde Wähler sind nicht kompatibel mit den Leipziger Wahlscheinen, eine Mail des Blinden- und Sehbehindertenverbandes warnt nun vor deren Verwendung. Ob damit noch alle Briefwähler erreicht werden ist offen. Damit steht die Gültigkeit der Landtagswahl infrage, meinen Betroffene.

23.08.2019

Am Wochenende geht auf dem Augustusplatz das LVZ-Kinderfestival über die Bühne. Aus diesem Anlass konnten drei junge Leipziger den Oberbürgermeister interviewen. Sie erfuhren, was der Stadtchef für die eigene Fitness tut – und wie er zur Fridays-for-Future Bewegung steht.

23.08.2019

Die Leipziger Rathausspitze hat ihr „Arbeitsprogramm 2023“ vorgelegt. Es enthält über 30 konkrete Projekte für die nächsten vier Jahre: Etwa ein Wohndorf für Demenzkranke, Großsporthalle, Matthäikirchhof, neue Musikfestivals, Stadionumfeld, Pleißefreilegung oder das Robert-Koch-Areal in Grünau. Hier die Übersicht zu den Plänen.

23.08.2019