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Lokales So soll das neue Gaskraftwerk in Leipzig-Connewitz aussehen
Leipzig Lokales So soll das neue Gaskraftwerk in Leipzig-Connewitz aussehen
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07:48 13.11.2019
Am Dienstagabend präsentierten die Leipziger Stadtwerke erstmals einen Entwurf – wie ihr künftiges Gaskraftwerk in Connewitz aussehen soll. Quelle: Jens Rometsch
Leipzig

Das neue Gaskraftwerk der Leipziger Stadtwerke soll nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Turbinen erhalten. Das teilte Geschäftsführer Karsten Rogall bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend vor Ort mit. „An der Leistung ändert sich dadurch aber nichts“, betonte er. Wie bisher schon geplant, werde diese voraussichtlich bei etwa 120 Megawatt elektrischer sowie 150 Megawatt thermischer Energie liegen. Das Kraftwerksgebäude falle indes um etwa ein Drittel kleiner aus und erhalte auch nur noch zwei Schornsteine. „Wir hoffen, damit die Veränderungen des Stadtbildes für die Anwohner noch etwas geringer zu halten.“

So stellen sich die Leipziger Stadtwerke die Lage der neuen Anlagen auf dem Gelände des früheren Heizkraftwerkes Leipzig Süd an der Bornischen Straße (rechts) vor. Quelle: Stadtwerke Leipzig

Ausschlaggebend für die neue Entscheidung seien technologische Gründe gewesen. Die Technik der bislang vorgesehenen, drei kleineren Turbinen hätte einem Entwicklungsstand aus den Neunzigerjahren entsprochen, so Rogall. „Damit könnte man dem Erdgas maximal fünf Prozent Wasserstoff beimischen, wenn eines Tages genug Wasserstoff zu wirtschaftlichen Preisen angeboten wird.“ Stattdessen wollten die Stadtwerke nun zwei größere Turbinen einkaufen, die dem technologisch modernsten Stand entsprechen. Sie könnten sofort etwa 20 Prozent Wasserstoff in dem Gasgemisch verarbeiten, ließen sich zudem später einfacher auf einen Anteil von 50 oder sogar 100 Prozent Wasserstoff umstellen.

Noch umweltfreundlicher bei weniger Kosten

„Das neue Kraftwerk wird also noch umweltfreundlicher und zukunftssicherer“, erklärte Rogall. Auch die Investitionskosten könnten damit wahrscheinlich spürbar gesenkt werden. Jedoch müsse das kommunale Unternehmen deshalb nun noch mal einen neuen Antrag auf Genehmigung gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz bei der Landesdirektion Sachsen einreichen. Dies solle am 13. Dezember geschehen. Wie berichtet, war der erste Antrag (für drei Turbinen) im September eingereicht worden. Dies bedeute einige Wochen Zeitverzug, die jedoch nichts am straffen Terminplan änderten, so der Geschäftsführer. „Baustart ist im Sommer 2020 und die Inbetriebnahme in der zweiten Jahreshälfte 2022.“

Vertrag mit Lippendorf läuft bis September 2022

Bekanntlich will der kommunale Energieversorger durch die Großinvestition an der Bornaischen Straße 120 unabhängig von Fernwärme aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf werden. Der entsprechende Liefervertrag mit Lippendorf-Betreiber LEAG laufe am 30. September 2022 aus, war einer Präsentation bei der Informationsveranstaltung in der historischen Schaltwarte auf dem Stadtwerke-Areal in Connewitz zu entnehmen.

Am Dienstagabend präsentierten die Leipziger Stadtwerke erstmals einen Entwurf – wie ihr künftiges Gaskraftwerk in Connewitz aussehen soll. Quelle: Stadtwerke Leipzig

Mehr als ein Dutzend Gutachten habe das Unternehmen zu dem Vorhaben erstellen lassen, erläuterte Projektleiter Thomas Brandenburg in der voll besetzten Halle. Die neue Strategie zur Wärmeversorgung Leipzigs spare jährlich 2,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid ein. „Nach Berechnung der TU Dresden reduzieren sich die Schadstoffemissionen bei einer lokalen Betrachtung über alle Schadstoffgruppen um rund 50 Prozent.“ Zum Beispiel sei der Ausstoß von Stickstoffdioxid so gering, dass er sich in der Umgebung nicht einmal messen lasse, sagte Brandenburg auf Nachfrage von Anwohnern.

