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Lokales So läuft in Leipzig die Einführung von Abbiegeassistenten in Lkw
Leipzig Lokales So läuft in Leipzig die Einführung von Abbiegeassistenten in Lkw
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06:01 23.07.2019
Ein Lkw-Testfahrer steuert während der Demonstration eines Abbiegeassistenten einen Lastwagen. Mit einem von Mercedes entwickelten Radarsystem wird der Lkw-Fahrer akustisch und durch eine Leuchte gewarnt, wenn sich vor dem Abbiegen ein Radfahrer im toten Winkel neben dem Fahrzeug befindet. Quelle: Jens Büttner/dpa
Leipzig

„Ich habe die Radfahrerin wirklich nicht gesehen“, beteuert der Lkw-Fahrer, als er die wohl schlimmsten Momente in seinem Leben vor Gericht Revue passieren lässt. Am 20. September 2016 war der damals Mittfünziger mit seinem Lastwagen von der Wurzner Straße nach rechts in die Liliensteinstraße abgebogen. Dabei übersah er eine 23-jährige Radfahrerin, die neben ihm fuhr und die Kreuzung überquerte. Schon mit einem optimal einstellten Außenspiegel, wohl aber in jedem Fall mit einem elektronischen Abbiegeassistenten hätte sich dieser Unfall vermeiden lassen, würde die junge Frau heute noch leben. Seitdem ereigneten sich in Leipzig immer wieder schwere, teils tödliche Abbiegeunfälle mit Lkw.

EU-weite gesetzliche Einführung nicht vor 2022 geplant

Bis jedoch Abbiegeassistenten, die einem Lkw-Fahrer zum Beispiel akustisch oder visuell signalisieren, ob sich Personen im toten Winkel neben seinem Fahrzeug befinden, zur Pflichtausstattung von Lkw und Bussen werden, dürften noch einige Jahre vergehen. Die EU will die elektronischen Helfer ab 2022 zunächst für neue Fahrzeugtypen und zwei Jahre später dann für alle neu zugelassenen Lkw und Busse verpflichtend einführen. „Aus kommunaler Sicht leider viel zu spät“, so Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Der Deutsche Städtetag, dessen Präsident Jung ist, habe die Bundesregierung aufgefordert, die gesetzliche Einführung vorzuziehen und die Nachrüstung von Abbiegeassistenten besser staatlich zu fördern.

Förderprogramm bereits ausgeschöpft

Es gibt zwar das Förderprogramm „Abbiegeassistenzsysteme“ des Bundesverkehrsministeriums. Doch die Nachfrage war so groß, dass keine Anträge mehr angenommen werden. Dessen ungeachtet würden die Fahrzeuge der Stadt Leipzig und ihrer Unternehmen „wo es technisch möglich ist, nach und nach nachgerüstet“, so Jung jetzt auf eine Anfrage der SPD-Ratsfraktion. Neufahrzeuge würden, sofern es verfügbare und zugelassene Systeme gibt, bereits mit Abbiegeassistenten bestellt. Nachrüstungen kosteten pro Fahrzeug im Schnitt 3000 Euro. Die technischen Lösungen seien allerdings sehr unterschiedlich und nicht jedes System passt zu jedem Fahrzeug.

Abfalllogistik ist Vorreiter

Erste Fahrzeuge sind dennoch bereits mit der bislang freiwilligen Sicherheitstechnik ausgerüstet: bei der Abfalllogistik Leipzig etwa jedes achte Entsorgungsfahrzeug. Bis Ende des Jahres wird dort jeder vierte Lkw über einen Abbiegeassistenten verfügen. Bei der Stadtreinigung sind in zwei Lkw testweise Abbiegeassistenten verschiedener Systeme eingebaut. Ergebnisse sollen Ende Juli vorliegen, dann werde auch über eine Lösung für alle Lkw des städtischen Eigenbetriebes ent­schieden. Die Branddirektion prüft eine Nachrüstung für einen Teil ihrer Flotte. Auch für die 70 Lkw, die das Hauptamt der Stadt im Bestand hat, wird eine Nachrüstung erwogen. Im zweiten Halbjahr ist dazu eine Marktabfrage ge­plant, „in deren Ergebnis Fragen der Nachrüstung und damit verbundener Förderung geklärt werden“. Ähnlich läuft es auch in der Oper.

Für 70 Fahrzeuge existierten aktuell jedoch keine geeigneten oder zugelas­senen Systeme. Bei Ersatz- oder Neuanschaffungen sollen dann Assistenzsysteme von vornherein Bestandteil der Ausschreibung werden, etwa bei der Leipziger Gruppe, der St. Georg Wirtschafts- und Logistikgesellschaft, der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, beim Schauspiel und Zoo.

Überlegungen zu Fahrverboten für Lkw ohne Abbiegeassistent

Bereits im Februar hatte der Stadtrat auf Antrag der Linken die Stadtverwaltung damit beauftragt zu prüfen, wie sich die Einfahrt von Lkw ohne Abbiegeassistenten in die Stadt Leipzig beschränken lässt. Das Ergebnis soll dem Stadtrat bis Ende 2019 vorliegen.

Von Klaus Staeubert

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