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Leipzig Lokales So können sich Insekten in Leipzig wohlfühlen
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17:33 06.08.2019
Hier krabbelt der gefährdete Trauer-Rosenkäfer und sucht Pollen auf einer Kratzdistel Quelle: Hendrik Lapinski
Leipzig

Der Trauer-Rosenkäfer ernährt sich hauptsächlich von Pollen, und die findet er immer seltener. Auf der Roten Liste bedrohter Insekten gehört er zur Kategorie zwei, er ist stark gefährdet. Auf einem Grünstreifen inmitten der Leipziger Semmelweisstraße, umgeben vom lärmenden Autoverkehr, ist der Trauer-Rosenkäfer jetzt wieder aufgetaucht. Seine Rückkehr an diesen unwirklichen Ort ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer übergreifenden Zusammenarbeit verschiedener Leipziger Behörden.

Das Amt für Umweltschutz, das Straßen- und Tiefbauamt und die Stadtreinigung haben im Frühling 2018 gemeinsam das „Pilotprojekt Semmelweisstraße“ ins Leben gerufen: Ein sieben mal 450 Meter großer Grünstreifen zwischen zwei Fahrbahnen, der – und das ist die Besonderheit – nur noch zwei Mal im Jahr gemäht wird.

57 Pflanzenarten auf Straßenstreifen

 “Ich war erstaunt über die Vielfalt an Pflanzen und Insekten, die sich binnen so kurzer Zeit hier angesiedelt hat“ , sagt Michael Seppelt vom Amt für Umweltschutz ein Jahr später zufrieden. Er und seine Mitarbeiter könnten 57 verschiedene Pflanzen und mehr als 90 unterschiedliche Insektenarten dokumentieren.

Wiesen-Flockenblume, Acker-Kratzdistel und Steinklee, das Gedeihen vieler unterschiedlicher Pflanzen ist erste Bedingung für ein Aufleben der Insektenwelt, erklärt Michael Seppelts Kollege Markus Rümmler: „Auf eine neue Pflanzenart kommen im Durchschnitt 20 neue Insektenarten.“

Ein Umstand, der sich angesichts eines anderen Problems von großer Bedeutung ist: Mit ihren symbolhaften Vertretern, den Bienen und Hummeln, machen die Insekten aus traurigem Anlass immer häufiger von sich Reden: Sie verschwinden.

Insekten essenziell für das Ökosystem

Das Aussterben der Insekten sei eine Katastrophe, betont Frederike Lägel vom Umweltverband Ökolöwe: „Fehlen Insekten, bringt das große Verluste in der gesamten Nahrungskette mit sich.“ Sie fehlten als Bestäuber ebenso wie als Nahrungsgrundlage für andere Tiere: „Eine Schwalbe beispielsweise benötigt für die Aufzucht ihrer Jungen bis zu 1,2 Kilogramm Insekten, das entspricht grob geschätzt 12.000 Tierchen“.

Damit die Schwalbenjungen satt werden, brauchen also auch die Insekten Lebensraum um zu gedeihen. Asphaltierte Flächen und stets kurz gemähter Rasen böten den nicht, erklärt Rümmler. Der Grünstreifen an der Semmelweisstraße taugt da eher als Wohlfühloase.

Im Clara-Zetkin-Park wachsen Blumenarten, deren Nektar für Insekten leicht zugänglich ist. Quelle: Kempner

Zwar denkt man gemeinhin im Park fernab der viel befahrenen Verkehrsrouten, seien die Bedingungen für Insekten besser. „Aber auch dort hat die Artenvielfalt durch ein strenges Mahdregime und die wechselnde Bepflanzung mit Zierformen gelitten“, sagt Michael Seppelt vom Amt für Umweltschutz.

Das wird jetzt rückgängig gemacht. Im April hat die Stadt in zahlreichen Parks sogenannte Etablierungsfenster geschaffen. Mit einem klaren Auftrag: Die Vielfalt der Pflanzen in den Parks muss erhöht werden.

"https://www.google.com/maps/d/embed?mid=1oLV_f1Fr1-SSStGx2s-6ifhG1RILB_p-" width="640" height="480">Neue Blühstreifen in Leipziger Parks

Dafür wurde im Rahmen des Projektes Stadtgrün.Wertschätzen eine regionale Samenmischung für Sorten ausgesät, die bestimmte Kriterien erfüllen: „Wichtig ist, dass auch Insekten ohne spezielle Sauginstrumente den Nektar erreichen können“ erklärt Rümmler. Dafür seien Wildformen besser geeignet als hochgezüchtete Zierpflanzen, deren Nektar oft nicht mehr zugänglich ist.

 Außerdem habe sich das Verhältnis zum Mähen verändert, betont Insektenexperte Markus Rümmler: „Die Wiesen und Blumen dienen den Insekten nicht nur als Nahrung, sondern auch als Entwicklungs- und Rückzugsräume“, erklärt er. Gemäht werden solle deswegen künftig seltener.

Das Mahdgut sollte zudem eine Weile liegen bleiben, ehe es weggeschafft wird, so übertragen sich die Pollen und: „Die Insekten können sich herauskriechen und sich woanders hin retten.“ Dem einen oder anderen Trauer-Rosenkäfern hat das auf dem Semmelweisstreifen vielleicht schon das Leben gerettet. Mit der aktuellen Hitze allerdings droht die nächste Gefahr für das bedrohte Tierchen, denn zu hohe Temperaturen verringern die Spermienproduktion der Käfer. Das haben Wissenschaftler in einer Studie herausgefunden.

Von Anna Flora Schade

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