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Lokales Badeseen im Leipziger Umland – niemand packt das Thema Wasserrettung an
Leipzig Lokales Badeseen im Leipziger Umland – niemand packt das Thema Wasserrettung an
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15:31 04.07.2019
Unbewachter Badestrand am Markkleeberger See. Quelle: André Kempner
Leipzig

Am Wochenende beginnen die Sommerferien, dann schwärmen noch mehr Menschen an die Badeseen. Die heißen Tage im Juni brachten nicht nur Badespaß, sondern auch drei Badetote in Leipzig und Markkleeberg. Denn fast nirgends passen Rettungsschwimmer auf die Badegäste auf. Wasserwacht ist ein stiefmütterlich behandeltes Thema – bisher wurde es im Neuseenland nicht ernsthaft angepackt.

Bessere Kennzeichnungen nötig

„Es wird viel Geld zum Erhalt des Strandes ausgegeben. Da wurde extra Sand aufgeschüttet, dann wurden zum Schutz des Sandes Buhnen gebaut, aber zum Schutz der Menschen wird kein Geld ausgegeben“, ärgert sich Rolf Markwat aus Markkleeberg-Ost, geschockt von zwei Badeunfällen mit tödlichem Ausgang. So gebe es keinerlei Hinweise auf die Abbruchkante unter Wasser. Diese ließe sich einfach, schnell und kostengünstig durch Bojen oder eine Schwimmleine kenntlich machen. „Wir brauchen deutliche Piktogramme für diejenigen, die kein Deutsch sprechen“, sagt er.

Wasser marsch! An heißen Tagen hilft nur noch Abkühlung. Hier gibt’s die Übersicht über 40 Badeseen und Freibäder der Region Leipzig.

„Mir fallen auf Anhieb fünf Seen ein, wo bewachte Badestellen eingerichtet werden sollten“, schildert Marcel Knabe, Chef der Wasserwacht beim Kreisverband Leipzig-Land des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Es ist eine politische Entscheidung. Die Kommunen müssen sich dazu durchringen. Wenn eine anfängt, ziehen die anderen mit.“ Die Zeit ist jedenfalls reif – und das aus mehreren Gründen.

Wo vor 30 Jahren riesige Tagebau-Löcher die Landschaft prägten, ist inzwischen eine Seenlandschaft entstanden, die immer mehr Nutzungsmöglichkeiten und Badegäste verzeichnet. Doch Bergbauseen sind tückisch, da sie schon nach wenigen Metern tief und kalt werden. Hinzu kommt, dass laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mehr als 50 Prozent der Grundschüler nicht sicher schwimmen können. Bei Asylsuchenden betrage der Anteil der Nichtschwimmer nahezu 100 Prozent. Viele Besucher überschätzen sich. Die DLRG Leipzig setzt sich deshalb seit Jahren für ein aktives Sicherheitskonzept in der Leipziger Seenlandschaft ein – bislang ohne Erfolg.

Es mangelt an Geld, nicht an Schwimmern

Aber es gibt sie, die Leute, die mit gutem Beispiel vorangehen. Von Rettungsschwimmern bewacht wird der Leipziger Campingplatz-Strand am Kulkwitzer See. Betreiber Christian Conrad gibt dafür etwa 6000 Euro pro Saison aus. An der Schladitzer Bucht sichert in diesem Sommer erstmals die Wasserwacht des DRK Leipzig-Stadt den Badestrand sowie die Surfer, Paddler, Taucher und Segler ab; in den Sommerferien und bei Bedarf auch an den Wochenenden bis Mitte September. „Ja, wir wollen uns das leisten, der Sicherheit wegen“, betont André Zwerschke vom Wassersport-Anbieter „All on Sea“. Dafür wird Eintritt kassiert: 1,50 Euro pro Besucher. Das Geld wurde in den vergangenen Jahren für Toilettenreinigung, Müllgebühren und Sanderneuerung ausgegeben – ab sofort wird auch noch die Wasserwacht davon bezahlt. „Wir retten damit zehn bis 15 Menschen pro Jahr aus Gefahrensituationen“, schätzt All-on-Sea-Geschäftsführer Michael Glaser.

Das Geld ist der Knackpunkt. Die Zahl der benötigten Rettungsschwimmer ist es erst mal noch nicht – 300 bis 400 gibt es in der Region, die ehrenamtlich arbeiten. Aber die brauchen Rettungstürme mit entsprechender Technik-Ausrüstung. An der Schladitzer Bucht sieht es so aus, dass die kleine Gemeinde Rackwitz zusammen mit dem privaten Wassersport-Unternehmen All on Sea die Wasserrettung für Tausende Badegäste sichert, die zum überwiegenden Teil aus Leipzig kommen. Das kann nicht so bleiben.

Übergreifendes Konzept wird benötigt

Wenn die Wasserrettung im Neuseenland kommen soll, wird ein übergreifendes Konzept der verschiedenen Kommunen gebraucht. „Das geht nur im Zuge der Tourismus-Entwicklung“, glaubt Daniel Kreusch, Sprecher der Stadt Markkleeberg. Hierfür werden Mehrheiten gebraucht. Leipzig winkt bislang ab. „Eine gesetzliche Grundlage, mit der eine Gemeinde verpflichtet werden kann, Rettungsschwimmer zu beschäftigen, gibt es nicht“, heißt es aus dem Neuen Rathaus.

Im Normalfall schließe der Betreiber (Pächter) eines Strandes privatrechtliche Verträge mit der DLRG oder anderen Einrichtungen ab. Leipzig konzentriert sich auf seine fünf städtischen Freibäder (plus ein Kinderfreibecken). Strategische Ansätze für die Badeseen auf Leipziger Gebiet – Cospudener See, Kulkwitzer See, Zwenkauer See, Bagger Nordost, Landschaftspark Südwest – sind bisher nicht bekannt. Markkleeberg verfolgt schon seit Längerem das Projekt, in der Nähe des Kanuparks einen Segelstützpunkt mit Wasserwacht einzurichten. Doch das kann dauern: „Der Umsetzungszeitraum wäre in den nächsten drei bis fünf Jahren“, so Stadtsprecher Kreusch.

Von Kerstin Decker

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