Neuer Wärmespeicher dominiert Baufeld

Optisch dominiert werde das Baufeld (gelegen direkt zwischen der Bahntrasse und einer Waldorfschule) in Zukunft aber nicht durch das Kraftwerksgebäude, auch nicht durch das Gasanlagengebäude (zur Vorverdichtung des Brennstoffes) und auch nicht durch die Pumpenhalle (zum Abtransport des erhitzten Wassers als Fernwärme). Vielmehr entstehe nebenan ein riesiger Wärmespeicher mit einer Kapazität von 100 Megawatt. Dessen Fassade werde künstlerisch gestaltet – und zwar mit einem Leipziger Stadtplan.

Die Informationsveranstaltung in der historischen Schaltwarte des früheren Heizkraftwerkes Leipzig Süd war gut besucht. Quelle: Jens Rometsch

Vertreter mehrerer Bürgerinitiativen kritisierten das Vorhaben. So monierte Stephan Schreiber von der Initiative „Gaskraftwerk in Leipzig stoppen“, der Stadtrat habe gerade einen Klimanotstand ausgerufen, wolle aber neue Anlagen zum Verbrennen fossiler Brennstoffe bauen lassen. „Dabei wird klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt. Der Umwelt- und Gesundheitsschutz spielt für die Stadtwerke keine Rolle. Stattdessen wird auf die schöne Fassadengestaltung des 50 Meter hohen Turmes abgestellt.“

Kritik von mehreren Bürgerinitiativen

An das geplante Gaskraftwerk grenze das Naturschutzgebiet Auenwald, auch Schulen und Kindergärten, erinnerte Schreiber. „Garten- und Sportvereine, die Anwohner sind massiv betroffen. Die Leipziger leiden jetzt schon unter der schlechten Luft.“ Leipzig solle gleich ganz auf erneuerbare Energien setzen oder das Gaskraftwerk in Lippendorf bauen.

Ähnlich sah es Harald Egert, der einst selbst am Kraftwerksbau in Lippendorf beteiligt war: „Wenn Leipzig keine Fernwärme mehr von dort bezieht, ist Lippendorf stärker bedroht, muss auch Böhlen bald neue Fernwärme-Anlagen bauen.“

765 Unterschriften für Siedler-Petition

Manfred Hartung, Vorsitzender des Siedlervereins Mariental-Gudrun-Siedlung, meinte, es sei der falsche Weg, ein Gaskraftwerk „mitten in der Stadt“ zu errichten. Der Verein habe bereits 765 Unterschriften dagegen gesammelt und mit Hilfe des Verbandes Wohneigentum eine Petition beim Stadtrat eingereicht. „Doch trotz Mahnung bekamen wir bis heute noch nicht mal eine Eingangsbestätigung dafür.“

Die Fassade des riesigen neuen Wärmespeichers unweit der Bornaischen Straße wird künstlerisch gestaltet – vor allem mit einem Leipziger Stadtplan. Quelle: Stadtwerke Leipzig

Die Vertreter der Stadtwerke boten an, zu den Initiativen zu kommen und alle Fragen bis ins Detail zu beantworten. Ängste der Anwohner seien verständlich, aber unbegründet, so Geschäftsführer Rogall. Zum Beispiel werde das neue Kraftwerk so gut wie nicht zu hören sein und überhaupt nur in der kalten Jahreszeit laufen. „Alle Grenzwerte unterbieten wir deutlich.“ Das bestehende Leipziger Gaskraftwerk an der Eutritzscher Straße arbeite seit Jahrzehnten ohne Beeinträchtigungen für die Umgebung. Wenn in Connewitz später Wasserstoff als Energieträger genutzt werden könne, gebe es gar keine Emissionen von Kohlen- oder Stickstoffdioxid mehr.

Von Jens Rometsch

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