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Lokales Sieben Monate allein auf dem Yukon
Leipzig Lokales Sieben Monate allein auf dem Yukon
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07:01 04.09.2018
Abenteuer eines Leipzigers: Robert Neu paddelte auf seiner Tour durch Kanada und Alaska an faszinierenden Landschaft vorbei und kam Tieren wie dem Braunbär ganz nah. Quelle: Foto: Robert Neu
Leipzig

Es hätte auch anders ausgehen können. Das grüne Boot von Robert Neu entsprach ziemlich genau der Beschreibung des Wassergefährts, das auch jener Brandstifter benutzt hatte, der die Fischerhütten am Yukon aufgebrochen und abgefackelt hatte. Und so blickte der Leipziger im vergangenen Jahr an mehreren Uferstellen in wütende Gesichter – und Gewehrmündungen. „Gottlob kannte ich durch meine Reise im Vorjahr Leute in den Dörfern, auf die ich mich berufen konnte, das entschärfte die Situation.“ Nur eine von vielen Geschichten, die der 36-Jährige zu erzählen hat in seinen Multivisions-Shows über das Abenteuer auf dem berühmten Strom, der durch Kanada und Alaska bis zur Beringsee führt.

„3000 Kilometer Wildnis und Freiheit am Yukon“, so hat er den Bericht untertitelt. Wer sich mit Neu über das Reisen unterhält, registriert immer wieder das Leuchten im Gesicht des Mannes, der sieben Monate lang allein mit Schlauchboot, opulenter Kameraausrüstung, Fotodrohne und Campingklamotten den Yukon entlang paddelte. Gut, dass die essenziellen Utensilien Neugier und Erlebnislust nur emotional viel wiegen.

Gespürt hat der gebürtige Düsseldorfer diesen Drang schon mit 17, als er ein Jahr in Kanada war, zur High School ging und eine Kanutour auf einem Nebenabschnitt des Yukon erlebte, den Teslin River. Nach dem Studium von Geschichte, Sprachwissenschaft und Journalistik sowie Deutsch als Fremdsprache in seiner Heimatstadt zog es ihn nach Russland – im Goethe-Institut von Tomsk lehrte er Deutsch und organisierte Veranstaltungen. Hier begann Neu mit dem Schreiben von Reportagen, die unter anderem in der Süddeutschen Zeitung erschienen, und entdeckte sein Faible für Fotografie. Und er lernte Natascha kennen, mit der er danach für zwei Jahre nach Kasachstan zog und für das Zentralstelle für das Auslandsschulwesen arbeitete.

2011 heiratete das Paar und entschied sich zum Wechsel nach Leipzig, weil Natascha hier einen Studienplatz für Deutsch als Fremdsprache bekam. „Eine schöne Stadt zum Leben“, findet Neu – und zum Planen fürs Reisen, das meist an Flüssen vertäut ist; Ströme als ein Leitfaden, an dem entlang sich Geschichten ergeben über Menschen, Tiere, Landschaften. Und die immer mit einem archaischem Leben zu tun haben – egal, ob es der Jangtse war, die Donau oder zuletzt der Yukon.

Robert Neu liebt das Erkunden der Welt, das Kennenlernen von Menschen und Kulturen. Seine Frau akzeptiert diese Sehnsucht. „Sie weiß: Mich gibt’s nur so.“ Sein aktueller Vortrag zeugt von atemraubenden Ansichten und Erlebnissen. Wie der Annäherung an einen Braunbären in der Wildnis bis auf wenige Meter. „Ich habe mich still verhalten, nur dadurch blieb es ungefährlich.“ Unvergesslich für ihn sind auch die Tage, an denen ihn die Athabaska-Indianer auf Lachsfang mitnahmen.

Das Alleinsein kennt und mag er, Einsamkeit befällt ihn kaum. Dennoch generiert diese Form des Reisens oft eine Konfrontation mit Krisen und Geduldsproben. „Wenn es tagelang nur regnet, es ständig kalt und nass ist, dann schlägt das aufs Gemüt. Durchhalten ist nicht leicht“, erzählt er. Aber: „Umso schöner sind danach Sonnenuntergänge bei wolkenlosem Himmel und ein warmes Feuer.“

Zurückgekehrt ist er mit 1,5 Terrabyte Bildmaterial, aus dem er eine Multivisionsshow gebaut hat. Fotos, Filme, Musik, Interviews mit Einheimischen, intensive Schilderungen. Die Entscheidung, vom Dokumentieren fremder Welten und Reisegeschichten-Erzählen zu leben, hat wenig Aussicht auf Wohlstandswachstum, wenn man nicht Rüdiger Nehberg oder Arved Fuchs heißt. „Ohne allzu hohe Ansprüche kommt man aber über die Runden“, sagt Neu. Das nächste Abenteuer? „Es gibt ein paar Ideen“, lässt er blicken. „Aber ich rede erst drüber, wenn der Plan gefasst ist.“

Vortrag am 14. Oktober in der Villa (Lessingstraße 7), 11 und 15 Uhr. Karten für 13,80 Euro unter www.ticketgalerie.de, in allen LVZ-Geschäftsstellen und im Tapir Store Leipzig.

Von Mark Daniel

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