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Lokales Sexualwissenschaftler: „Die Schule ist bisher kein Schutzraum“
Leipzig Lokales Sexualwissenschaftler: „Die Schule ist bisher kein Schutzraum“
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14:50 25.11.2019
„Hoher Bedarf, kaum Angebote“: Maria Urban, Heinz-Jürgen Voß, Jürgen Wolfgang Stein und Heiko Hübner fordern mehr sexuelle Bildung für Lehrer und Lehramtsstudenten. Quelle: André Kempner
Leipzig

Lehrer und Lehramtsstudenten in Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen besser als bisher für Fragen sexueller Bildung gewappnet sein. In einer groß angelegten Studie der Hochschule Merseburgund der Universität Leipzig gaben 93 Prozent der Befragten an, im Studium zu wenig über das Thema zu erfahren. 97 Prozent der Studenten halten es für notwendig, dass an den Unis gelehrt wird, wie sexualisierte Gewalt erkannt und ihr vorgebeugt werden kann. 94 Prozent der Lehrer wünschen sich eine entsprechende Weiterbildung. Insgesamt nahmen 2771 Pädagogen aus allen Schultypen am Forschungsprojekt „Sexuelle Bildung für das Lehramt (SeBiLe)“ teil.

Darauf aufbauend bietet die Uni Leipzig im Sommersemester 2020 in einem Pilotprojekt drei Lehrveranstaltungen zur sexuellen Bildung an. „Wir hoffen, damit bundesweit auszustrahlen und Nachahmer zu finden“, sagte Heinz-Jürgen Voß, Professor an der Hochschule Merseburg und einer der Projektleiter, am Montag bei der Vorstellung der Studie an der Uni Leipzig. Auf Leipziger Seite leitet die Erziehungswissenschaftlerin Barbara Drinck das Forschungsvorhaben. Die Professorin war krankheitsbedingt nicht bei der Präsentation, ließ aber schriftlich ausrichten, dass „die Formen und Auswirkungen sexualisierter Gewalt so vielfältig und weitreichend“ seien, „dass sie unbedingt Thema im Lehramtsstudium werden“ müssten.

„Jede Lehrkraft ist zuständig, sobald sich ihr ein Schüler öffnet“

Der Sozial- und Sexualwissenschaftler Voß kritisierte: „Die Schule ist bislang kein Schutzraum.“ Um das zu ändern, seien die erziehungswissenschaftlichen Fakultäten gefragt: In der Befragung gaben lediglich acht Prozent der Studierenden und neun Prozent der Lehrkräfte an, im Studium etwas über die Prävention sexualisierter Gewalt erfahren zu haben. An Lehrveranstaltungen über sexuelle Bildung allgemein haben den Angaben zufolge jeweils 20 Prozent teilgenommen. Immerhin 63 Prozent der befragten Lehrer haben dennoch bereits im eigenen Unterricht sexuelle Fragen behandelt.

Der Merseburger Sozialarbeiterin und Kulturwissenschaftlerin Maria Urbanzufolge stehen dem „hohen Bedarf“ folglich „kaum Angebote“ entgegen. Vor allem in Förder- und Grundschulen, so Urban, „nehmen die Lehrkräfte Sexualität und die Notwendigkeit zur Prävention von sexualisierter Gewalt als zentrale Themen im Schulalltag wahr“. In allen Schulformen hielten Beratungs- und Vertrauenslehrer das Thema für dringlicher als etwa Schulleiter. Doch eigentlich, so Projektleiter Voß, „ist jede Lehrkraft zuständig, sobald sich ihr eine Schülerin oder ein Schüler öffnet“.

„In jeder Klasse sitzt ein betroffenes Kind“

Für Heiko Hübner, Referent im Bildungsministerium von Sachsen-Anhalt, ist „der Schutz vor sexualisierter Gewalt eine gesellschaftliche Aufgabe, an der sich die Schulen beteiligen müssen – dort erreichen wir alle Kinder und Jugendlichen.“ Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, seien auch gesetzliche Regelungen notwendig, fordert Jürgen Wolfgang Stein, der einem von der Bundesregierung beauftragtenFachgremium für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs angehört. „Sexuelle Bildung ist verbindlich in die Lehrerausbildung aufzunehmen“, sagte er. Darüber hinaus müsse jede Schule verpflichtet werden, ein Schutzkonzept zu entwickeln.

„In jeder Klasse sitzt ein Kind oder sitzen mehrere, die von sexueller Gewalt in der Familie oder im Internet betroffen sind“, so Stein. Umso wichtiger sei, dass von den Schulen selbst keine Gefahr ausgehe – „weder von Gleichaltrigen, noch von Lehrern oder einem Hausmeister“.

Von Mathias Wöbking

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